Die Entwicklung neuer Medikamente ist zeit- und kostenintensiv und vor allem äusserst risikoreich. Jedem Medikament, das auf den Markt kommt, geht eine Vielzahl an erfolglosen Entwicklungen voraus, die aufgrund negativer Resultate vorzeitig beendet werden mussten.

Pharmafirmen sind deshalb darauf angewiesen, dass sie ihre teuer entwickelten Medikamente auch eine Zeit lang vor Kopien schützen und alleine vermarkten können. Patente bieten deshalb einem Unternehmen während einer Zeitspanne von maximal 20 Jahren Schutz vor der Verwendung neuartiger Entwicklungen durch Dritte.

Bis ein Medikament jedoch in den Handel gelangt, ist schon ein grosser Teil dieser Zeitspanne für Forschung und Entwicklung, medizinische Tests und Zulassungen verbraucht.

Gerade deshalb wirken Patente auch als Innovationstreiber, da die Pharmaunternehmen in Ruhe an der eigentlichen Produktentwicklung arbeiten können.

Andererseits zwingen die Publikationspflicht sowie die beschränkte Dauer des Patentschutzes dazu, neue Forschungserkenntnisse nicht möglichst lang geheim zu halten, sondern rasch zu vermarkten und damit einen Nutzen für betroffene Patienten zu stiften.


Kehrseite der Medaille: Die vom Unternehmen investierten Mittel müssen so umfassend wie möglich innerhalb der beschränkten Zeit der exklusiven Vermarktung hereingeholt werden. Und das bedeutet: hohe Preise.

Kein Unterschied zwischen Original und Generikum

Läuft der Patentschutz nach 20 Jahren aus, wird der Wettbewerb wieder angekurbelt. Hier kommen die Hersteller von Generika ins Spiel. Ein Generikum ist die Kopie eines Medikamentes, die den gleichen Wirkstoff enthält wie das Originalpräparat.

Die Wirksamkeit ist deshalb identisch. Um eine Zulassung zu erhalten, können sich Generika einzig bezüglich Hilfsstoffen, Aussehen und Verpackung vom Original unterscheiden.

Strenge Zulassungsverfahren

Die Zulassungsverfahren von Generika sind streng und garantieren höchste Sicherheit. So ist nicht nur relevant, ob die Wirksamkeit des Generikums derjenigen des Originals entspricht und keine zusätzlichen unerwünschten Wirkungen auftreten.

Genauso wichtig ist, dass der Wirkstoff im selben Ausmass und mit derselben Geschwindigkeit aus dem Verdauungstrakt in den Körper gelangt wie beim Original. Den Test auf diese sogenannte Bioäquivalenz muss jedes Generikum vor seiner Zulassung durchlaufen und innert definierter Grenzen erfüllen.

In der Schweiz werden Generika von der Arzneimittelbehörde Swissmedic geprüft. Erst wenn die wissenschaftlichen und medizinischen Anforderungen erfüllt sind, erteilt Swissmedic die Marktzulassung.

In einem zweiten Schritt wird ein Antrag um Kassenerstattung gestellt. Die Kassenzulässigkeit wiederum wird vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) erteilt.

Kosteneinsparungen dank Generika

Wesentlicher Vorteil für die Kunden sind die beachtlichen Einsparungen. Da weder Forschungs- noch Entwicklungskosten anfallen, können die Firmen, die Generika vertreiben, mit völlig anderen Kostenstrukturen arbeiten und so ein deutlich tieferes Preisniveau halten.

Der Preisunterschied zwischen Generika und Originalpräparat beträgt, je nach Medikament, Dosierung und Packungsgrösse, 30 bis 70 Prozent..

Neben den Einsparungen gibt es aber noch weitere Vorteile: So werden während der Phase des Patentschutzes oft zusätzliche Erkenntnisse gewonnen, welche die Generikahersteller bei der Produktion des Nachahmerproduktes nutzen.

Weiter enthalten Generika nur bewährte Wirkstoffe, die aufgrund langjähriger therapeutischer Erfahrung bestens bekannt und dokumentiert sind. Und schliesslich werden Generika oftmals in kundenfreundlicheren Darreichungsformen angeboten.

Fazit: Originalpräparate sind wichtig für die Innovation, es gibt jedoch keinen Grund, nach Ablauf des Patentschutzes nicht auf Generika umzusteigen.