Psychische Erkrankungen sind häufig und gehören genauso zum Leben wie körperliche Krankheiten. Jeder zweite Mensch in der Schweiz leidet im Laufe seines Lebens einmal an einer psychischen Krankheit. «Nahezu jede Person macht daher in der Familie, im Arbeits- oder Freizeitumfeld direkte Erfahrungen mit psychischen Erkrankungen», sagt der Facharzt Thomas Ihde-Scholl. Daher sei es wichtig, über psychische Erkrankungen zu informieren.

Oft verschwiegen

Auch die Meinung, dass man sich psychischer Krankheiten wegen schämen muss, sei noch verbreitet, betont Ihde-Scholl. Diese Vorurteile bezeichnet er als Stigmatisierung. Sie hätten verschiedene negative Folgen. «Die Betroffenen und auch ihre Angehörigen ziehen sich zurück und verschweigen die Krankheit. Das wiederum macht einsam und kann teilweise die Erkrankung zusätzlich verstärken.» Aus Scham würden viele Betroffene oft zu lange warten, bis sie ihren Hausarzt aufsuchen. Deshalb, so Ihde-Scholl, würden psychische Krankheiten vielfach zu spät oder nicht von Fachleuten behandelt. «Das ist umso schwerwiegender, weil eine frühe Behandlung die Heilungschancen erwiesenermassen erhöht.»

Darüber reden hilft

Nur wenn offen über psychische Erkrankungen gesprochen wird, könne ein guter Umgang damit gefunden werden, betont Ihde-Scholl. Etwa am Arbeitsplatz, wo man die geeignete Form von Entlastung finden muss, oder im privaten Umfeld, wo es darum geht, die Betroffenen zu unterstützen. Für diese bedeute es eine grosse Erleichterung, wenn sie ihre Krankheit nicht verschweigen müssen.

Die Kampagne «Wie geht’s Dir?» der Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich und von Pro Mente Sana möchte dafür sensibilisieren, dass es wichtig ist, auch über psychische Erkrankungen offen zu sprechen. Sie möchte dazu beitragen, dass Betroffene weniger ausgegrenzt werden und sie will Wissen über psychische Erkrankungen verbreiten, um so negative Vorurteile abzubauen. Auch das Thema psychische Gesundheit ist den Trägern der Kampagne wichtig. «Denn wie der Körper kann auch die Psyche gepflegt werden, um psychischen Erkrankungen vorzubeugen», betont Thomas Ihde-Scholl. Die Kampagne ist breit abgestützt und wird zusätzlich von weiteren Kantonen und Fachverbänden getragen.