In Preisvergleichen werden die zu hohen Preise von Generika in der Schweiz beklagt. Was ist da dran?  
Es ist richtig – im internationalen Vergleich sind Generika in der Schweiz teurer. Das sind aber andere Produkte auch. Die höheren Preise sind gut begründbar. Die für die Schweiz produzierte Menge ist im Vergleich zur EU sehr gering, so dass Schweizer Patienten nicht von Skaleneffekten profitieren können.

Darüber hinaus trägt das aufwendige Zulassungsverfahren durch die Zulassungsbehörde swissmedic, welches selbst im Ausland schon bewährte Medikamente hierzulande nochmals durchlaufen müssen, zu weiteren höheren Kosten und damit höheren Medikamentenpreisen bei.

Die regelmässig von santésuisse und dem Preisüberwacher durchgeführten Auslandspreisvergleiche für Generika enthalten daher unzulässige Vereinfachungen. Und vor allem lenken die Vergleiche von den substantiellen Sparbeiträgen von Generika über die letzten Jahre hinweg sowie von primär aufgrund von falsch gesetzten Anreizen noch nicht realisierten Sparpotentialen ab.

Kurzum – Generika leisten einen wertvollen Sparbeitrag und sind in keinster Weise Kostentreiber. Da noch mehr eingespart werden kann, sollten Generika noch viel mehr gefördert werden.

Wie konkret helfen Generika sparen?  
Generika sind nicht nur von Natur aus preisgünstiger als die Originale – sie werden auch nach dem neuesten Stand der Technik produziert und unterliegen bei der Qualitätsbeurteilung durch die Behörden den gleichen strengen Anforderungen.

Sie sind ein wichtiges Regulativ, indem sie das allgemeine Preisniveau von Medikamenten stetig senken. Im symbiotischen Verhältnis mit den Originalpräparaten setzen sie deren Hersteller zudem mit kontinuierlichen Neueinführungen unter Druck, den Markt mit Innovationen voranzutreiben, von dem die Patienten wiederum profitieren. 

Wie lässt sich der Sparbeitrag in Zahlen ausdrücken?
Eine aktuelle und unabhängige Studie illustriert eindrucksvoll die über die Jahre nachhaltig sinkenden Preise von Generika, die damit einen substantiellen Beitrag zu den Sparanstrengungen im Schweizer Gesundheitssystem leisten. 

In 2016 betrugen demnach die mit Generika realisierten Einsparungen 363 Mio. CHF. Direkte und indirekte Einsparungen zusammengenommen leisten Generika jährlich einen Sparbeitrag von 1 Mrd. CHF.

Zusätzlich zeigt die Studie auf, dass mit der ansteigenden Verbreitung von Biosimilars, den Nachahmerprodukten von Biopharmazeutika, zukünftig auch in der Schweiz noch zusätzliche signifikante Einsparungen getätigt werden können.

Wie lässt sich dieses Einsparpotential weiter ausschöpfen?
Um den jährlichen Sparbeitrag systematisch auszubauen, machen wir uns für die gezielte Förderung von Generika durch alle Beteiligten stark. Dabei sollten vor allem die Anreizsysteme so geändert werden, damit Ärzte und Apotheker durch die Verschreibung und Abgabe von Generika nicht benachteiligt werden.

Es ist leider immer noch so, dass Ärzte und Apotheker mit Originalen mehr verdienen als mit Generika. Patientinnen und Patienten können durch die aktive Nachfrage nach Generika einen wertvollen Sparbeitrag leisten und dadurch ihre Krankenkassenprämien entlasten.

Warum sind Sie gegen weitere Preissenkungen bei Generika?  
Generikapreise sind heute schon tief. Weiteres Preis-Dumping ist nicht nur nicht notwendig, sondern auch gefährlich. Aktuell liegen einige Medikamentenpreise unter den Herstellungskosten, was die Attraktivität für die Hersteller reduziert. Anhaltender Preisdruck gefährdet zudem die Versorgungssicherheit.

Schon heute sind lebensnotwendige Medikamente wie einige Antibiotika teilweise nicht verfügbar und nicht selten suchen Ärzte händeringend nach Ersatz aus dem Ausland. Im Übrigen würden Generikapreise automatisch weiter sinken, wenn durch eine Generika-freundlichere Gesundheitspolitik die Menge gesteigert würde, wie das im Ausland der Fall ist.

Direkte und indirekte Einsparungen zusammen-genommen leisten Generika jährlich einen Sparbeitrag von 1 Mrd. Schweizer Franken.


Was sind Ihre Argumente gegen ein Referenzpreissystem bei Medikamenten?  
Das aktuell vom Bundesrat geprüfte Referenzpreissystem, bei  dem Patienten immer nur das billigste Medikament erstattet bekommen würden, beurteilen wir für die Schweiz als völlig ungeeignet.

Patienten und Ärzte wären der Wahlfreiheit beraubt, so dass sie nicht mehr das jeweils richtige Präparat bekommen könnten, ohne dass der Differenzbetrag aus der eigenen Tasche bezahlt werden müsste.

In diversen Befragungen lehnen übrigens Ärzte und Apotheker dieses System klar ab. Laut einer repräsentativen, im Januar 2017 von dem Marktforschungsinstitut Gfs Zürich durchgeführten Befragung von mehr als 1000 Personen in der Deutsch- und Westschweiz spricht sich eine deutliche Mehrheit in der Schweizer Bevölkerung für den Erhalt der Wahlfreiheit bei Medikamenten aus.

Im Übrigen funktioniert unser derzeitiges Preissystem hervorragend, so dass auch in 2017 die Preise weiter nach unten reguliert wurden. Es gibt daher keinen Grund, ein System aus dem Ausland einzuführen, das sich auch dort nicht bewährt hat.