Frau Biellmann, Sie feierten letztes Jahr Ihren 53. Geburtstag. Wie fühlen Sie sich heute?

Ich fühle mich offen gesagt nicht viel älter als noch vor ein paar Jahren. Das Alter ist für mich einfach eine Zahl, die man zur Kenntnis nimmt. Darüber mache ich mir aber nicht gross Gedanken.

Ich trainiere jeden Tag mindestens zwei Stunden für mich

Ich treibe nach wie vor noch sehr viel Sport, trete immer noch in Shows auf und trainiere meine Schülerinnen und Schüler, die Spitzensport machen. Zudem habe ich durch den Sport ein gutes Körpergefühl. Kurzum: Ich fühle mich nach wie vor topfit und äusserst vital.

Was tun Sie für Ihre Gesundheit?

Ich trainiere jeden Tag mindestens zwei Stunden für mich

So wie ich lebe, lebe ich extrem gesund. Ich trainiere jeden Tag mindestens zwei Stunden für mich und bin zudem auch beim Unterrichten dauernd in Bewegung. Dazu ernähre ich mich gesund und bewusst, wobei ein, zwei Stücklein Schokolade im Tag durchaus erlaubt sind.

Dann schaue ich natürlich, dass ich genügend Schlaf habe, zweimal pro Woche gehe ich zudem in die Massage. Einmal in die Sportmassage, das andere Mal steht die Fusszonenreflexmassage auf dem Programm.

Sie waren im Verlaufe Ihrer langen und erfolgreichen Karriere nie ernsthaft verletzt. Einfach nur Glück – oder wie haben Sie das geschafft?

Ich verfüge über eine sehr austrainierte und gute Muskulatur. Zudem spielt sicher auch die Vererbung eine Rolle. Schon meine Mutter hat viel Sport betrieben und sich dabei nie verletzt. Wichtig ist vor allem, dass man auf den eigenen Körper hört. Ich kenne meinen Körper sehr gut. Sicher ist das Ganze immer auch ein wenig eine Gratwanderung.

Was darf man dem eigenen Körper zumuten? Solche Fragen habe ich mir immer gut überlegt. Zudem spielt auch das Glück eine Rolle. Man kann immer mal wieder unglücklich stürzen, was mir zum Glück nie passiert ist.

Sie haben bis heute Ihre Schlittschuhe nicht zur Seite gelegt. Weshalb?

Ich spüre noch immer eine grosse Leidenschaft fürs Eiskunstlaufen. Und zwar nicht nur wegen des Applauses, den man vom Publikum erhält, auch wenn das natürlich sehr schön ist und einen zusätzlich anspornt.

Wird man Sie auch in zehn Jahren noch auf dem Eis sehen?

Sicher nicht mehr in Shows. Unterrichten werde ich aber weiterhin, weil mir das extrem Freude macht. Und das kann ich sicher noch lange tun. Eislaufen ist nun mal meine Welt, auf dem Eis fühle ich mich zuhause. Das wird sich nie ändern.

Wo spüren Sie bis heute die Belastungen des Spitzensports?

Eigentlich nirgends. Ich habe keine Leiden, was ich manchmal selber erstaunlich finde.

Wurden Sie schon als Kind auf Höchstleistungen getrimmt?

Nein, alles kam von mir aus. Meine Mutter war selber eine begeisterte Eisläuferin und nahm uns Kinder jeweils aufs Eis mit. Dabei begann ich allein für mich, Pirouetten zu üben. Immer und immer wieder. Meine Mutter musste mich manchmal eher ein wenig bremsen.

Später habe ich vom vielen Üben profitiert: Ich war die erste Frau, die alle Dreifachsprünge beherrschte. Ich war sehr talentiert, deswegen fiel mir natürlich alles leichter. Zu jener Zeit beherrschten übrigens nur die besten drei Männer diese Dreifachsprünge.

1991 kam es zur Scheidung von Colin Dawson, kurz darauf haben Sie sich wieder versöhnt. Sie sind seit insgesamt über 30 Jahren ein Paar. Sind Sie zusammen glücklich?

Ja, wir sind sehr glücklich. Das kann man schon sagen.

Mit zunehmendem Alter werde der Sex besser, heisst es oft. Trifft das auch auf Sie zu?

Ja, das stimmt sicher. Wenn man jünger ist, kennt man sich noch nicht so gut. Zudem ist man im Alter selbstbewusster, auch in der Sexualität.

Sie leben kinderlos. Hatten Sie nie den Wunsch nach Kindern?

Nein, diese Frage stand so nie im Vordergrund. Meine Gedanken waren immer beim Sport und beim Eiskunstlaufen. Ich war irgendwie nicht bereit und irgendwann ist man zu alt, um Kinder zu bekommen.

Zudem habe ich beim Unterrichten sehr viel mit Kindern zu tun und habe Kinder sehr gern.

Wo sehen Sie heute den Sinn Ihres Lebens?

Der Sinn des Lebens besteht für mich in erster Linie darin, dass ich versuche, ein guter Mensch zu sein und auch an andere Menschen zu denken und sich um sie zu kümmern. Ich denke, dass ich grundsätzlich ein positiver und fairer Mensch bin.