Kinder entdecken die Welt durch Bewegung

Freies Spiel, sich mit Gleichaltrigen und den Eltern austauschen zu können und die Umwelt als sicher und vertrauensvoll zu erleben, ist für Mädchen und Jungen bereits im Kleinkindalter sehr wichtig. Dies fördert ihre Widerstandskraft gegenüber späteren Belastungen, stärkt ihr Selbstvertrauen und beeinflusst ihre weitere körperliche, psychische und soziale Entwicklung positiv.

Damit sogenannte nichtübertragbare Krankheiten (englisch non-communicable diseases NCD), wie beispielsweise Krebs, Diabetes oder Herz-/Kreislauferkrankungen, bei Erwachsenen weniger auftreten, ist das gesunde Aufwachsen von Kleinkindern von grosser Wichtigkeit.

Nichtübertragbare Krankheiten machen heute 80 Prozent unserer Gesundheitskosten aus und sind mittlerweile die häufigste Todesursache in der Schweiz. Ausgewogene Ernährung, eine vertrauensvolle Umgebung und ausreichend Bewegung sind Schutzfaktoren, die es deshalb zu stärken gilt.

Sind Kinder jedoch von klein auf beispielsweise regelmässig Zigarettenrauch ausgesetzt, bereits in jungen Jahren übergewichtig oder wachsen in einem Umfeld auf, das von Sucht oder Gewalt geprägt ist, dann steigt ihr Risiko, eine nichtübertragbare Krankheit zu erleiden. Es handelt sich dabei um Risikofaktoren, die man reduzieren möchte.

Weitere Einflussfaktoren auf die Gesundheit von Kindern und Erwachsenen sind das Bildungsniveau und das Einkommen. Wer über intakte eigene Gesundheitskompetenzen verfügt, sich bei Bedarf Hilfe holt sowie Selbstverantwortung wahrnimmt, ist zusätzlich gut gegen gesundheitliche oder andere Herausforderungen und Belastungen gewappnet.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang zu wissen, dass der Mensch über ein stressregulierendes Gen verfügt, das bei seiner Geburt deaktiviert ist: Wenn ein Neugeborenes die Erfahrung macht, dass die Welt ein sicherer Ort ist, in dem es nicht nur Nahrung, sondern auch emotionale Zuwendung erhält, wird dieses Gen jedoch aktiviert und unterstützt das Kind beim Umgang mit stressauslösenden Belastungen.

Es lohnt sich daher, der frühen Kindheit ein besonderes Augenmerk zu schenken, weil in dieser Lebensphase wichtige Grundlagen für die gesundheitliche Zukunft gelegt werden. Aus diesem Grund hat der Bundesrat die Prävention nichtübertragbarer Krankheiten in jedem Alter zu einem zentralen Element der bundesrätlichen Strategie «Gesundheit 2020» erklärt. Veränderungen im späteren Leben sind möglich, jedoch um ein Vielfaches anstrengender und aufwendiger.

Die Schweiz leistet...

...sich eines der besten und teuersten Gesundheitssysteme der Welt. Der Anteil der Selbstkosten fällt bei uns besonders hoch aus: Er beträgt rund das Dreifache des OECD-Durchschnitts, was insbesondere für finanziell schlechter gestellte Familien eine Belastung darstellt.

In der familienexternen Betreuung oder der bezahlten Elternzeit sieht die Situation ähnlich aus: Die Schweiz investiert hier nur gerade 0,2 Prozent des Bruttoinlandproduktes (OECD-Durchschnitt: 0,8 Prozent). Eine Mehrinvestition würde sich lohnen. Damit Kinder bereits in frühen Jahren ein anregendes Umfeld erfahren und sich genügend bewegen können, braucht es Angebote, die sich Familien leisten können und die leicht erreichbar sind.

So können zum Beispiel einfach zugängliche Spielplätze im Quartier dazu führen, dass sich Eltern und ihre Kinder mehr draussen aufhalten, weil es Spass macht, an der frischen Luft zu spielen. Waldkindergärten bieten kleinen Kindern die Möglichkeit zur spielerischen Bewegung.

Das Programm «Purzelbaum» verankert vielseitige Bewegung und ausgewogene Ernährung unter anderem im Alltag von Kindertagesstätten. «Minimove» öffnet jeden Sonntagnachmittag lokale Sporthallen für Kinder und deren Eltern. Zentral ist, dass sich Akteure, Fachleute und Entscheidungsträger im Gesundheitswesen und der Kinderbetreuung, wie Hebammen, Kinderärztinnen und -ärzte oder Kinderbetreuungspersonen, oder der Raumplanung gut vernetzen. Hier unterstützt das Bundesamt für Gesundheit bereits heute und bringt sein Fachwissen in den Bereichen Gesundheitsförderung und Prävention ein.

Kinder entdecken die Welt durch Bewegung. Unterstützen wir sie und ihre Eltern dabei, unsere Welt mit den bestmöglichen Voraussetzungen zu erkunden. Es lohnt sich, und dies nicht nur finanziell.