Frau Prof. Leeners, Sie sind Präsidentin der 2008 gegründeten Schweizer Gesellschaft für Sexologie, Swisssexology (SSS). Womit beschäftigt sich diese Gesellschaft?

Ziel der Gesellschaft ist eine gute und qualitativ hochstehende sexualmedizinische Versorgung aller Menschen in der Schweiz, die behandlungsbedürftige sexuelle Schwierigkeiten haben. Der Titel «Sexualtherapeut» ist bisher nicht geschützt.

Zentral ist es, Menschen mit ihren Anliegen individuell und kompetent zu begleiten

Wie gut qualifiziert einzelne TherapeutInnen sind, ist deshalb für Ärzte wie für Laien schwierig abzuschätzen. Bei Titelträgern der SSS ist garantiert, dass sie eine mehrjährige sexualmedizinische Ausbildung absolviert haben und sich in verschiedenen Behandlungsverfahren auskennen.

Dieser Titel ist sozusagen ein Qualitätsmerkmal unserer Mitglieder, bei denen es sich in erster Linie um PsychologInnen und ÄrztInnen handelt.

Die Gesellschaft vernetzt ausserdem Sexologen, organisiert gemeinsame Fortbildungen und fördert sexualmedizinische Forschung.

Sie leiten die interdisziplinäre sexualmedizinische Sprechstunde, was ist Ihnen wichtig?

Ein interdisziplinär zusammengesetztes Team von Fachleuten aus der Sexualmedizin, Gynäkologie, Urologie und weiteren Fachbereichen ermöglicht, sexuelle Schwierigkeiten von Frauen, Männern und Paaren aus einem breiten Blickwinkel anzugehen.

Dabei werden körperliche (zum Beispiel hormonelle) wie psychische Aspekte berücksichtigt. Zentral ist es, Menschen mit ihren Anliegen individuell und kompetent zu begleiten.

Können Sie ein Beispiel aus Ihrem klinischen Alltag geben?

Lustlosigkeit ist eine der häufigsten sexuellen Störungen bei Frauen. Manche Männer passen sich den Bedürfnissen ihrer Frau völlig an und stellen ihre eigenen sexuellen Wünsche in den Hintergrund.

Dies führt jedoch oft nicht dazu, dass die Frau mehr Lust entwickelt. Relativ häufig kommt es vor, dass solche Frauen einen Partner attraktiver finden, wenn er sein Begehren deutlich zeigt.

Das heisst die vom Mann gewählte Strategie ist eher kontraproduktiv. In einer Therapie kann aufgezeigt werden, welche Möglichkeiten bestehen, dass eine Frau mehr Lust entwickeln kann.

Im gemeinsamen Gespräch und mit gezielten Übungen können auch Veränderungen im Umgang zwischen Mann und Frau für eine Verbesserung der Libido genutzt werden.

Was können Sie Paaren mit sexuellen Schwierigkeiten mit auf den Weg geben?

Sprechen Sie mit Ihrem Partner, Ihrer Partnerin über Ihre sexuellen Bedürfnisse.

Probieren Sie gemeinsam Neues aus und schauen Sie, was Sie sexuell anregt und in Ihr Liebesspiel aufnehmen möchten. Suchen Sie über Ihren Hausarzt, Ihre Frauenärztin oder anerkannte Sexologen professionelle Unterstützung, wenn Sie auf diesem Weg nicht weiterkommen.