Bald ist es wieder so weit: Ob Sommer, Sonne, Strand oder Berge – die Zeit der schönsten und am meisten herbei gesehnten Wochen des Jahres rücken endlich näher. Denn die alljährlich wohlverdienten Sommerferien sind mittlerweile für fast jeden Schweizer ein fester Bestandteil seiner Lebens- und Arbeitszeit. Und das unabhängig von Alter, Geschlecht oder Berufsgruppe. Während der Ferien und in der Freizeit können wir aus der täglichen Routine ausbrechen, die Welt sehen oder einfach nur entspannen. Die eigenen Batterien werden aufgeladen und der Kopf wird frei.

Ferien für alle!

Der Zugang zu Ferien- und Freizeitangeboten ist aber für Menschen mit Beeinträchtigungen und Behinderungen noch keine Selbstverständlichkeit – und das betrifft in der Schweiz immerhin rund 1 213 000 Menschen. Es gibt in der Schweiz seit Jahren Anstrengungen auf verschiedenen Ebenen, verbesserte Bedingungen für Ferien- und Freizeitangebote für Menschen mit Behinderungen zu schaffen. Ein aktuelles Beispiel im Bereich Tourismus ist das Gemeinschaftsprojekt der Schweizer Jugendherbergen und der Stiftung Denk an mich «Ferien – zugänglich für alle», das zum Ziel hat, das gesamte Schweizer Jugendherbergenangebot – von der Informationsbeschaffung im Internet bis hin zu den Betrieben – hindernisfrei zu gestalten. Das Projekt wurde Ende letzten Jahres für den htr Milestone in der Kategorie «Herausragende Projekte» nominiert.

Teilhabe am sozialen, kulturellen und gesellschaftlichen Leben

Solche Projekte sind wichtige Schritte im laufenden Prozess, die Gleichbehandlung von Menschen mit und Menschen ohne Behinderungen voranzutreiben. Die UNO-Behindertenrechtskonvention, die im Mai 2014 auch in der Schweiz in Kraft getreten ist, verdeutlicht die Wichtigkeit und Aktualität der Gleichstellung und Chancengleichheit. Neben der Gewährleistung der Menschenrechte ist auch die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen am sozialen, kulturellen und gesellschaftlichen Leben ein zentraler Aspekt der Konvention.

Gemeinsam Inklusion möglich machen

Die Teilhabe wird in Zukunft an Bedeutung gewinnen. Dazu Prof. Daniel Oberholzer, Stiftungsrat Denk an mich und Dozent an der Fachhochschule Nordwestschweiz – Hochschule für Soziale Arbeit am Institut für Professionsforschung und kooperative Wissensbildung: «In der Begleitung, der Arbeit und der Begegnung mit Menschen mit Beeinträchtigungen wird der Aspekt der Teilhabe immer wichtiger. Nicht mehr das Defizit oder die Behinderung finden die grösste Beachtung, sondern die gemeinschaftliche Teilhabe, in welcher jeder Mensch Anteil hat, Teil ist und Anteilnahme erfährt. Es gilt der Grundsatz, dass alle Menschen gleich behandelt werden sollen. In unserem Kontext heisst dies, das Leben von Menschen mit Behinderung soll nicht anders sein als das Leben von Menschen ohne Behinderung.»

Arbeit und Freizeit

Neben dem Wohnen gehören auch die Arbeit und Freizeit und das ganze soziale Leben zur Teilhabe. Gemäss der Behindertenrechtskonvention, die die Schweiz 2014 ratifiziert hat, sollen Menschen mit Behinderungen dort wohnen können, wo alle anderen Menschen wohnen, nach der Maxime: Mitbestimmen, wo man wohnt, wie man wohnt, mit wem man wohnt. Zudem sollen Menschen mit Behinderungen dort arbeiten können, wo alle anderen Menschen auch arbeiten, und nicht zuletzt soll auch jeder Mensch mit Behinderung in seiner Freizeit überall dabei sein können.

Berührungsängste wegen mangelnder Information

Menschen mit Behinderung sollen anerkannt werden. Dabei ist es zentral, was Menschen ohne über Menschen mit Behinderung denken, denn im Alltag finden wir oft Berührungsängste, die aufgrund mangelnder Informationen und Begegnungsmöglichkeiten entstehen Prof. Daniel Oberholzer: «Teilhabe braucht Teilhabemöglichkeiten. Denn ohne die Möglichkeit der Teilhabe helfen alle individuellen und gemeinschaftlichen Anstrengungen nichts. Hierfür braucht es weiterhin gemeinsame Anstrengungen und Projekte auf nationaler Ebene.»