Herr Prof. Tamm, was sind eigentlich typische Anzeichen für eine COPD?

COPD bedeutet eine Einengung der Bronchien. Das lässt sich mit einem Lungenfunktionstest messen. Die Ausatmung ist erschwert, und es steht weniger Luft bei einer Anstrengung zur Verfügung.

Entweder spüren die Betroffenen Atemnot bei einer Anstrengung, zum Beispiel beim Treppengehen. Oder aber sie sagen einfach, sie mögen sich nicht mehr so recht anstrengen und schieben das häufig aufs „Alter“.

Was ist der Unterschied zu einer Bronchitis oder zu Asthma?

Akute Bronchitis ist meist auf einen Virusinfekt (Erkältung) zurückzuführen und erholt sich von alleine. Chronische Bronchitis heisst ständiger Husten und Auswurf über Monate bis Jahre und ist häufig Ausdruck einer COPD.

Bei Asthma sind die Atemnotsanfälle eher kurzfristig und treten beispielsweise beim Sport auf. Nicht wenige unserer Spitzensportler leiden an allergischem Asthma und müssen vor dem Wettkampf inhalieren.

Wie fangen die gesundheitlichen Beschwerden bei einer COPD an?

In den meisten Fällen von Asthma beginnen die Beschwerden vor dem 40. Lebensjahr, ja sogar in der Kindheit. Bei COPD braucht die Abnahme der Lungenfunktion Jahre bis Jahrzehnte, sodass die Betroffenen den Beginn nicht wirklich spüren und nicht selten erst im fortgeschrittenen Stadium zum Arzt gehen.

Kann eine genetische Beeinflussung vorliegen?

Wie bei vielen Krankheiten gibt es eine genetische Assoziation von Asthma und COPD. Bisher wurde jedoch kein Gen gefunden, das vor diesen Krankheiten schützt. Es gibt also kein „Rauchschutzgen“

COPD wird oft mit Raucherlunge gleichgesetzt. Welche Rolle spielt das Rauchen?

Bei uns sind 90% der COPD Patienten Raucher oder ehemalige Raucher. Kocht jemand am offenen Feuer in einem geschlossenen Raum in Nepal oder steht jahrelang als Polizist auf einer Strassenkreuzung in Mumbai, kann sich eine COPD aber auch entwickeln, ohne dass man raucht.

Bei welchen Symptomen sollte jemand einen Arzt aufsuchen?

Bei ständigem Husten oder auch bei Atemnot infolge einer Anstrengung sollte der Hausarzt aufgesucht werden. Viele Hausärzte können in der Praxis einen einfachen Lungenfunktionstest durchführen und die Diagnose stellen. Bei fortgeschrittenen Fällen oder bei unklarer Situation sollte ein Lungenfacharzt konsultiert werden.

Wie sieht die Therapie aus? 
 

COPD ist nicht heilbar, aber die Symptome können deutlich gebessert werden. Dabei stehen Bronchien erweiternde Medikamente zum Inhalieren im Vordergrund.
 

Bei ausgewählten Fällen können mittels Lungenspiegelung einzelne schlecht funktionierende Anteile der Lunge ausgeschaltet werden, damit die besseren Anteile Platz haben.

Sind die Erfolgschancen besser, je früher die Krankheit entdeckt wird?

Ja, je früher desto besser. Wichtigste Massnahme ist der Rauchstopp. Man weiss aus Langzeitbeobachtungen, dass die durchs Rauchen verlorene Lungenfunktion nicht zurückgewonnen werden kann, aber der weitere natürliche Alterungsprozess der Lunge nach einem Rauchstopp ähnlich verläuft wie bei Nichtrauchern

Was sollte oder kann ein Betroffener oder eine Betroffene sonst noch selber tun?

Sport respektive körperliches Training ist sehr hilfreich bei COPD und führt nicht nur zu einer verbesserten Leistungsfähigkeit, sondern auch zu weniger akuten Verschlechterungen (Exazerbationen).

Bereits 3 x wöchentlich 30 Minuten Training bringt viel, man muss nicht im Fitnessstudio wohnen. Uebrigens hilft nicht nur Ausdauer, sondern auch Muskel-(Kraft) Training.