Die Entwicklungschancen für Kinder mit einer Hörbeeinträchtigung haben sich in den letzten Jahrzehnten durch Fortschritte auf medizinischem, technischem und pädagogischem Gebiet entscheidend verbessert. Wird eine Hörbeeinträchtigung frühzeitig erkannt und werden die nötigen Massnahmen ­getroffen, kann eine normale Entwick­lung des Kindes erwartet werden.

Schwerhörige Kinder lernen in Regelklassen
In der Schweiz nehmen die Schülerzahlen in Sondereinrichtungen für Schwerhörige und Gehörlose insgesamt ab. Umgekehrt besuchen schwerhörige Kinder vermehrt den Regelklassen-Unterricht am Wohnort. Diese Entwicklung ist der Früherfassung, der frühen Versorgung mit Hörhilfen und der Frühförderung zu verdanken.
Doch die Folgen der Schwer­hörigkeit werden unterschätzt. ­
Die ­kommunikativen Bedürfnisse schwerhöriger Kinder im Regelklassen-Unterricht unterscheiden sich erheblich von denjenigen gut hörender Mitschüler. Denn schwerhörige Kinder sind bei der Kommunikation sowohl auf das Gehör als auch auf das Lippenlesen angewiesen.

Hörtechnik wird überschätzt
Bei Nebengeräuschen ist es für schwerhörige Kinder besonders schwierig, das Gesagte zu verstehen. Denn Hör­geräte verstärken nicht nur Sprache, sondern auch den Störschall. Ungünstige Licht- oder Raumverhältnisse, ein schlechtes Mundbild des Gesprächspartners, die Verwendung der Mundartsprache oder zu schnelles und undeutliches Sprechen erschweren die Kommunikation zusätzlich. Missverständnisse sind häufig und können zu Minderwärtigkeitsgefühlen führen. Dazu kommt, dass schwerhörige Kinder oft aufgrund der erschwerten Kommunikation von der Klassengemeinschaft ausgeschlossen sind.

Besondere Begleitung nötig
Die erfolgreiche schulische Integration schwerhöriger Kinder erfordert mehr als nur die Einschulung in die Regelklasse. Um dem Risiko vorzubeugen, dass schwerhörige Kinder im Regelunterricht bloss «mitlaufen», unterstützen Fachpersonen der Audiopädagogik die schwerhörigen Kinder unter anderem beim Nacharbeiten von Schulstoff, beim Gestalten der erforderlichen kommunikativen Rahmenbedingungen im Klassenzimmer sowie bei der Förderung der Hör- und Sprachkompetenz. Zusätzlich beraten sie Lehrpersonen und Eltern bei Fragen zur Integration im Schulalltag. Entsprechend braucht es gut ausgebildete Fachkräfte.