Dr. phil. Olga Meier-Popa
Leiterin Fachstelle Studium und Behinderung, Universität Zürich
 

Gibt es viele Studierende mit Behinderungen?
Ja, aber wir wissen nicht, wie viele es sind. Es gab 2004 eine Befragung an drei Hochschulen, und es stellte sich heraus, dass 12 Prozent der Studierenden Gesundheitsprobleme haben. Die Hälfte sagte, sie sei dadurch beeinträchtigt bei der Ausübung studienrelevanter Aktivitäten. Unsere Fachstelle hat in den letzten Jahren für 120 Betroffene pro Jahr Abklärungen und Interventionen vorgenommen.
 

 

Welcher Art sind die Behinderungen von Studierenden?
Eine Behinderung ergibt sich aus der Interaktion zwischen einem Menschen mit Gesundheitsproblemen oder Funktionseinschränkungen und der Umwelt, zum Beispiel den Studienbedingungen. Sie ist immer kontextabhängig. Wir betreuen viele Studierende mit chronischen Krankheiten, Asperger-Syndrom oder mit Dyslexie. Oftmals ist die Beeinträchtigung auf den ersten Blick nicht sichtbar.
 

 

Wie kann Ihre Fachstelle helfen?
Studierende kommen mit einem ärztlichen Zeugnis zu uns und wir klären ab, welche studienrelevanten Aktivitäten erschwert sind und durch welche Massnahmen dieser Nachteil kompensiert werden kann. Der Nachteilsausgleich ist ein wichtiges Instrument, um die Chancengleichheit sicherzustellen. Es gibt keine standardisierten Lösungen, nur standardisierte Abläufe. Oft werden Anpassungen der Prüfungsbedingungen nötig, oder wir organisieren einen individuellen Assistenzdienst. Seit 2004 gibt es Studierende, die von uns dafür bezahlt werden, dass sie Mitstudierende mit Behinderung im Studienalltag unterstützen.
 

 

Wie können die Hindernisse in der Umwelt abgebaut werden?
Wir bemühen uns, die Rahmenbedingungen an der Universität Zürich zu verbessern. Baulich-technische oder digitale Hindernisse können den Zugang erschweren. Deshalb haben wir relevante Informationen über Gebäude und Räume der Universität in einem Online-Guide Uniability UZH gesammelt. Wo sind Parkplätze für Rollstuhlfahrende, in welchen Hörsälen gibt es induktive Höranlagen? Ein grosses Thema ist die Zugänglichkeit von Websites und Studienliteratur bei Sehbehinderung. Heutzutage müssen alle digitalen Informationen für alle zugänglich sein. Für betroffene Studierende beschaffen wir Bücher im geeigneten Format von Verlagen oder Autoren.
 

 

Gibt es Fachstellen wie Ihre auch an anderen Schweizer Universitäten?
Es gibt fast überall Ansprechpersonen, aber der Universität Zürich fällt eine Pionierrolle zu. Die Rechte und Pflichten von Betroffenen sind in der Verordnung über die Zulassung zum Studium an der Universität Zürich in Paragraph 17 verankert. Wir sind stolz, dass mit der neuen Studienordnung zwei Fakultäten diesen Sommer diese Bestimmungen in ihre Reglemente übernommen haben, und wir hoffen, dass dies bald in allen Fakultäten und Instituten geschieht.

 

Gisela Blau
redaktion.ch@mediaplanet.com
 
--------------
Nützliche Links:
www.uniability.ch
www.disabilityoffice.uzh.ch