Erinnern Sie sich? 2014 hat die Schweiz die UN-Behindertenrechtskonvention unterzeichnet. Es war ein wichtiger Schritt für die 1,6 Millionen Menschen mit Behinderung, die hierzulande leben.

Denn: Obwohl die Schweiz 2002 mit dem Behindertengleichstellungsgesetz bereits einen ersten Meilenstein gesetzt hat, sind Menschen mit Behinderung noch immer weit entfernt von einem gleichberechtigten Leben.

Betroffene und Verbände wie INSOS Schweiz versprechen sich deshalb von der UN-Konvention die längst fällige Anerkennung von Menschen mit Behinderung als gleichberechtigte Bürgerinnen und Bürger.

«Menschen mit Behinderung sind in erster Linie Mensch. Und Mensch bedeutet Vielfalt und Individualität»

Unsere Vision ist eine inklusive Gesellschaft, die nicht ausschliesst, sondern die Vielfalt schätzt und jeden Menschen mit oder ohne Behinderung als wertvolles Mitglied betrachtet.

Damit wir dieses Ziel umsetzen können, sind wir alle gefordert: die Gesellschaft, die Politik, die Wirtschaft, die Betroffenen und nicht zuletzt die Institutionen für Menschen mit Behinderung, die heute rund 60'000 Menschen mit Behinderung oder mit psychischer Beeinträchtigung eine Arbeit, einen Ort zum Wohnen oder eine Ausbildung bieten.

Selbstbestimmung als Maxime

Die UN-Konvention fordert nicht nur ein gleichberechtigtes, sondern auch ein selbstbestimmtes Leben für Menschen mit Behinderung. Sie sollen selber entscheiden können, wo und wie sie leben möchten. Selbstbestimmung ist auch in den Institutionen für Menschen mit Behinderung zu einer zentralen Maxime geworden – und dies nicht erst seit der Ratifizierung der UN-Konvention.

Noch im letzten Jahrhundert war in den Institutionen der Fürsorgegedanke lange prägend: Viele Betreuende arbeiteten damals in der Überzeugung, dass sie selber am besten wüssten, was die begleiteten Menschen brauchen.

Seither haben sich die Institutionen stark gewandelt: Viele von ihnen sind heute hochprofessionelle Non-Profit-Organisationen, die Menschen mit Behinderung auf Augenhöhe begleiten und sie bei der Arbeit wie auch in ihrer Freizeit dabei unterstützen, ein zunehmend selbstbestimmtes Leben zu führen.

Denn die besten Möglichkeiten für ein selbstbestimmtes Leben bringen nichts, wenn Menschen nicht in die Lage versetzt werden, diese auch zu nutzen. Und genau dabei unterstützen die Institutionen die Menschen mit Behinderung tagtäglich.

Besonders herausfordernd ist diese Aufgabe in der Begleitung von Menschen mit schwerer und schwerster Behinderung, die rund um die Uhr auf Pflege und Unterstützung angewiesen sind.

Wahlfreiheit und Vielfalt

Heimkritiker spielen das Leben im «Heim» gerne gegen das Leben mit Assistenz aus. Doch wer glaubt zu wissen, welches die richtige Lebensform für Menschen mit Behinderung ist, geht von der Annahme aus, es gebe «den» Menschen mit Behinderung.

Dabei sind Menschen mit Behinderung in erster Linie Mensch. Und Mensch bedeutet Vielfalt und Individualität. Wichtig ist, dass auch  Menschen mit Behinderung selbstbestimmt wählen können, wo und wie sie leben möchten: ob mit Assistenz, mit Begleitung in einem Studio in der Stadt oder in einer WG in der Institution.

Denn während der eine die Freiheit einer eigenen Wohnung schätzt, fühlt sich der andere am wohlsten als Teil einer WG mit verbindlichen Strukturen. Wahlfreiheit bedingt eine Vielfalt an Wohn- und Arbeitsangeboten, welche die Institutionen heute zunehmend zur Verfügung stellen.

Ziel ist es nun, diese Angebote weiterzuentwickeln und noch flexibler und durchlässiger zu gestalten, damit die Institutionen auf veränderte Bedürfnisse rasch reagieren können.

Ein normales Leben

Institutionen begleiten Menschen, damit sie ein möglichst «normales Leben» führen können. Sie unterstützen sie, solange es sie dafür braucht.

Ziel der Institutionen ist es, Menschen in die Lage zu versetzen, selbstständig und selbstbewusst ihr Leben zu gestalten – als gleichberechtigte  Bürgerinnen und Bürger. Wir können den Weg dafür ebnen, wenn wir alle am gleichen Strick ziehen und auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten: auf das Ziel einer inklusiven Gesellschaft.