Wir schreiben heute das Jahr 2016 in Europa und sind konfrontiert mit vielen Details aus einem uns wenig bekannten islamischen Kulturkreis. So sind Frauen Eigentum eines Mannes, was zugespitzt bedeutet, der Mann «sichert» sich die Vulva zur Befriedigung.

Frauen werden als Sexualobjekt genutzt. Die Verschleierung soll die Frau in der Öffentlichkeit davor schützen, nicht zum Sexualobjekt anderer Männer zu werden.

Dabei ist Sexualität ein Geschenk der Natur, das uns glücklich machen sollte


Doch ist unser Blick in Europa nicht auch verschleiert? Blicken wir nicht heute noch mit Ambivalenz auf die weibliche Sexualität, trotz Gleichberechtigung und Emanzipation?

 

Einerseits zeigen uns die Medien eine entblössende Freizügigkeit in Bildern: Sex sells. Andererseits trifft weibliche Sexualität auf Prüderie, Tabus und Herabsetzung.

Dabei ist Sexualität ein Geschenk der Natur, das uns glücklich machen sollte. Sie trägt zur Gesundheit bei, weil sie Glückshormone ausschüttet. Sie bleibt eine lebenslange Herausforderung, der wir nicht entfliehen können, egal für welche Form des Auslebens wir uns entscheiden. Sexualität braucht Wissen über den Körper und seine Funktionen.

Sie braucht Ethik und Werte wie auch eine liebevolle Zuwendung. Verständnis von Abläufen und Funktionen sind wichtig, die aber nicht nur erlernt, sondern auch praktisch eingeübt werden müssen.

Diese komplexe Sexualität zu leben, steht für eine  Lebenskultur im eigenen Leben genauso wie für eine Kultur in der Gesellschaft. Der übliche Begriff für das Erlernen und Einüben wäre «Selbstbefriedigung», doch dabei kommt mir die Tiefe der intimen Interaktion zu kurz.

Es ist mehr, es ist eine «Ménage-à-moi». Sie ist ein Tabu, das Mädchen schon früh sehr subtil erfahren. Immer noch wird der weibliche Genitalbereich in Schulen als «die Scham» bezeichnet. Frauen sollen sich dafür schämen, ihre Schamlippen zu berühren. Dabei sind es doch viel eher Lustlippen. Die Erkundung der Vulva ist eine Entdeckungsreise in die individuelle Sexualität.

Die eigene Fantasie einzusetzen und mit ihr die erogenen Zonen aufzuspüren, gehört ebenso dazu, wie mit Neugier die äusseren und inneren Lustlippen zu berühren. Noch tief greifender ist die Erforschung der Klitoris mit ihrer Perle. Sie ist einmalig in der Natur und wird Frauen aus einem einzigen Grund geschenkt: ihnen Lust zu bereiten.

Sie ist sehr komplex und nicht einfach zu bespielen. Die Perle der Klitoris ist sehr empfindlich und löst ein variantenreiches Gefühlsleben aus. Es braucht Erfahrung und Übung, um genau herauszufinden, wie, wann und worauf sie reagiert. Diese Interaktion mit sich selbst führt dann in ein wunderbares Pulsieren der Vulva, das wir Orgasmus nennen.

Es ist das lustvolle Gefühl, sich einen Moment lang vollkommen und schwerelos darin aufzulösen.  Doch circa 30 Prozent der Frauen kommen nie zum Orgasmus und weitere 30 Prozent erreichen ihn auch nicht im Zusammensein mit dem Partner.

Das ist eine traurige Bilanz in unserer Kultur der Sexualität. Die Komplexität des eigenen Körpers zu verstehen, braucht Übung und Erfahrung mit der «Ménage-à-moi». Sie ist der Königinnenweg zu einer erfüllten Sexualität mit einem Partner oder einer Partnerin in einer Intimität, jenseits jedes Leistungsdenkens. Sie ist Lust, Liebe und Hingabe zugleich.

Die Liebe zu sich selbst ist ein Fundament zu einem glücklichen Leben. Wer sich selbst lieben kann, der fliesst über in der Liebe zu anderen Menschen. Die «Ménage-à-moi» ist die Basis für eine würdevolle Liebeskultur, die jenseits des Schleiers einer deplatzierten Scham zu Glück und Wohlbefinden führt, egal ob Frau alleine lebt oder in einer Partnerschaft.