Herr Soost, wie fühlen Sie sich?

Sehr, sehr gut. Etwas in Eile, bin grade auf dem Weg zum Flughafen (lacht).

Reden und Bewegung – kommen Sie da nicht ins Schwitzen?

Nein, ich bin Bewegung gewohnt und treibe sehr viel Sport; mindestens 20 Minuten Work-out und Fitnessübungen am Tag. Und, ach ja, tanzen tue ich natürlich auch noch (lacht). In meiner Tanzschule unterrichte ich nach wie vor noch mit sehr grosser Leidenschaft.

Das klingt sehr ambitioniert. Wonach richten Sie denn Ihre täglichen Entscheidungen, Handlungen und Pläne?

Grösstenteils höre ich auf mein Herz, oder vielmehr mein Gefühl, statt auf den Kopf. Natürlich verlangen auch Herzensangelegenheiten eine Chance der Umsetzbarkeit. Diese folgt allerdings den Gesetzen der Logik. An dieser Stelle führe ich immer gerne folgendes Beispiel an: Ein 1,60 Meter grosser beziehungsweise kleiner Mann möchte Schwergewichtsmeister werden. Trotz aller Motivation und Leidenschaft würde er nicht gegen den Boxer Wladimir Klitschko ankommen. Einfach daher, weil dem ‚kleinen Mann‘ gewisse Grundvoraussetzungen fehlen, um den Schwergewichtsmeister zu schlagen. Deswegen verlangt jede Zielsetzung eine Logik der Schaffbarkeit, oder einfach gesagt einen gesunden Blick auf die Dinge.

Sie sind vor allem aufgrund Ihres Mitwirkens als Choreograf einer deutschen Casting-Show bekannt geworden. Bewegung und Tanz waren also schon immer ein Bestandteil Ihres Lebens. Doch was war der Auslöser Ihrer körperlichen Veränderung?

Eigentlich entspricht das auslösende Moment der klassischen Story, die mir auch viele meiner Work-out-Teilnehmer erzählen: Man sieht ein Foto von sich und ist geschockt von dem, was man dort sieht. In meinem Fall spielte ich Beachvolleyball im Strandurlab, vertrat mich, fiel hin und lag verschwitzt im Sand. Unglücklicherweise macht ein Freund in genau diesem Moment ein Foto von mir. Ich sah aus wie ein gestrandeter Wal (lacht). Und dann stellte ich mir die Frage ‚Sehe ich wirklich so aus?‘ (lacht).

Und, sahen Sie so aus?

Ja, das Problem ist, dass man sich selbst anders wahrnimmt, als man aussieht. Oft bringen Bilder dann die traurige Wahrheit ans Licht (lacht). 

Überzeugt Sie Ihre Selbstkritik?

Meistens. Wenn wir in unserer Gesellschaft keine Richtlinien hätten – ob nun visuelle, gesetzliche oder optische –, dann würden wir hier im Chaos versinken. Ein Mensch, der schlank ist, wirkt gesund, deshalb sollte man eine gesunde Figur anstreben, nicht um dünn zu sein. Ich spreche hier nicht von Magermodels, die man immer als Negativ-Beispiel anführt, sondern von einem gesunden Lebensstil. Es gibt auch dünne Menschen, die viel Fast Food konsumieren, ungesund leben und deren Bindegewebe hängt. Das ist einfach nicht gesund. Seit meiner eigenen Gewichtsabnahme beispielsweise bin ich mit 44 Jahren nun biologisch jünger, als ich noch mit 36 war, und das merke ich deutlich. 

Wie genau sieht ein gesunder Lebensstil, Ihrer Meinung nach, denn nun aus?

Die Kombination von Ernährung und Sport wirkt wie ein Wundermittel. Eine gesunde Ernährung wirkt wie Medizin, allerdings vorbeugend. Wer sich gesund ernährt, wird seltener krank. Überhaupt bin ich ein grosser Anhänger von traditioneller chinesischer Medizin oder auch Heilpraktikern. Denn das sind Wege, bei denen man seinen Körper ohne chemische Hilfsmittel in ein gesundes Gleichgewicht bringt. Zu der gesunden Ernährung sollte man ergänzend auch noch Sport machen.

Aber viele Leute mögen Sport ja nicht so ...

Ja (lacht). Die effektivste Form von guter Bewegung sind kurze knackige Bodyweight-Fitness-Einheiten, die auf dem Zusammenspiel des eigenen Körpergewichts und der mentalen Leistung basieren. Dabei werden die Muskeln besser durchblutet und mit Sauerstoff versorgt. Ausserdem sind Übungen auch auf kleinstem Raum durchführbar und erfordern nur 18 bis 20 Minuten Zeit. Da kann keiner mehr sagen, dass er das nicht schafft. Man spart ausserdem die Kosten und den Anfahrtsweg für das Fitnessstudio (lacht).

Wie sah denn damals Ihre Motivation aus?

Wir sind alle Menschen, und das bedeutet auch, dass wir oft den Weg des leichtesten Widerstands gehen (lacht). Mich trieben zwei Motivationen an: Erstens, ich wollte auf das Cover eines Fitnessmagazins, und zweitens: mich in Unterwäsche attraktiv finden, wenn ich in den Spiegel schaue. Meine jetzige Motivation ist hauptsächlich meine Gesundheit und eine gesunde Ausstrahlung, denn das bedeutet eine grosse Lebensqualität. Am schwierigsten ist es, den inneren Schweinehund zu überwinden, aber wenn man das erst mal geschafft hat, wird Sport zur Gewohnheit. Mittlerweile gehört es für mich dazu, wie das Zähneputzen (lacht).

Gab es Momente, in denen Sie gerne aufgegeben hätten? 

Natürlich war ich teilweise demotiviert, hab wieder Schokolade gegessen, aber das gehört dazu. Im Endeffekt kann man essen, was man möchte, man muss nur im Gleichgewicht bleiben. Und im schlimmsten Fall macht man halt eine Trainingseinheit mehr (lacht).

Wie motivieren Sie andere Menschen dazu, mehr Sport zu machen?

Man muss Fragen stellen: Was ist dein Ziel? Wo möchtest du hin und vor allem: Wie schaffst du das? Sport ist ein effektiver Weg, um Gewicht zu verlieren, aber es macht auch Spass, denn der Körper schüttet Endorphine, also Glückshormone, aus. Das wiederum beugt zum Beispiel Burn-out vor. Man fühlt sich einfach rundum wohl, und das ist eine grosse Motivation.

Welche Sportart empfehlen Sie für den Sommer?

Ich bin nicht der Typ, der im Winter Ski fährt und im Sommer Tennis spielt. Das sollen mal die anderen machen (lacht). Im Sommer bevorzuge ich, meine Trainingseinheiten in den Park zu verlegen, ansonsten mache ich es wie gewohnt in der Wohnung. Und ansonsten hab ich ja noch die Tanzschule … (lacht).