Herr Becker, kann ein Miteinander von TCM und westlicher Medizin funktionieren?

Ja, sehr gut sogar. In unserer Poliklinik für Chinesische Medizin am See-Spital liegt der Fokus sehr stark auf der Integration von TCM und westlicher Medizin. Dadurch ist ein integratives Behandlungskonzept entstanden, welches effektive Therapien beider Medizinsysteme vereint.

Es braucht eine Offenheit auf beiden Seiten. Wenn diese Offenheit besteht, kann der Patient enorm profitieren. Wir heben die Stärken der chinesischen Medizin hervor, anerkennen aber auch deren Grenzen.

Können Sie uns anhand eines konkreten Beispiels erklären, wie die Zusammenarbeit abläuft?

Schulmedizin und TCM arbeiten bei uns eng zusammen. Schulmediziner schicken uns Patienten, wenn sie bei der Behandlung nicht weiterkommen.

Ebenso überweisen wir Patienten zur Schulmedizin, wenn wir der Ansicht sind, dass hier die Alternativmedizin nicht geeignet oder nicht genug geeignet ist. Ich kann Ihnen hierzu ein Beispiel liefern: Hat ein Patient ein gebrochenes Bein und muss operiert werden, können wir nicht helfen. Hier ist die Schulmedizin gefragt. Jedoch können wir nach der Operation zur Schmerzlinderung und zur Unterstützung des Heilungsprozesses mit TCM einen wesentlichen Beitrag in der Rehabilitation leisten.

Auf welche Resonanz stossen Sie sowohl bei den Schulmedizinern wie auch bei Ihren Patienten?

Wir erfahren eine hohe Akzeptanz bei den Schulmedizinern. Genauso wie auch wir die Schulmedizin als wertvoll erachten. Für die Patienten steht die Linderung ihrer Beschwerden im Vordergrund und sie greifen sehr gerne auf TCM zurück.

Viele Patienten haben gute Erfahrungen mit TCM gemacht und stehen alternativen Methoden positiv gegenüber. Patienten schätzen es aber auch sehr, dass wir so eng mit der Schulmedizin zusammenarbeiten und sie sich nicht für das eine oder andere System entscheiden müssen.

Welche Behandlungsmethoden werden bei Ihnen eingesetzt?

Die chinesische Arzneitherapie und die Akupunktur sind die bedeutendsten Verfahren. Diese finden eine wichtige Ergänzung durch manuelle Therapie, Laserakupunktur für Kinder, Ernährungsberatung sowie Anleitung zu Bewegungsübungen.

INFO

Die chinesische Medizin kann in verschiedensten Krankheitsstadien als alleinige oder ergänzende Therapie eingesetzt werden:

  • Haut: Neurodermitis, Psoriasis, Ekzeme, Akne, Rosazea, Urtikaria, Juckreiz, Herpes Zoster/Simplex
  • Atemwege/Hals, Nase, Ohren: Heuschnupfen, Asthma, Nasennebenhöhlenentzündungen
  • Erkrankungen von Kindern: Hauterkrankungen, Verdauungsstörungen, Allergien, Husten
  • Betreuung von Krebspatienten: Übelkeit/Erbrechen, Durchfall/Verstopfung, Erschöpfung, Mundtrockenheit, Hitzewallungen/Kältegefühl, Unruhe/Schlaflosigkeit, Knochenmarkdepression
  • Frauenheilkunde: Regel-/Wechseljahrprobleme, Zysten, Kinderwunsch, IVF-(In-vitro-Fertilisation-)Unterstützung, Schwangerschaftsbetreuung
  • Bewegungsapparat: Verletzungen durch Sport und Trauma, rheumatologische Beschwerden, muskuläre Verspannungen, allgemeine Schmerztherapie
  • Neurologie: Migräne, Lähmungserscheinungen, Schwindel, Multiple Sklerose
  • Magen-Darm: Colitis ulcerosa, Morbus Crohn, Verdauungsbeschwerden, Übelkeit, Sodbrennen, Gallenleiden
  • Schilddrüse: Thyreoiditis, Hyperthyreose
  • Vegetatives Nervensystem: Erschöpfung, Nervosität, Schweissneigung, Schlafstörung, Herzklopfen

Quelle: See-Spital Horgen