Frau Stocker, welche komplementärmedizinischen Verfahren können beim Tier angewendet werden?

Der Begriff Komplementärmedizin ist die Sammelbezeichnung für unterschiedliche Behandlungsmethoden. Bei Tieren sind Homöopathie, Akupunktur, Traditionelle Chinesische Medizin (TCM), Phytotherapie, Osteopathie sowie Chiropraktik anerkannte Verfahren.

Bei welchen Tieren können diese Verfahren eingesetzt werden?

Im alten China wurden vor allem Pferde, die als Arbeitstiere für den Transport und in Kriegen eingesetzt wurden, mit TCM behandelt. Heute werden komplementärmedizinische Methoden bei fast allen Tierarten, besonders bei Hunden, Pferden, aber auch Katzen und Nutztieren eingesetzt. Im Zoo Basel ist ein Tierarzt angestellt, der spezialisiert auf Phytotherapie bei Zootieren ist.

Bei welchen Krankheitsbildern eignet sich Komplementärmedizin?

Grundsätzlich kann Komplementärmedizin bei fast jedem Krankheitsbild angewendet werden. Je nachdem, an welcher Problematik das Tier leidet, kommen unterschiedliche Verfahren zum Einsatz. Komplementärmedizin eignet sich sehr gut als Ergänzung zur Schulmedizin. Allerdings darf man keine Wunder erwarten und es braucht manchmal einiges an Ausdauer. Aber in den meisten Fällen lohnt es sich.

Können Sie uns erklären, wie sich die Behandlung von Tieren in der klassischen und komplementären Medizin unterscheidet?

In der Komplementärmedizin steht das ganzheitliche Erfassen des Tieres im Vordergrund. Als Beispiel: Wird uns ein Tier mit einem Ekzem vorgestellt, schauen wir uns nicht nur die Haut des Tieres an, sondern stellen Zusammenhänge zu anderen Organen her. Es wird dann nicht nur der Ausschlag behandelt, sondern der Organismus wird mit den unterschiedlichen Methoden angekurbelt, sodass dieser selber mit der Krankheit fertig wird.

Wie sehr ist Komplementärmedizin heute schon bei Tierhaltern bekannt?

Komplementärmedizinische Verfahren geniessen bei Tierhaltern eine zunehmende Akzeptanz, die Nachfrage ist steigend. Gleichzeitig gibt es auch immer mehr Anbieter von komplementärmedizinischen Angeboten. Hier den Durchblick zu bewahren, ist nicht immer leicht. 

Wie findet man denn einen serösen Anbieter?

Die Voraussetzung, damit man ein Tier behandeln darf, müssen Kenntnisse über medizinische Grundlagen sein. Leider ist das heute bei Weitem nicht bei allen Anbietern der Fall.  Deshalb orientiert man sich am besten an der Schweizerischen Tierärztlichen Vereinigung für Komplementär- und Alternativmedizin.

Die Mitglieder werden hier nach festgelegten Reglementen geprüft und erhalten nach erfolgreicher Prüfung einen Fähigkeitsausweis. Gleiches gilt für den Tierheilpraktiker. Diese Berufsbezeichnung ist in der Schweiz nicht einheitlich geregelt und es tummeln sich auch unseriöse Anbieter auf dem Markt. Hier kann man sich an einer Mitgliedschaft des Berufsverbandes Tierheilpraktiker Schweiz orientieren.