Gemäss Christoph Reis, Geschäftsleiter des Schweizerisches Wohn- und Arbeitszentrum für Mobilitätsbehinderte IWAZ, sei das Ziel der IV- Revisionen, die Sozialwerke auf eine gesunde Basis zu stellen. Um die Sparziele zu erreichen, liegt ein Hauptaugenmerk des Bundesrates auf der Wiedereingliederung von Menschen mit Behinderung in den ersten Arbeitsmarkt.

Stufenloses Rentensystem vorgesehen
Reis warnt vor zu hohen Erwartungen. «Was sich gut anhört, hat seine Tücken und wird in dieser Form nicht umsetzbar sein. Wir befürchten, dass die Sparmassnahmen auf dem Rücken der Behinderten ausgetragen werden», warnt Reis. Bei Menschen mit Behinderung zu sparen, sei laut Reis keine Lösung. Für eine Behinderung dürfe man nicht zusätzlich benachteiligt werden. Die Revisionsvorlage 6b sieht unter anderem die Einführung eines stufenlosen Rentensystems vor. Dabei soll der IV-Grad grundsätzlich auch dem Prozentsatz der Rente entsprechen. Während sich dies bei Personen mit einem tiefen IV-Grad positiv auswirken würde, würden die Renten bei Personen mit schwerer Behinderung niedriger ausfallen. Ausserdem soll eine ganze Rente erst bei einem IV- Grad von mindestens 80 Prozent (heute 70 Prozent) ausgerichtet werden.

Zweiten Arbeitsmarkt nicht vergessen
Konkret würde das für einen behinderten Menschen folgendes bedeuten. Herr Meier, 42-Jährig, ist zu 70 Prozent invalide. Er erhält heute eine monatliche IV-Vollrente von rund CHF 2300. Mit der IV- Revision 6b bekäme er keine Vollrente mehr, sondern nur noch 70 Prozent davon. Das wären 690 Franken weniger pro Monat. «Dabei ist es illusorisch zu glauben, dass jemand mit einer Invalidität von 70 Prozent in den ersten Arbeitsmarkt wiedereingegliedert werden kann», so Reis. Denn noch immer sind etliche Unternehmen nicht dazu bereit oder nicht in der Lage, behinderte Menschen einzustellen. Umso wichtiger ist es laut dem Experten, dass die Wiedereingliederung nicht nur auf den ersten, regulären Arbeitsmarkt ausgerichtet ist. Genauso wichtig ist der zweite Arbeitsmarkt. Dieser besteht aus Institutionen und Sozialfirmen, die behinderten Menschen in einem geschützten Rahmen Arbeitsmöglichkeiten zu einem reduzierten Lohn anbieten.