Zehn Jahre ist es mittlerweile her...

...seit das Schweizer Stimmvolk mit 67 Prozent ein überdeutliches Zeichen gesetzt und komplementärmedizinische Methoden in die Grundversicherung aufgenommen hat.

Keine helvetische Eigenheit, sondern ein globales Phänomen. Mehr und mehr Menschen orientieren sich nicht nur an der klassischen Schulmedizin, sondern suchen nach sanfteren Lösungsansätzen.

Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass 80 Prozent der Bewohner der südlichen Hemisphäre und über drei Viertel der Menschen in verschiedenen Ländern der nördlichen Hemisphäre traditionelle Medizin nutzen.

Insbesondere chronisch Kranke, Patienten, die sämtliche Ansätze der Schulmedizin ausgeschöpft haben, sowie Familien mit Kleinkindern vertrauen auf Komplementärmedizin.

Ein Name, viele Behandlungen

Ein Begriff, der verschiedene Behandlungsmethoden wie beispielsweise Traditionelle Chinesische Medizin, Homöopathie, Naturheilverfahren, aber auch Osteopathie zusammenfasst.

Eines haben all die alternativen Behandlungsformen gemein: im Gegensatz zur Schulmedizin, die sich bei der Diagnose und Behandlungsmethode vor allem auf Symptome konzentriert, setzt die Komplementärmedizin zur Heilung stattdessen darauf, körpereigene Kräfte zu aktivieren und gestörte Funktionen im Körper wieder in ein Gleichgewicht zu bringen. 

Insbesondere in der alternativen Schmerztherapie wird versucht, weitgehend auf medikamentöse Behandlungen zu verzichten. Stattdessen probieren Akupunkteure und Osteopathen, Beschwerden durch alternative Verfahren zu lindern.

Vor allem bei der Behandlung von Migränen und Kopfschmerzen, Bewegungsschmerzen und chronischen Rückenleiden hoffen viele Betroffene auf die Hilfe von Akupunkteuren und Osteopathen.

Eine Glaubensfrage

Trotz ihrer Beliebtheit ist Alternativmedizin immer noch hoch umstritten und regelmässig Gegenstand intensiver Debatten. Erst Ende des vergangenen Jahres wurde das Thema erneut heiss diskutiert, als etwa die Medizinische Universität Wien das Wahlfach Homöopathie abschaffte.

Das Argument zahlreicher Gegner: viele Methoden der Komplementärmedizin sind nach wissenschaftlichen Massstäben nicht bewiesen. Schulmediziner zeigen sich deshalb häufig skeptisch gegenüber komplementären Ansätzen.

Die Befürworter entgegnen, dass dies nicht bedeutet, dass die Methoden nicht wirkungsvoll sein können. Denn in vielen Fällen fehlen schlicht Studien, welche sich umfassend mit der Wirkungsweise befasst haben. Auch deshalb wird die Komplementärmedizin häufig ergänzend und nicht alternativ zur Schulmedizin angewandt. Getreu nach dem Motto: Nutzts nichts, schadets nichts.

Fünf alternative Wege, Schmerzen zu bekämpfen

Es muss nicht immer Chemie sein – zahlreiche Schmerzpatienten schwören auf alternative Ansätze.

1. Akupunktur

Akupunktur gilt als eine der wichtigsten Heilmethoden der chinesischen Medizin und wird von der Weltgesundheitsorganisation für diverse Krankheitsbilder empfohlen. Dabei gilt, dass die Nadeltherapie nur heilen kann, was gestört ist. Etwas reparieren, was bereits zerstört wurde, ist hingegen nicht möglich. Gerade bei chronischen Schmerzen wie etwa Kopfschmerzen, Rücken- und Gelenkschmerzen kann Akupunktur Linderung verschaffen.

2. Blutegel-Therapie

Studien fanden heraus, dass im Speichel der Blutegel entzündungshemmende und schmerzlindernde Substanzen vorhanden sind. Im Rahmen einer Therapie beisst der Blutsauger sich an einem neuralgischen Punkt in der Haut fest und schlägt sich 45 bis 90 Minuten lang den Bauch voll. Die Wirkung kann anschliessend mehrere Monate anhalten.

3. Transkutane elektrische Nervenstimulation (Tens)

Bei der Tens-Therapie werden über Hautelektroden abgegebene, schwache Stromstösse zur lokalen Schmerztherapie genutzt. Dies kann unter anderem bei Sportverletzungen, Gelenkbeschwerden, Kopf-, Nervenschmerzen oder Migräneanfällen helfen. Der Vorteil: Die Behandlung lässt sich mit einem entsprechenden Gerät selbstständig und ortsunabhängig durchführen.

4. Osteopathie, Chiropraktik und Physiotherapie

Manuelle Therapien sind beliebte Behandlungsmethoden bei Beschwerden der Wirbelsäule und des Bewegungsapparates. Während bei der Chiropraktik weitgehend schmerzfrei auf das Gelenk eingewirkt und dieses leicht über die normale Beweglichkeit hinaus bewegt wird, versuchen Osteopathen mit Händen und Fingern die reduzierte Bewegungsfreiheit von Organen, Gelenken, Muskeln oder Sehnen durch Impulse zu stimulieren. Bei der Physiotherapie steht hingegen die Eigenaktivität des Patienten stärker im Zentrum.

5. Schröpfen

Ein durch kugelförmige Gläser erzeugter Unterdruck zieht bei der Schröpftherapie eine kleine Hautpartie in ein Glas hinein. Dadurch sollen die Durchblutung angeregt, Lymphbahnen aktiviert und verhärtete Muskeln wieder aufgelockert werden. Verschiedene Studien kamen zum Schluss, dass die Therapieform insbesondere bei Rücken- und Nackenschmerzen erfolgreich ist.