Wie halten Sie sich gesund und fit?
Allgemein lege ich grossen Wert auf eine gesunde Ernährung, wobei ich nicht auf eine Portion Teigwaren (als Kohlenhydrate-Lieferant) vor einem Spiel verzichten kann. Besonders wichtig ist mir der klassische Drei-Mahlzeiten-Rhythmus: Frühstück, Mittagessen, Abendessen – Dies ergänzt durch kleinere Snacks oder etwas zum Knabbern für Zwischendurch. Ausserdem achte ich darauf, ausreichend Wasser zu mir zu nehmen. Massagen sind ebenfalls sehr nützlich, wie auch genügend Schlaf. Wenn ich mir die Zeit nehmen kann, mache ich auch mal Yoga oder gebe mich der Meditation hin: Ich entspanne mich gerne alleine in einem Raum, lasse Musik laufen und lasse ganz einfach los.

Welche Bedeutung hat Ihr Privatleben für Sie?
Mein Privatleben ist mir sehr wichtig. Ich widme praktische jede freie Minute, die ich zur Verfügung habe, meiner Familie und meinen engsten Freunden. Denn als Profi-Fussballer hat man nicht wirklich viel Freizeit. Die regulären Trainingseinheiten gekoppelt mit den Zusatztrainings, das Reisen, der Erfolgsdruck allgemein – das kann schon sehr belastend wirken. Als Ausgleich dazu brauche ich meine Momente der Ruhe. Und meine Familie und Bekannten spielen hierbei die wichtigste Rolle: meine Freundin, meine Mutter, meine engsten Freunde, meine Hunde.

Was machen Sie für Ihr Aussehen? Sind Sie eitel?
Mir ist Körperpflege ziemlich wichtig, das bedeutet zum Beispiel den Einsatz von Gesichtscrèmes, Hautcrèmes und dergleichen. Ich lasse mir auch die Körperhaare mit Wachs entfernen, und meine Haare auf dem Kopf halte ich schon seit meinen Anfängen als Nachwuchsspieler in der zweiten Mannschaft des FC Basel kurz. Als Fussballer und Leistungssportler muss man ja sowieso stärker auf seinen Körper achtgeben, um fit zu bleiben. Ja, ich bin eitel – Hygiene ist mir wichtig. Ich finde, ein Mensch sollte sich pflegen und sein Äusseres nicht vernachlässigen.

Machen Sie medizinische Voruntersuchungen?
Als Profifussballer ist das ein Teil der täglichen Arbeit und man gewöhnt sich auch recht schnell daran. Der Verein führt mit jedem Spieler in regelmässigen Abständen Untersuchungen durch: Es gibt Bluttests, Herzfunktion-Untersuchungen, eine Kontrolle der Laktat-Werte und noch viel mehr; dazu Konditions- und Kraftübungen, die dann ständig mit den Ergebnissen vorheriger Tests verglichen werden. Ich werde dabei so gut durchgecheckt, dass ich privat gar nicht mehr zum Arzt muss (lacht).

Wie tanken Sie Energie nach einem anstrengenden Fussballspiel?
Nach dem Abpfiff eines Spiels mit der Schweizer Fussballnationalmannschaft bleibt meist keine Zeit, um sich zu regenerieren – häufig muss ich gleich im Anschluss, mit einer zwischenzeitlichen Übernachtung in einem Hotelzimmer, nach Neapel zurückreisen. In Italien ist die Situation leicht anders: Nach einem Spiel mit Napoli gönne ich mir häufig in aller Ruhe erst einmal einen Teller Pasta. Grundsätzlich kann ich direkt nach einem Spiel selten einfach so abschalten, das Adrenalin pumpt noch eine ganze Weile länger durch meinen Körper. Bei mir zuhause in Neapel bin ich gerne mit meiner Freundin und den Hunden im Garten. Und wenn es sich gerade ergibt, zocke ich auch manchmal an der Playstation.

Was machen Sie in Ihrer Freizeit?
Besonders gerne gehe ich mit meinen Hunden spazieren oder mache einen Abstecher zur Hundeschule. Natürlich verbringe ich sonst viel Zeit mit meiner Familie, und in Neapel selbst erkunde ich auch gerne hin und wieder die Stadt. Es ist als Napoli-Spieler dabei nicht einfach, unerkannt zu bleiben. Der Club ist das Aushängeschild der Stadt, wenn nicht sogar einer ganzen Region. Die Tifosi sind überall und jeder möchte dich umarmen, dir auf die Schultern klopfen oder ein Foto mit dir machen – ich komme den Wünschen natürlich gerne nach. Die regionale Geschichte mit dem Ausbruch des Vesuvs und dem Untergang von Pompeji interessiert mich im Zusammenhang mit der Stadtentwicklung sehr.

Ansonsten mache ich auch mal gerne einen Abstecher ans Meer, und leiste mir bei besonders schönem Wetter einen Ausflug mit dem Boot. Wenn mir die Zeit bleibt, lasse ich beim Boxen die Fäuste sprechen, um mich abzureagieren. Das klingt jetzt alles nach einer Riesenauswahl und nach viel Abwechslung; aber eben, effektiv bleibt mir als Profi-Fussballer wenig Zeit, irgendwelchen Hobbys regelmässig nachgehen zu können.

Wie lebt es sich als Fussballstar?
Ich habe mir mit meiner bisherigen Karriere einen Kindheitstraum verwirklicht; ich wollte schon immer ein erfolgreicher Fussballer werden. Nach der konstanten harten Arbeit an mir selber und nach dem sportlichen Aufstieg mit dem Wechsel nach Italien ist es nun jedoch noch wichtiger geworden, dass ich das hohe sportliche Niveau aufrechterhalten kann. Aber der Weg dorthin ist nicht einfach. Ich versuche auf dem Platz immer, alles zu geben. Und wenn die entsprechenden Resultate dabei herausspringen, ist das eine Genugtuung und Bestätigung, dass man die richtigen Entscheidungen getroffen hat.

Welche Schattenseiten gibt es im Leben eines Fussballprofis?
Schattenseiten existieren, aber diese kennt jeder Profi zur Genüge und kann entsprechend damit umgehen: Wir haben als Fussballer wenig Freizeit, der Verein gibt dir ein ziemlich rigides Trainingsprogramm vor, zusammen mit Länderspielen verdoppelt sich diese zeitliche Belastung je nach Spielwoche noch einmal und als Profi muss man auch dazwischen Extraschichten einplanen, um dranbleiben zu können (z.B. mit Spezialtrainings oder Einzeltrainings). Ganz allgemein gesagt, muss man als Profi-Fussballer auf vieles verzichten. Ich bin mit Napoli und der Nationalmannschaft ständig unterwegs; man muss bei jedem Spiel physisch und psychisch bereit sein, und auch die mentale Fähigkeit mitbringen, bei Rückschlägen wieder aufstehen,  weitermachen und weiter an sich arbeiten zu können.

Wie bereiten Sie sich konkret auf ein Fussballspiel vor?
Wie anfänglich schon erwähnt, hilft mir Ruhe sehr im Vorfeld einer Partie. Ich versuche, wann und wo immer es sich anbietet, mich zu entspannen. Sei es zuhause oder im Hotelzimmer, unterwegs im Flieger oder im Mannschaftsbus. Musik hilft sicherlich auch dabei. Dabei geht es mir darum, mich auf meinen Job zu konzentrieren und der Mannschaft und dem Verein so zu helfen, wie es von mir verlangt wird. Ich spiele das letzte Training und die Anleitungen des Trainers im Kopf noch einmal durch und lasse eigene, positive Aktionen des letzten Spiels noch einmal Revue passieren. Extreme Rituale an und für sich habe ich keine, so wie zum Beispiel andere den Rasen immer mit demselben Fuss betreten. Bei mir müssen einfach meine Utensilien vor dem Anpfiff parat und meine Schuhe geputzt sein. Das kommt einem «Ritual» wahrscheinlich am nächsten.

Was ist Ihr grösstes Talent neben dem Fussball?
Das hängt in gewisser Weise stark mit dem Fussball zusammen: Ich organisiere leidenschaftlich gerne - auf und neben dem Platz. Wenn ich etwas mache, tue ich es richtig und gebe vollen Einsatz. Dementsprechend erwarte ich dasselbe von anderen. In meinem Kopf habe ich immer eine Liste, die ich nach und nach abhake. Ich denke da unter anderem an die Geschichte mit den personalisierten und kunstvoll hergestellten Gemälden, die ich meinen Nati-Kollegen vor der Abreise zur diesjährigen Weltmeisterschaft in Brasilien als Dankeschön überreichen konnte: Da habe ich alles von Anfang bis zum Ende organisiert und aufgegleist - und das mit Herzblut. Sei es der Kontakt zu den Künstlern in Italien, zwischenzeitliche Bestandsaufnahmen, Absprachen, Fragen zum Transport der Bilder, etc. Sowas kann auch richtig Spass machen.

Denken Sie bereits über die Zeit nach dem Fussball nach?
Ich plane und organisiere sehr gerne, aber soweit voraus denke ich nun doch nicht (lacht). Wenn alles glatt läuft, ich gesund und von Verletzungen verschont bleibe und ich das Gefühl habe, weiterhin mithalten zu können, werde ich sicher noch einige Jahre ganz oben mitmischen. Sicherlich macht man sich hie und da Gedanken über die  Zeit nach dem Karriereende. Ich glaube, ich werde, nachdem ich meine Fussballschuhe endgültig aufgehängt habe, meine Qualitäten und Kenntnisse weiterhin in irgendeiner Art und Weise in diesem Metier einbringen können. Aber genauer kann ich das derzeit noch nicht definieren.