Facts Burnout

Das Burnout-Syndrom wurde 1974 vom amerikanischen Psychoanalytiker Herbert Freudenberger entdeckt. Damals waren vom Burnout vor allem die helfenden Berufe wie zum Beispiel Ärzte, Pfleger oder Sozialarbeiter betroffen. Heute kommt das Burnout-Syndrom in  allen Berufsschichten vor.

Fragt man einen Mann nach seinem Befinden, bekommt man oft zu hören: «Ich bin total im Stress und habe wahnsinnig viel zu tun.» Will heissen – es läuft super im Job und ich mache gerade so richtig Karriere. Denn nur ein gestresster Mann, der überdurchschnittlich viele Stunden bei der Arbeit verbringt, kann ja schliesslich erfolgreich sein – so die noch immer weitverbreitete Meinung. Dass der zunehmende Stress aber auch krank machen kann, zeigen die steigenden Burnout-Zahlen.  

Stress gleich Burnout?

Führt also zu viel Stress unweigerlich zum Burnout? So einfach ist es natürlich nicht. Denn es gibt das Burnout-Syndrom genauso bei Menschen, die nur wenig erkennbaren Arbeitsstress haben. Und längst nicht jeder, der im Beruf unter grossem Druck steht, endet automatisch in einem Burnout. Es muss also noch weitere Faktoren geben, die bei der Krankheitsentstehung mitwirken. «Als Investmentbanker war ich Druck und Stress im Beruf gewohnt. Für meine Arbeit bekam ich Anerkennung. Erst als es zu einer grossen Entlassungswelle in unserer Bank kam und ich wusste, dass es jederzeit auch mich treffen kann, wurde dieser Druck unerträglich», sagt Matthias B. * Tatsächlich entsteht ein Burnout häufig dann, wenn eine zusätzliche Belastungssituation hinzukommt und der berühmte Tropfen das Fass zum Überlaufen bringt.  In vielen Fällen brennen auch Menschen aus, die unter Überlastung leiden und den Stress nicht mehr in der Freizeit abbauen können. Ein zentraler Faktor ist auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Der Chef verlangt 120 Prozent Leistung und die Familie wartet mit ihren Wünschen und Anforderungen zu Hause. Ein Spagat, der für viele Männer schwer zu bewältigen ist und ein Auslöser für ein Burnout sein kann.

Wenn nichts mehr geht

Matthias B. fühlte sich zunehmend müde und lustlos, die Arbeit wurde zur Qual, er hatte das Gefühl, sich in einem Hamsterrad zu drehen und nichts mehr kontrollieren zu können. «Zum Glück hat mein Hausarzt schnell auf ein Erschöpfungssyndrom getippt und mich zu einem Therapeuten geschickt.  Hier hatte ich endlich die Möglichkeit, mich mit mir und meiner Situation auseinanderzusetzen. Ich habe gelernt, belastende Stressoren zu erkennen, und weiss jetzt, wie ich genug Ausgleich schaffen kann.» In der Burnout-Behandlung gibt es keine Standard-Therapie. Vielmehr muss die Behandlung auf den Patienten und seine Lebenssituation zugeschnitten werden. Wichtig ist, dass der Betroffene die Möglichkeit hat, zu entspannen. Dazu kann ein längerer Urlaub oder eine Auszeit eine gute Option sein. Damit man das Burnout nicht nur für eine Weile unterbricht, sondern es dauerhaft besiegen kann, müssen die Stressoren im Umfeld zunächst identifiziert und dann nach Möglichkeit behoben werden. Matthias B. kam zum Schluss, dass er nur durch eine berufliche Veränderung das Burnout langfristig besiegen kann: «Mir wurde bewusst, dass ich dem Druck in meinem alten Job nicht mehr gewachsen bin. Deshalb habe ich endlich meine Pläne für eine Selbständigkeit umgesetzt. Zudem nehme ich mir heute bewusst Zeit für mich und meine Hobbys. Und ich bin sensibilisiert auf erste Symptome, die auf übermässigen Stress hindeuten könnten.» Manchmal kann ein Burnout also auch eine Chance sein, die Lebenssituation positiv zu verändern.

Mögliche Anzeichen:

  • Anhaltende Müdigkeit und Erschöpfung: Die Betroffenen haben den Eindruck, dass sie ihre täglichen Aufgaben nicht mehr bewältigen können, fühlen sich überfordert und müde. Vielen fällt es zunehmend schwerer, nach der Arbeit "abzuschalten".
  • Nachlassende Leistungsfähigkeit: Die Arbeit gelingt nicht mehr so gut wie gewohnt. Es kommt zu Konzentrationsstörungen, Nervosität und Entscheidungsunfähigkeit.
  • Körperliche Symptome können sich beim Burnout einstellen, für die der Arzt keine organische Ursache findet. Zum Beispiel Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Verdauungsprobleme oder Rückenschmerzen.
  • Rückzug: Viele Burnout-Betroffene igeln sich immer mehr ein. Sie geben Hobbys auf und vernachlässigen Partner und Freundeskreis.
  • Innere Leere, Sinnverlust: Die Freude am Alltag geht immer mehr verloren. Nichts macht mehr Spass, alles ist anstrengend. Unzufriedenheit und Gleichgültigkeit machen sich breit. An die Stelle der ursprünglichen Begeisterungsfähigkeit tritt Zynismus, schliesslich Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit.

Prävention:

Um einem Burnout vorzubeugen, sollte man bei ersten Symptomen gegensteuern. Denn die wichtigste Methode ist die Prävention. Folgende Fragen sollte man sich dazu stellen: Welche Stressoren belasten mich? Wie gehe ich damit um? Gönne ich mir genug Ausgleich? Schaffe ich es, mich zu entspannen? Welche Bedürfnisse habe ich ausserhalb der Arbeit? Was ist mir im Leben wichtig?