Nichts sehen und nichts hören? Für gesunde Menschen eine schreckliche Vorstellung, denn wenn gleich zwei so wichtige Sinne nur noch beschränkt oder gar nicht mehr funktionieren, hat das gravierende Auswirkungen: Die Möglichkeit, Hörprobleme mit den Augen oder Sehprobleme mit dem Gehör zu kompensieren, kann je nach Schädigungsgrad entfallen. Menschen mit Taubblindheit können deshalb nicht ohne weiteres Dienstleistungen und Hilfsmittel für sehbehinderte, blinde, hörbehinderte oder gehörlose Menschen nutzen. Dies erschwert die schulische und berufliche Laufbahn, die Freizeitgestaltung, die Ausübung eines Berufes, die Wahrnehmung familiärer oder sozialer Aufgaben, aber auch die Möglichkeit, sich zu erholen und zu amüsieren.

Verschieden Formen der Hörsehbehinderung
Taubblind ist aber nicht gleich taubblind. Es gibt verschiedene Formen, deshalb spricht man dann von Hörsehbehinderung: sehbehindert und schwerhörig (häufigster Fall), blind und schwerhörig, sehbehindert und gehörlos, blind und gehörlos (seltenster Fall). Je nach Situation (Dunkelheit, Lärm) kann allerdings ein allfälliger Hör- oder Sehrest nicht mehr eingesetzt werden. Charakteristisch für alle Betroffenen sind die Erschwernisse in der Mobilität, in der zwischenmenschlichen Kommunikation und im Zugang zur Information. Taubblindheit wird daher als eigenständige Behinderungsform verstanden.

Vor allem ältere Menschen betroffen
Während man bis vor kurzem davon ausgegangen war, dass es in der Schweiz mit rund 1300 bis 2000 Betroffenen relativ wenig taubblinde beziehungsweise hörsehbehinderte Menschen gibt, zeigt eine neue Studie ganz andere Zahlen: Vorsichtige Schätzungen liegen bei 10 000, manche sprechen gar von 200 000 Personen. Vor allem die Zahl der Menschen mit Taubblindheit im Alter wurde unterschätzt. Es ist denn auch der Alterungsprozess, der am häufigsten zu einer Sehbehinderung führt. Erkrankungen wie Diabetes, Grauer und Grüner Star, Netzhauterkrankungen oder auch die altersbedingte Makuladegeneration sind bei älteren Menschen deutlich häufiger als bei jüngeren. Ganz ähnlich verhält es sich mit dem Gehör, das im Alter oft nachlässt. Kommt beides zusammen und verschlechtert sich kontinuierlich, schränkt das ältere Menschen enorm ein. Bei jüngeren Betroffenen ist oft das Usher-Syndrom die Ursache. Erkannt wird diese Geburtskrankheit durch früh einsetzende Innenohrschwerhörigkeit oder Gehörlosigkeit von Geburt an. Später setzt dann durch die Augenkrankheit Retinopathia pigmentosa (RP, früher als «Retinitis pigmentosa» bezeichnet) ein Verlust des Sichtfeldes ein, der schliesslich bis zur Erblindung führen kann.

Schwieriger Alltag
Denn Alltag zu meistern, ist für Betroffene eine grosse Herausforderung. Die Schweizerische Caritasaktion der Blinden (CAB) bietet deshalb spezielle Kurse für Menschen mit Taubblindheit an: Vom Gedächtnistraining bis zur Wander- und Kulturwoche – alle Angebote sind auf die speziellen Bedürfnisse ausgerichtet. Ganz wichtig ist aber vor allem die Sozialberatung, Rehabilitation sowie das Angebot an Begleitpersonen. Diese drei Dienstleistungen werden alleine durch den SZB angeboten, und zwar kostenlos und schweizweit.
Wie aber funktioniert die Kommunikation? Die wichtigste Kommunikationsform: Man versucht aus dem Gesprochenen dank Hörgerät irgendetwas zu verstehen, kombiniert es mit dem Interpretieren eines schwach erkennbaren Mundbildes und der Mimik und macht daraus einen bruchstückhaften Inhalt, der dann leider auch falsch sein kann. Darum ist es eine gute Gewohnheit vieler Betroffenen, das Verstandene zu repetieren, um so eine Bestätigung zu erhalten. Für die andere Richtung der Kommunikation wird das Sprechen eingesetzt. Und es werden auch technische Hilfsmittel wie Schreibtelefon, Computer mit Zoom-Text, Braillezeilen-Handy und andere mehr genutzt.