Herzlichen Glückwunsch zum Miss- und Mister-Handicap Titel. Wie fühlen Sie sich?

Andrea Berger: Ich freue mich riesig über den Titel und bin stolz, für ein Jahr Botschafterin für Menschen mit Behinderung zu sein. Ich habe den Sieg überhaupt nicht erwartet; ich glaube, das hat man mir auch angesehen. Lacht. Dass ich am Ende dann tatsächlich die Glaskugel überreicht bekommen habe, war einfach unglaublich.

Felice Mastrovita: Ich freue mich sehr, dass ich zum Mister Handicap gewählt wurde. Besonders viel bedeutet es mir dass mich so viele Menschen gewählt haben. Das zeigt mir, dass ich Vertrauen wecken konnte und mit meiner Art gut angekommen bin. Im ersten Moment konnte ich es gar nicht glauben, dass mein Name aufgerufen wurde. Ich war vom Sieg überwältigt.

Was hat Sie dazu bewogen, an der Wahl teilzunehmen?

Andrea Berger: Die Wahl zur Miss Handicap war schon immer ein Ziel von mir: Als ich noch ein Kind war, erfuhr ich das erste Mal von diesen Wahlen. Als ich älter wurde, verstand ich, um was es bei der Miss-Handicap-Wahl wirklich geht und wollte deshalb unbedingt mitmachen.

Felice Mastrovita: Die Idee stammte nicht von mir, sondern von einer Kollegin, die ebenfalls ehemalige Teilnehmerin der Miss-Handicap-Wahl war. Ich war anfänglich allerdings nicht sehr begeistert von dieser Idee. Lacht. Sie hat mich dann immer wieder dazu animiert teilzunehmen und mich am Ende auch angemeldet. Dafür bin ich ihr im Nachhinein natürlich sehr dankbar.

Bei der Miss-Handicap-Wahl geht es um mehr als nur um Schönheit. Was ist der Aufgabenbereich einer Miss und eines Mister Handicap?

Andrea Berger: Die Aufgaben sind sehr vielfältig. Im Zentrum steht immer die Aufklärung über Menschen mit Behinderungen. Das ist auch genau das, was ich mit meinem Amt erreichen möchte: Die Lücken zwischen Menschen schliessen – ob mit oder ohne Handicap. Zudem möchte ich dazu beitragen, dass Hemmungen gegenüber Behinderten abgebaut werden. Denn hier besteht noch immer grosser Aufklärungsbedarf. Ich möchte eine Brücke schlagen zwischen Menschen mit und Menschen ohne Behinderung.

Felice Mastrovita: Ich möchte mich als Botschafter dafür einsetzen, dass Berührungsängste zwischen Behinderten sowie Nicht-Behinderten Menschen abgebaut werden. Das Miteinander liegt mir besonders am Herzen. Als Botschafter möchte ich aber auch die Freizeit- und Kulturzugänglichkeit verbessern und Menschen mit Behinderung motivieren, mehr an öffentliche Veranstaltungen zu gehen.

An welchem Handicap leiden Sie?

Andrea Berger: Ich leide an sogenannter «peripherer Polyneuropathie», einer seltenen Nerven-Muskel-Krankheit: Meine Hände und Füsse funktionieren nur eingeschränkt und wenn etwa Feinmotorik und Kraft gefragt sind, wird es schwierig für mich. Simples Beispiel: Das Öffnen eines Joghurt-Deckelis. Zudem trage ich an den Unterschenkeln jeweils eine Schiene – ohne würde ich einknicken. Ich war auch schon für einige Zeit im Rollstuhl, habe es dank Physiotherapie und starkem Willen jedoch wieder auf die Beine geschafft. Wie die Krankheit verlaufen wird ist ungewiss, die Ärzte wissen relativ wenig über meine Erkrankung.

Felice Mastrovita: Ich bin seit einem Autounfall 2003 querschnittgelähmt. Dies am 12. Brustwirbel. Die Hände kann ich vollständig, die Beine ganz leicht bewegen. Leider reicht diese Beweglichkeit nicht aus, dass ich gehen könnte.

Hadern Sie manchmal mit Ihrem Schicksal?

Andrea Berger: Nein, gar nicht. Ich fühle mich nicht eingeschränkt. Ich kenne nichts anderes, bin mit der Behinderung aufgewachsen. Ich kann meiner Behinderung durchaus positive Sachen abgewinnen. Denn sie hat mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin.

Felice Mastrovita: Die erste Zeit war schon sehr hart. Man muss erst einmal verstehen, was überhaupt passiert ist. Ich war vor dem Unfall sehr sportlich und aktiv. Plötzlich liegt man da und ist vollkommen auf andere angewiesen, kann sich kaum bewegen und weiss, dass das alte Leben ein Stück weit vorbei ist. Allerdings blieb mir ja nichts anderes übrig als die neue Situation zu akzeptieren und mich an mein neues Leben im Rollstuhl zu gewöhnen.

Was bedeutet Ihnen Ihr Äusseres?

Andrea Berger: Mein Äusseres ist mir schon wichtig, Aber ich bin nicht besonders eitel. Ich gehe gerne shoppen und nehme mir täglich Zeit für Haare und Make-up. Ich finde es wichtig, dass man sich in seinem Körper wohlfühlt, denn das strahlt man auch aus. Obschon ich ein Handicap habe, bin ich mit mir und meinem Körper im Einklang.

Felice Mastrovita: Eine gepflegte Erscheinung ist mir wichtig und darauf achte ich auch bei mir. Ich bin jedoch nicht besonders eitel.