PROFIL
Robbie Williams
■ Alter: 39
■ Privat: Der Brite aus Stokeon-Trent ist seit 2010 mit der türkisch-USamerikanischen Schauspielerin Ayda Field (34) verheiratet. Gemeinsam mit ihr und der gemeinsamen einjährigen Tochter Theodora «Teddy» Rose wohnt der Musiker in Los Angeles.

Früher spielte Robbie Williams (39) mit seiner Gesundheit, nun hat er den Rank gefunden. An Coolness verloren, an Stil gewonnen. Doch wann wird der Mann ein Mann? Und dann kommt das Baby zur Welt. Ein Mädchen namens Theodora Rose, genannt Teddy. Das arme Kind. Tochter eines Briten, dessen Leben vom Singen, Sex und Saufen bestimmt wird. Von harten Drogen, von Depressionen, von Entzugskuren. Von Huren, vom Ruhm, vom Übergewicht. Tolles Vorbild. Töchterchen Teddy ist gerade mal zwei Tage jung, da twittert ihr Papi ein gemeinsames Bild. Das Baby kauert auf der behaarten, tätowierten Brust ihres Vaters, der mit seinen 38 Jahren wie ein Teenager in die Kamera grinst. Als das Mädchen neun Monate alt ist, erklärt er: «Sollte meine Tochter eines Tages auf die schiefe Bahn geraten, dann sorge ich dafür, dass sie die besten Drogen kriegt und nehme sie mit ihr.» Robbie Williams – ein Fall für die Supernanny?

Schönes Gesicht, knackiger Hintern

Robert Peter Williams, wie der Künstler mit bürgerlichem Name heisst, wächst selbst in sehr bescheidenen Verhältnissen auf. Als Sohn einer Familie der britischen Arbeiterklasse erblickt er am 13. Februar 1974 in Stoke-on-Trent, einer 250000-Einwohner-Stadt in den Midlands von England, das Licht der Welt. Die Eltern trennen sich, als Robert zweijährig ist, Vater Peter verlässt die Familie, um als Variétékünstler in britischen Feriencamps aufzutreten. Robert wächst bei seiner Mutter Janet auf. Sie besitzt ein Pub, später arbeitet sie als staatliche Drogenberaterin. Die regelmässigen Besuche bei seinem Vater beeinflussen Roberts Wunsch, einst auch selbst im Rampenlicht zu stehen.
1989 entdeckt seine Mutter eine Zeitungsanzeige: Gesucht werden Jungs für eine Boyband. Die entscheidenden Kriterien sind keine gesanglichen, sondern ein schönes Gesicht, ein knackiger Hintern, ein sportlich durchtrainierter Körper und Bühnenbeweglichkeit. Der 15-jährige Robert wird prompt ausgewählt und startet als Robbie mit der Boygroup «Take That» durch.

Party, Frauen, Drogen

Eine verrückte Zeit. Zwanzig Millionen verkaufte Platten in sechs Jahren. Jahre des Erfolgs, Jahre des Ruhms. Robbie Superstar. Robbie Partybruder. Robbie Mädchenschwarm. Fotos mit blankem Hintern, mit Frauen, mit Schnapsnase. Wobei er später zugibt, harte Drogen sogar schon vor seiner Zeit bei «Take That» ausprobiert zu haben.
Hat er letztlich den Bettel hingeworfen oder wurde er rausgeschmissen – darüber scheiden sich die Geister. Fakt ist: Im Juli 1995 scheidet Robbie Williams aus der Band, sieben Monate später löst sich diese auf. Jetzt will Robbie solo durchstarten, doch für Schlagzeilen sorgt er vor allem neben der Showbühne.

Absturz und Entzug

Seine Alkohol- und Drogenexzesse füllen die Klatschspalten der Boulevard-Presse: Der 22-jährige Skandal-Sänger säuft, frisst und wirft Pillen ein. Seit sechs Jahren ist er abhängig. Schlägereien, Panikattacken, Gerüchte über seine angebliche Homosexualität machen aus Robbie ein Wrack. 1997 überzeugen ihn seine Mutter und Elton John zu einem Entzug. Heroin, Ecstasy, Kokain, Marihuana sind nur die bekanntesten Drogen auf seiner Liste. Gestärkt kommt der Rockstar aus der Suchtklinik zurück. Nach fünf Kurwochen zeigt sich Robbie 15 Kilo leichter und mit sportlichem Kurzhaarschnitt. Mit der zur Weihnachtszeit lancierten Ballade «Angels» und dem rockigen «Let Me Entertain You» im folgenden Frühling schafft er den Durchbruch. Robbie Williams, so Showman und doch so verletzlich, gespickt mit einer Prise Selbstironie, ist auf dem bestem Weg zu seinem Ziel: Er, der Typ mit den unergründlich-träumerischen Blick aus seinen grünen Augen, will der grösste Rockstar der Welt werden.

Weltrekord und Rückfall

Sogar das Privatleben kriegt Robbie für einen Augenblick auf die Reihe. Er verlobt sich mit der Sängerin Nicole Appleton und trotz diversen Nebenaffären und einer kurzzeitigen Trennung ist die Heirat geplant. Doch die Beziehung scheitert. Wieder mal schreiben die Klatschzeitungen von Frauengeschichten mit Stars und Sternchen wie Kylie Minogue, Geri Halliwell oder Rachel Hunter. Nach einem gemeinsamen Song mit Nicole Kidman soll er auch mit der Schauspielerin in Tuchfühlung gegangen sein. Robbie, wann wirst du endlich erwachsen und seriös? Den geplanten Durchbruch in den USA schafft der Engländer nicht. Anderseits gelingt ihm 2005 der Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde: Für seine Welttournee 2006 werden innerhalb eines einzigen Tages 1,6 Millionen Tickets verkauft! Doch die Zahlen verleihen Robbie nur wenig Halt. Die Drogen haben ihn längst wieder völlig im Griff. Robbie zweifelt an sich, nimmt jede Kritik so persönlich, bis er sogar die eigenen Platten nicht mehr mag.

Malen statt singen

An seinem 33. Geburtstag zieht Robbie wieder in die Entzugsklinik ein. Diesmal nicht in England, sondern in seiner Wahlheimat Los Angeles. «Es ist ein ewiger Kampf», gesteht der tablettensüchtige, depressive Superstar. «Ich gewinne Schlachten, aber niemals den Krieg.» Robbie schämt sich. Die Musikindustrie treibe ihn in den Wahn. Hinter der glamourösen Fassade beneidet er die Menschen, die ganz einfach leben. Robbie, der geborene Entertainer, kokettiert mit dem Gedanken, die Musikkarriere hinzuschmeissen. «Ich war krank, ausgebrannt.» Er beginnt zu malen. Das Glück seiner Fans ist es wohl, dass Robbie schnell merkt, dass sein Talent nicht mit Stift und Pinsel zu tun haben.

Robbie am Ende?

Die andere Sucht neben den Drogen ist der Sex. Robbie ist süchtig nach Prostituierten. Er bestellt sie in seine Hotelzimmer, mal nur eine, lieber gleich zwei. Groupies schleppt er zuhauf ab. Nicht nur seine, sondern auch solche von anderen Bands. Befriedigung verspürt er dabei kaum. Es sei ein Automatismus gewesen. Robbie am Ende?
Nein. Vor wenigen Wochen, am 16. August 2013, füllt Robbie wieder mal den Zürcher Letzigrund. 48'000 Fans pilgern ins Zürcher Letzigrund-Stadion – Robbie ist grossartig! Wie üblich holt er eine Frau aus dem Publikum auf die Bühne, umgarnt sie, lässt sie seinen Allerwertesten kneifen. Robbie sieht gesund und fit aus. Wo ist das Polster in der Brust und am Bauch, wo es sich sein Töchterchen Teddy vor elf Monaten noch bequem machte?

Stilvoller Rockstar

Ist Robbie jetzt, mit seinen 39 Jahren, wirklich doch noch erwachsen geworden? Es scheint als hätte ihn seine Frau, die türkischamerikanische Schauspielerin Ayda Field, mit der er seit 2010 verheiratet ist, endlich sesshaft gemacht. Robbie schwört, er sei ihr treu. Die Geburt der gemeinsamen Tochter hat dem Rockstar offenbar ein wenig Coolness genommen. Sie wurde durch eine Portion Stil ersetzt. «Ich musste nie für mich selbst sorgen, jetzt muss ich mich um ein anderes kleines menschliches Wesen kümmern», bemerkt Daddy Robbie. Frau und Tochter begleiten ihn auf Tournee, Robbie wechselt nachts Teddys Windeln, hat das Rauchen – von drei Packungen am Tag auf null – aufgegeben. «Ich trinke auch keinen Alkohol mehr.» Nur an seinen Fingernägeln kaut er noch immer rum.Vom zugedröhnten Rockstar zum verantwortungsvollen Papi – gesund und geläutert für immer und ewig? «Ich hoffe, ich kriege das hin.» Es ist Robbie zu wünschen. Als Ehemann, als Vater, als Superstar.