Wo beginnt die Sucht?

Meistens entsteht eine Sucht aus einem regelmässigen Konsum eines bestimmten Stoffs oder aus der kontinuierlichen, zuweilen exzessiven Ausübung eines bestimmten Verhaltens heraus. Den entscheidenden Moment, in dem sich der Genuss zu einer Sucht wandelt, gibt es nicht. Vielmehr handelt es sich dabei um einen fliessenden Übergang, bis ein bestimmtes Konsumverhalten für einen Menschen nicht mehr frei steuerbar ist; bis er nicht mehr frei entscheiden kann, ob, wann und wie viel er konsumieren will. Es gibt in der Schweiz sehr viele Menschen, die sich zwischen Genuss und Sucht bewegen, die ein problematisches Konsumverhalten zeigen. Zwar wissen viele von ihnen darum, verdrängen es jedoch. Und das wird spätestens dann kritisch, wenn das Verhalten körperliche, mentale oder soziale Schädigungen nach sich zieht.

Welche Formen der Sucht gibt es?

Man kann zwischen substanzgebundener Abhängigkeit (Drogen/Nikotin/Alkohol etc.) und Verhaltenssucht (Spielsucht, Online-Sucht, Sportsucht, Kaufsucht etc.) unterscheiden. Arbeitet jemand hart, ist dies gesellschaftlich nicht stigmatisiert, sondern führt im Gegenteil oft zu externer Anerkennung, weshalb Betroffene den Weg in eine Behandlung nicht suchen. Spiel-, Alkohol- und Drogensucht sind hingegen stark tabuisiert. Beim Nikotinkonsum wandelt es sich gegenwärtig.Hier findet eine zunehmende Stigmatisierung der Betroffenen statt.

Welche Ursachen hat eine Sucht?

Gründe und Umstände, die eine Abhängigkeit fördern, sind z.B psychische Krankheiten, Verhaltensauffälligkeiten, ein wenig entwickeltes Selbstwertgefühl etc. Doch auch Gründe wie die Familie oder das soziale oder gesellschaftliche Umfeld, traumatische Erfahrungen durch Gewalttätigkeit, Vernachlässigung, sexuellen, Missbrauch sowie familiäre Suchtprobleme steigern die Suchtgefahr und in manchen Fällen sogar die Gewaltbereitschaft. Eine Sucht fängt aber in sehr vielen Fällen verhältnismässig harmlos an – mit dem Genuss, dem Ausprobieren oder einem anfänglich unproblematischen Freizeitkonsum. Substanzen wie Nikotin oder Heroin bergen dabei die Gefahr einer schnelleren Abhängigkeitsentwicklung als etwa Cannabis, XTC oder etwa Alkohol. Eine Verhaltenssucht birgt das Verlangen der Ausübung eines spezifischen Verhaltens, welches immer öfter und intensiver durchgeführt werden muss, um den gewünschten Effekt zu erhalten – teilweise unter Gewalteinwirkung gegen den eigenen Körper. Auf neuronaler Ebene spielt sich jedoch bei allen Suchtformen Ähnliches ab, da dabei dieselben Hirnzentren aktiviert werden. Letztendlich ist der Betroffene immer auf der Suche nach einem Stimulans, der eine erhöhte Verfügbarkeit von Botenstoffen wie Dopamin im «Belohnungszentrum» des Gehirns hervorruft, woraufhin ein positives Glücksgefühl empfunden wird.

Was sind die sozialen oder finanziellen Risiken?

Fast alle Suchtformen haben einen negativen Effekt auf das Sozialleben. Auf der einen Seite ziehen sich Abhängige oft aus ihrem sozialen Leben zurück, weil die Befriedigung der Sucht wichtiger wird als die anderen Aspekte des Lebens. Auf der anderen Seite sind es aber auch oft die Bekannten der Betroffenen, die sich von diesen distanzieren. Diese Effekte sind je nach konsumierter Substanz oder ausgeübtem Verhalten unterschiedlich. Welcher Sucht jemand zum Opfer fällt, ist zum Teil durch Zufall, durch Sozialisierung oder auch durch soziale Stellung in der Gesellschaft oder die Zugehörigkeit zu bestimmten Gesellschaftsgruppen oder Subkulturen bedingt. Jemand der z.B. finanziell gefährdet ist, entwickelt eher eine Spielsucht als jemand, der diesbezüglich nicht gefährdet ist. Bei der Entwicklung dieser Verhaltenssucht spielen zudem auch die Atmosphäre in der Spielhalle, die stete Aussicht auf einen möglichen Gewinn, die bewusste Schnelligkeit der Spiele eine wichtige Rolle. Dahinter steckt knallhartes Kalkül der Casinos. Die finanziellen Folgen für die Betroffenen sind zumeist fatal. In Extremfällen sind Spielsüchtige hoch verschuldet, verspielen sogar ihre Besitztümer, was den finanziellen Ruin zur Folge hat. Daraufhin ziehen sie sich zurück und isolieren sich von der Gesellschaft.

Wie sind die Auswirkungen innerhalb einer Familie?

Kinder aus suchtbelasteten Familien sind nicht nur suchtgefährdeter als Kinder, die in einer suchtfreien Familie aufwachsen. Sie erfahren auch weniger Unterstützung, da für ihre betroffenen Elternteile die Sucht stets an erster Stelle steht und nicht das Wohlbefinden der Kinder. In solchen Elternhäusern entsteht eine Schieflage und es wird dringend und so früh wie möglich Hilfe von aussen benötigt, um dem Kind trotzdem ein einigermassen chancenreiches Leben zu ermöglichen.