In der Schweiz ist die Komplementärmedizin...

...seit 2009 in der Bundesverfassung verankert. Damals wurde der Gegenvorschlag zur Volksinitiative «Ja zur Komplementärmedizin» mit einer Zweidrittelmehrheit deutlich angenommen.

Bund und Kantone haben damit den Auftrag erhalten, die Komplementärmedizin in unserer Gesundheitsversorgung zu berücksichtigen.

Im gleichen Jahr wurde der Dachverband Komplementärmedizin gegründet. Er setzt sich dafür ein, dass die mit dem Verfassungsartikel verbundenen Kernforderungen und somit der Volkswille auch tatsächlich umgesetzt werden.

Knapp zehn Jahre nach der Abstimmung sind mehrere Forderungen erfüllt, wie zum Beispiel die definitive Vergütung der ärztlichen Komplementärmedizin über die Grundversicherung und der eidgenössisch anerkannte Berufsabschluss für Therapeutinnen und Therapeuten. In anderen Bereichen gibt es aber nach wie vor viel zu tun.

Als Präsidentin des Dachverbands ist es mir ein Anliegen, dass die Schul- und Komplementärmedizin nicht gegeneinander, sondern miteinander arbeiten.


Wir brauchen eine verbesserte Zusammenarbeit, und zwar überall dort, wo Menschen medizinisch behandelt werden: in der ambulanten Grundversorgung, in Spitälern und Kliniken und auch in Alters- und Pflegeheimen.

Verschiedene Methoden

An den Methoden der Komplementärmedizin wird das ganzheitliche Menschenbild sehr geschätzt. Im Zentrum steht der Mensch als Individuum mit all seinen Facetten. Es gibt viele verschiedene komplementärmedizinische Methoden und Therapien, die breit angewendet werden können.

Sie werden zur Unterstützung bei schweren Krankheiten und bei Beschwerden eingesetzt, aber auch präventiv zur Erhaltung der Gesundheit. Komplementärmedizin behandelt Patientinnen und Patienten ganzheitlich und setzt den Fokus auf die Aktivierung der Selbstheilungskräfte; sie ist deshalb eine sinnvolle Ergänzung zur Schulmedizin.

Wir nutzen das Potenzial der Komplementärmedizin zum Wohle unserer Gesellschaft als integrativer Bestandteil des Gesundheitssystems bedauerlicherweise noch viel zu wenig.

Wir wollen das gegenseitige Verständnis und die Zusammenarbeit unter den verschiedenen Gesundheitsberufen fördern. Wünschenswert ist, dass alle Gesundheitsfachpersonen im Rahmen ihrer Ausbildung ein Basiswissen über komplementärmedizinische Therapien, Methoden und Arzneimittel vermittelt bekommen. Die Komplementärmedizin muss in alle Lehrpläne angemessen aufgenommen werden, damit ein wirkliches Miteinander zum Wohle der Patientinnen und Patienten möglich ist.

Grosser Handlungsbedarf besteht auch im Bereich Forschung. Bund und Kantone kommen diesbezüglich ihrem Verfassungsauftrag bisher nicht nach. Es werden kaum Mittel in die Forschung der Komplementärmedizin oder in den Aufbau von universitären Instituten investiert.

Therapievielfalt in Gefahr

Zur Komplementärmedizin gehört auch ein vielseitiges Angebot an natürlichen und pflanzlichen Arzneimitteln. In der Selbstmedikation werden diese oft und gerne angewendet. Leider gehen die Vorschriften für die Herstellung und Zulassung von Arzneimitteln auf die Eigenheiten der Komplementärmedizin sehr wenig ein.

Es besteht die Gefahr, dass sich die Herstellung von komplementärmedizinischen Medikamenten mit den immer strengeren Vorgaben irgendwann nicht mehr lohnt.

Hier besteht unsere Aufgabe darin, die Verantwortlichen bei den Behörden an den klaren Verfassungsauftrag zu erinnern und wenn möglich auf gesetzgeberische Prozesse Einfluss zu nehmen, damit die Therapievielfalt erhalten bleibt.

Komplementärmedizin entspricht einem Bedürfnis unserer Bevölkerung. Ich setze mich aus persönlicher Überzeugung dafür ein, dass der Verfassungsartikel weiter umgesetzt und die Komplementärmedizin in unsere Versorgungsstrukturen nachhaltig integriert wird.