Schmetterlinge zieren ihre Rollstuhlräder, zwei pinke und ein blauer. Sie sind auf den Raddeckeln abgebildet und werden zu einer pinkroten Fläche, wenn Angela und Paolo in ihren Rollstühlen durch die Turnhalle kurven. Es gibt Schmetterlinge, die fliegen Hunderte von Kilometern, um zu überwintern. Ein unglaublicher Kraftakt. Für Angela und Paolo ist jeder Tag ein Kraftakt. Wenn sie wie etwa beim Rollstuhl-Fangis ihren Lager-Gspänli zu entkommen versuchen, müssen sie vollen Einsatz mit dem Oberkörper geben. Eine undefinierbare, äusserst seltene Muskelkrankheit ist der Grund dafür, dass sie zu schwach sind, um gehen zu können.

Im PluSport-Lager «Gemeinsames Rollen» im Emmentaler Dorf Sumiswald lernen die beiden, wie sie noch besser mit dem Rollstuhl umgehen können. Beispielsweise, um im Alltag Stufen zu überwinden. In einer übung stossen sie den Rollstuhl auf eine Turnmatte, winkeln ihn um 45 Grad an, versuchen die Balance zu finden, und stossen sich von der Matte wieder auf den Turnhallenboden. Die zehnjährige Angela ist noch etwas ängstlich dabei, doch Kursleiterin Andrea Meier steht hinter ihr und unterstützt sie, falls nötig. Als Angela die übung ein paar Mal hintereinander gemeistert hat, fragt sie: «Schaffe ich das wohl auch alleine?» und ist ganz verdutzt, als Andrea Meier ihr antwortet: «Das hast du doch gerade getan.»

Kippen, Klettern, Kino
Der neunjährige Paolo sagt, er habe noch etwas Mühe beim «Kippen», weil es viel Kraft brauche. Kein Wunder, lieben die beiden das Wasser, wo ihnen alles ein wenig leichter fällt. Sie schwärmen vom Vormittag, an dem sie bereits zum dritten Mal in dieser Lagerwoche im Hallenbad des Sportzentrums «Forum» baden durften. Insgesamt 15 Teilnehmende sind in Sumiswald dabei, wo das «Forum» für eine Woche ihr Daheim ist. Sie essen dort, übernachten dort und schwitzen in der Dreifachturnhalle. Eine Kletterwand und Tennisplätze gibt es auch. Und der Seminarraum dient den Kindern als Kino. In der Turnhalle gibt es jedoch nur ein Motto: Vollgas! Angela klemmt den Unihockeystock zwischen die Beine und jagt dann dem Ball hinterher – Einsatz total. Einmal gönnt sie sich während des Rollstuhlunihockeys eine Pause, nach einer Minute kehrt sie schon wieder zurück. Wenig später ist sie beim nächsten Programmpunkt gefordert, als eine Stafette ansteht. Angela wird lautstark angefeuert. Zum Abschluss des Nachmittags übt sie sich am Hindernis Matte. Als sie am Schluss gefragt wird, was ihr heute am besten gefallen hat, meint Angela, von einem erschöpften Seufzer begleitet: «Alles.»


Fabian Rottmeier
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