Um es gleich vorweg zu nehmen: Die Unfallgefahr ist bei Diabetikern laut Studien nicht grösser als bei anderen Verkehrsteilnehmern. Aber dies gilt nur, wenn ihre Krankheit richtig erkannt und behandelt wird und die Patienten zudem perfekt im Umgang mit Diabetes geschult sind. Wenn es doch zu einem Unfall kommt, dann ist die Hauptursache eine Unterzuckerung (Hypoglykämie). Bereits ein Blutzuckerwert unter 4 mmol/l kann die Fahrtauglichkeit beziehungs weise. die Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit einschränken.
 

«Wenn es trotz allem zu einer Unterzuckerung kommt, sollten Betroffene bei
den ersten Anzeichen sofort anhalten.»

Unterzuckerung vermeiden
Eine Hypoglykämie zeigt sich mit verschiedenen Symptomen: Sehstörungen, Schweissausbrüche, Müdigkeit, Hunger, Kopfschmerzen, Zittern, Schwindel und anderes mehr kann auftreten. Damit es gar nicht erst soweit kommt, ist es ganz wichtig, dass Betroffene vor Antritt der Fahrt den Blutzucker messen. Optimal sind Werte von 4 bis 6 mmol/l. Die Schweizerische Diabetes-Gesellschaft empfiehlt folgendes: Ist der Blutzucker unter 5 mmol/l, sollte man 15 bis 20 g Kohlenhydrate zu sich nehmen und den Blutzucker nach 20 Minuten nochmals kontrollieren. Ist der Blutzucker zwischen 5 bis 7 mmol/l, sollte man 10 g Kohlenhydrate zu sich nehmen. Und ganz wichtig: Fahren Sie generell nie mit einem Blutzuckerwert unter 5 mmol/l!

Vorsichtsmassnahmen
Nach einer ausgiebigen Wanderung oder einer anderen intensiven körperlichen Betätigung und einer nicht reduzierten Insulindosis sollte man bei einem Blutzucker zwischen 5 bis 6 mmol/l unbedingt ca. 20 g Kohlenhydrate vor der Fahrt und ca. 10 g pro Stunde während der Fahrt zu sich nehmen. Wurde die Insulindosis reduziert, genügen bei einem Blutzucker von 5-6 mmol/l 10 g Kohlenhydrate. Bei längeren Fahrten sollte der Blutzucker alle 1 bis 1,5 Stunden kontrolliert und auf regelmässiges Essen geachtet werden. Als Zwischenmahlzeit für unterwegs eignen sich langsam verwertbare Kohlenhydrate, wie sie in einem Apfel, einer Birne, einigen Darvidas oder einem Getreideriegel stecken.

Falls es doch passiert
Wenn es trotz allem zu einer Unterzuckerung kommt, sollten Betroffene bei den ersten Anzeichen sofort anhalten – notfalls auch auf dem Pannenstreifen oder im Halteverbot. Warnblinker einschalten und Motor ausschalten und 20 g rasch verwertbare Kohlenhydrate konsumieren. Soviel steckt beispielsweise in 6 Stück Traubenzucker, 2 dl Süssgetränk oder in 2 dl Fruchtsaft – gut also, wenn man immer genügend Proviant mit sich führt. Eine Weiterfahrt ist erst dann ratsam, wenn sämtliche Symptome abgeklungen sind und der Blutzucker über 5 mmol/l liegt.

Weitere Risikofaktoren
Nebst der Unterzuckerung gibt es noch weitere Risikofaktoren. So können erhöhte Blutzuckerwerte langfristig zu einer Erkrankung der Netzhaut des Auges führen. Die zunehmende Schädigung kleiner Blutgefässe kann zur Erblindung zur Folge haben. Dies ist bei optimaler Behandlung zwar nur bei rund 2 Prozent der Betroffenen der Fall, aber schon kleine Einschränkungen des Sehvermögens sind im Strassenverkehr gefährlich. Wird Diabetes neu diagnostiziert, kann sich die Sehschärfe vorübergehend verschlechtern, bis der Stoffwechsel durch die Therapie stabilisiert ist. Eine weitere Spätfolge von Diabetes ist die periphere Neuropathie, eine Nervenerkrankung, die zu Gefühlsstörungen und allfälligen Lähmungen in Füssen und Beinen führt, was sich aufs Bedienen der Pedale auswirken kann.

 

Facts
Ohne Risiko fahren
 
1,5 Mal höher ist das Risiko eines Unfalls im Strassenverkehr für Patienten mit Typ-1-Diabetes im Vergleich zu Patienten mit Typ-2-Diabetes.
 
 
Um 40 Prozent ist das Unfallrisiko erhöht, wenn es in den vergangenen zwei Jahren zu zwei Kollisionen gekommen ist.
 
 
30 bis 45 Minuten dauert es, bis nach einer hypoglykämen Phase die kognitiven Funktionen vollständig wiederhergestellt sind.
 
 
Nicht nur Diabetes-Medikamente
können die Fahrtüchtigkeit einschränken. Dasselbe gilt auch für Beruhigungs- und Schlafmittel, die tagsüber noch nachwirken, Antidepressiva, Medikamente gegen Allergien sowie gewisse blutdrucksenkende Mittel.