Daniela Melone
Leiterin Elternberatung

Der Ausdruck Sexting setzt sich aus den beiden englischen Wörtern «sex» und «texting» zusammen und bezeichnet den Austausch selbst produzierter intimer Fotos von sich oder anderen via Internet oder Mobiltelefon. Aktuelle Studien belegen, dass sechs Prozent der Schweizer Jugendlichen bereits intime Fotos oder Videos von sich über das Mobiltelefon verschickt haben. Jede dritte Schülerin und jeder zehnte Schüler wurde schon im Internet belästigt. Dass man sich Fotos aus den Ferien, von Reisen, Bekanntschaften und speziellen Anlässen zeigt, war schon bei unseren Grosseltern üblich. Auch damals entstanden gestellte Fotos. Klickt man sich heute durch soziale Netzwerke, stösst man auf unzählige Fotos von Menschen, die sich darstellen. Vergessen geht dabei leicht, dass sich Bilder, die einmal im Netz sind, oft nicht mehr entfernen lassen.

Über neue Technologien wie Instant Messaging verbreiten sich Bilder oft ungewollt und in Sekundenschnelle über das Internet. Und obwohl das Bild gelöscht wurde, ist es vielleicht schon x-fach kopiert. Deshalb rate ich, sich gut zu überlegen, wie man sich darstellt und wo man dies tut. Das gilt besonders für sexuelle Selbstdarstellungen. Denn geschieht der Austausch via Internet, verliert man die Kontrolle über vermeintlich private Inhalte. Oftmals sind sich die Jugendlichen über die Folgen eines Foto-Postings nicht bewusst – und diese können massiv sein. Der Missbrauch von Sexting kann zu Cyber-Mobbing, extremer Verzweiflung bis hin zu Suizidgedanken der Betroffenen führen.

Sexting – wer macht das?
Wenn Jugendliche Sexting betreiben, tun sie dies meist im Rahmen einer intimen Beziehung. Sexting wird aber auch benutzt, um neue Beziehungen anzubahnen, um einen unverbindlichen Flirt anzuzetteln oder innerhalb einer Gruppe von Freunden. In besonders schlimmen Fällen sind es erwachsene Unbekannte, die unter Pseudonymen in Chatrooms mit Jugendlichen Kontakt aufnehmen und diese mit ausgetauschten Nacktbildern erpressen. Daher ist es wichtig, dass Jugendliche gerade bei Fremden im Umgang mit Fotos besonders zurückhaltend und vorsichtig sind.

Zentrale Rolle der Eltern
Nur durch Aufklärung und Sensibilisierung kann man die Jugendlichen vor den Gefahren des Internets schützen. Und hier sind die Eltern gefragt. Ich fordere Eltern daher auf, frühzeitig und regelmässig mit den Kindern über die Risiken digitaler Medien zu sprechen. Aufklärung und Sexualkunde müssen heute auch Cyber-Aufklärung beinhalten. Zeitungsberichte über Sexting-Fälle sind ideale Aufhänger. Ich empfehle, mit dem Kind über den Druck, den eine Gruppe ausüben kann, zu sprechen: Warum macht man mit, warum nicht? Wann gehört man dazu, wann nicht mehr? Besprechen Sie mit Ihrem Kind, welche Fotos riskant sind. Als Faustregel gilt: Publizierte Bilder sollten so beschaffen sein, dass man zu ihnen stehen kann, falls sie auf dem Schulplatz kursieren. Fällt es Eltern schwer, «Sexting» zu thematisieren, können Eltern ihre Kinder wissen lassen, wo sie eine Ansprechperson finden. Wenn bereits Fotos die Runde machen, sollten Eltern dem Kind keine Vorwürfe machen, sondern allenfalls Unterstützung suchen. In Extremfällen können Betroffene auch die Polizei einschalten.

Cybermobbing: Mobbing mithilfe von digitalen Medien
Bedrohen, Belästigen, Blossstellen – nicht selten endet Sexting in Cybermobbing. Bei Cybermobbing spielt die Anonymität bei der Nutzung technischer Instrumente eine wichtige Rolle. So können belästigende Nachrichten von temporären Accounts verschickt werden, SMS können von Mobiltelefonen aus versendet werden, deren Nummer Betroffene nicht kennen. Und Einträge in Foren oder Chats können anonym oder unter einem Pseudonym verfasst werden. Die Folgen können für die Betroffenen massiv sein und sich in Traurigkeit, Ängstlichkeit, vermindertem Selbstbewusstsein und Depressionen äussern.

Was können betroffene Eltern tun?
Das Wichtigste bei konkreten Vorfällen: Keine Antwort auf die Attacken geben! Stattdessen: Die für die Attacken genutzten Profile beim Betreiber der Angebote melden und/oder sperren lassen. Nützen technische Massnahmen nichts, können rechtliche Schritte gegen die attackierenden Personen unternommen werden. Es ist wichtig zu verstehen – und auch zu vermitteln-, dass Cybermobbing selbst nicht als Straftat im Gesetz aufgeführt ist, verschiedene Handlungen beim Cybermobbing jedoch unzulässig sind.