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Dave Dollé
war in den 1990er-Jahren ein erfolgreicher Schweizer Leichtathlet. Er hatte sich auf die 100- und 200-Meter-Sprintstrecken ­spezialisiert und mehrere Rekorde erzielt. Dollé lebt heute mit seiner Familie in der Nähe von Zürich und ist Inhaber und Geschäftsführer zweier Trainingscenter.

Wer fit ist, beugt unter anderem Herz-Kreislaufkrankheiten vor. Trotzdem ist Sport für viele von uns eine Qual.
Ja, das ist tatsächlich so. Ich selber kenne viele Leute, die nicht gern Sport betreiben. Das hat aber vielfach mit falschen Vorstellungen oder negativen Erfahrungen zu tun. Viele Leute assoziieren Sport mit Leistungsdenken und Wettkampf. Beim Leistungssport geht es in der Tat um Leistung, hartes Training und natürlich um den Sieg. Wer Leistungssport betreibt, will gewinnen. Genau darum geht es beim Fitnesstraining nicht. Nehmen Sie das Beispiel des Vita Parcours. Wenn Sie den Vita Parcours regelmässig absolvieren, am besten in Begleitung, machen Sie keinen Spaziergang, aber auch keinen Sport. Sie trainieren einzig Ihre Fitness und werden dabei die Erfahrung machen, dass Ihnen das Spass macht. Viele Freizeitsportler machen auch den Fehler, dass sie sich mit Spitzensportlern vergleichen. Dabei wissen sie nicht, wie hart man da trainieren muss. Noch einmal: Das Fitnesstraining sollte in erster Linie Spass machen.

Früh übt sich, wer ein Meister werden will. Weshalb gibt es denn gerade unter Kindern und Jugendlichen richtige Bewegungsmuffel?
Ihre erste Aussage ist absolut korrekt. Was Kinder und Jugendliche betrifft, bin ich anderer Meinung. Gerade Kinder bewegen sich erfahrungsgemäss sehr gern. Das müssen aber auch die Eltern erkennen. Wer aus lauter Angst, es könnte etwas passieren, seinen Kindern verbietet, im Freien zu spielen, macht einen Fehler. Sicher muss man die Kinder dabei beaufsichtigen, und das braucht halt Zeit, ist aber weitaus sinnvoller, als die Kinder vor dem Fernseher zu platzieren, nur damit man seine Ruhe hat. Bei Kindern und Jugendlichen führen drei Faktoren zum Erfolg: Erstens braucht es Talent. Zweitens müssen sie Zugang zum Sport haben. Wer zum Beispiel schwimmen möchte, braucht ein Schwimmbad. Wer gerne Ski fährt, ist auf einen Hügel angewiesen. Und ganz wichtig: Wer Erfolg ­haben will, muss üben, üben und nochmals üben.

Wer beim Sport übertreibt, tut sich keinen Gefallen. Sportmediziner weisen in diesem Zusammenhang darauf hin, dass bereits leichte Aktivitäten die Gesundheit fördern.
Das ist richtig. Die Gesundheitsförderung mit geringstem Aufwand, also etwa der tägliche kleine Spaziergang, müsste eigentlich gesetzlich verankert sein. Damit liessen sich Gesundheitskosten einsparen. Das Fitnesstrainig ist aber eine andere Sache. Hier kommt es vor allem darauf an, dass man es regelmässig betreibt, ohne sich zu überfordern. Auch mit spielerischen Elementen wie Frisbee spielen, Badminton, Bowlen oder Rollerbladen kann man den Kreislauf in Schwung halten und hat erst noch seinen Spass daran. Es gibt auf der andern Seite Freizeitsportarten, die anspruchsvoll und beliebt sind, wo es aber nicht ohne Fitness geht. Nehmen Sie zum Beispiel Tennis. Um Tennis spielen zu können, muss man fit sein, sonst holt man sich unter Umständen bereits beim zweiten Aufschlag eine Zerrung ein.

Stichwort Muskulatur: Wie wichtig ist es, diese nachhaltig zu stärken?
Das ist zu 100 Prozent sinnvoll. Kräftigungsübungen stärken und optimieren zudem die Herz-Kreislauf-Kapazität. Aber noch einmal: Fitness ist nicht gleich Sport. Unter Fitness verstehe ich etwas viel Umfassenderes. Oder anders gesagt: Erst wer fit ist, kann Sport betreiben. Viele Leute machen den Fehler, dass sie, ohne richtig fit zu sein, Sport machen wollen. Denen muss man zeigen, dass nur ein geregeltes und regelmässiges Training schliesslich auch zum Erfolg führt.