Seit 25 Jahren macht sich die Stiftung «Telethon Aktion Schweiz» für Menschen mit Erbkrankheiten stark. Sie fördert die medizinische Forschung und unterstützt Betroffene und deren Angehörige durch Spendengelder. Jährlich sammelt die Stiftung an einem Dezemberwochenende Spenden zugunsten der Betroffenen und ihrer Familien. Christa Rigozzi, Ex-Miss Schweiz und TV-Moderatorin, fungiert als Patin.

Weshalb haben Sie beschlossen, Patin zu werden und sich für Menschen mit seltenen Krankheiten zu engagieren?

Zum Einen kannte ich die Organisation bereits sehr gut, da meine Familie seit vielen Jahren als freiwillige Helfer zur Weihnachtszeit Plüschtiere verkauft. In meiner Familie hat Solidarität und Spenden eine lange Tradition. Telethon ist bei uns im Tessin sehr bekannt und hat einen ausgezeichneten Ruf. Zum Anderen habe ich gemerkt, dass mir die Leute, insbesondere meine Fans, zuhören und ich mit meiner Stimme etwas bewegen kann. Deswegen war für mich klar, dass ich mich und meine Popularität für soziale Projekte einsetzen möchte. Ich liebe Kinder sehr und habe keine Berührungsängste. Das hilft mir bei meiner Arbeit. Obschon es mir bei der ersten Begegnung mit den schwerkranken Kindern fast das Herz gebrochen hat.

Was umfasst Ihr Engagement?

Ich fungiere hauptsächlich als Patin und trage die Organisation an die Öffentlichkeit. Meines Erachtens reicht es jedoch nicht, als Patin nur seine Fotos zur Verfügung zu stellen. Man muss sich der Verantwortung dem Projekt gegenüber bewusst sein und diese auch wahrnehmen. Deswegen bin ich auch bei vielen Anlässen dabei und pflege den Kontakt mit den Betroffenen. Letzten Sommer habe ich etwa eine Gruppe betroffener Personen zum Flughafen von Agno TI begleitet. Ihnen wurde die Möglichkeit geboten, mit dem Piloten Bruno Pellandini, der den Ausflug organisiert hat, sowie mit den anderen Instruktoren der Flugschule Avilù in einem Flugzeug zu fliegen. Solche Anlässe helfen den Betroffenen, ihre schwere Situation für ein paar Stunden zu vergessen.

Was bedeutet es Ihnen, die Freude der Menschen zu spüren?

Auch für mich sind diese Begegnungen eine grosse Bereicherung und es berührt mich zutiefst, wenn ich diese jungen Leute lächeln sehe. Für mich ist es eine grosse Freude, jemandem einen schönen Moment zu schenken, der vielleicht etwas weniger Glück im Leben hatte. Nach Anlässen kehre ich immer mit dem Gefühl heim, etwas Besonderes erlebt zu haben. Ich fühle mich bereichert durch die Erlebnisse sowie durch die Warmherzigkeit und die Zuneigung der Betroffenen. Die jungen Menschen erkennen mich, erzählen mir, wie es ihnen geht und möchten, dass ich ihnen nahe bin. Zudem lehrt mich die Arbeit mit den schwer kranken Kindern, wie glücklich ich mich schätzen kann, dass ich gesund bin und auf der Sonnenseite des Lebens stehe.

Sie arbeiten auch für die Wunderlampe, welche schwerkranken Kindern Wünsche erfüllt...

Ja, bei der Wunderlampe arbeite ich seit fünf Jahren als Botschafterin und bin auch in Projekte involviert. Telethon und die Wunderlampe gehen dabei Hand in Hand – das heisst, kranken Kindern von Telethon werden Wünsche durch die Wunderlampe erfüllt. Das fängt bei Kindergeburtstagen an und hört bei Helikopterflügen auf. Manchmal werden auch ganz ausgefallene Wünsche realisiert.

Zum Beispiel?

Vor einiger Zeit hatten wir einen Jungen, Alessandro, der sich gewünscht hat, den italienischen Musiker Vasco Rossi persönlich zu treffen. Seit Jahren schreibt und komponiert Alessandro selber Lieder, die den Musikstil seines Vorbilds widerspiegeln. Tatsächlich haben wir es geschafft – obschon Rossi als eher zurückgezogen gilt – ein Treffen nach dem Konzert im Hallenstadion zu organisieren.

Wo denken Sie, ist Hilfe am nötigsten?

Für die Forschung dieser seltenen Krankheiten braucht es einerseits viel Geld. Andererseits brauchen aber auch die Familien der Kinder finanzielle Unterstützung, etwa für einen neuen Rollstuhl. Das sind teilweise immense Kosten, welche die Eltern alleine nicht tragen können. Hier sind Organisationen sowie die Treffen von Telethon für die Betroffenen wichtig. So haben sie die Möglichkeit, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen und die Sorgen für eine Zeit zu vergessen.

Was möchten Sie anderen Menschen mit auf den Weg geben in Bezug auf Solidarität und Hilfe?

Jeder Rappen zählt. Das meine ich wortwörtlich, denn auch eine kleine Spende wird zu einer grossen Summe, wenn viele Menschen spenden. Dabei sollten wir uns immer wieder in Erinnerung rufen, dass Hilfe und Solidarität für jeden von uns eine Selbstverständlichkeit sein sollten. Denn niemand weiss, ob er nicht auch einmal angewiesen sein wird auf die Hilfe anderer. Und mit wenig kann Grosses bewirkt werden. Das sehe ich immer wieder in den strahlenden Augen der Kinder – und das ist der grösste Lohn für meine Arbeit.