Facts

1. In den letzten 15 Jahren ist die Lebensqualität von Typ-1-­Diabetikern bedeutend gestiegen und ­Spätschäden sind seltener ­geworden.

 

2. Mussten Sie früher einen sehr regelmässigen Tagesablauf pflegen und Diät halten, so können sie heute die Insulindosis dem bevorstehenden Menü anpassen.

3. «Diabetiker dürfen fein essen und ausschlafen», sagt Facharzt Beat Schwegler.

4. Im Gegensatz zu den Typ-2-­Diabetikern, die häufig auch hohen Blutdruck und erhöhte Cholesterinwerte aufweisen, leben die meisten Typ-1-Diabetiker recht gesund. Denn sie müssen sich schon früh im Leben mit ihrer Ernährung auseinandersetzen.

5. «Wenn die Patienten gut mitmachen und von einem kompetenten Arzt behandelt werden, haben sie plus minus eine normale Lebenserwartung», gibt sich Schwegler ­zuversichtlich.

Gesunde Ernährung, viel Bewegung, kein Übergewicht: Wer nach diesen Grundsätzen lebt, hat ein kleineres Risiko, an Krebs und Herz-Kreislauf-Beschwerden zu erkranken, und läuft auch weniger Gefahr, Diabetes mellitus Typ 2 zu entwickeln. Diese Krankheit nimmt in Industrieländern und auch in vielen Schwellenländern beängstigend zu. In der Schweiz sind schätzungsweise 400 000 Menschen von Diabetes betroffen, davon über 90 Prozent vom Typ 2. «Im Gegensatz zum Typ-1-Diabetes, ist der Typ 2 zu einem gewissen Teil Folge einer unangemessen Ernährung», sagt Beat Schwegler, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und Endokrinologie/Diabetologie. Die Insulin produzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse arbeiten zwar noch, doch es besteht eine Resistenz gegen das Insulin. Dieses Hormon ist dafür zuständig, nach einer Mahlzeit den im Blut gelösten Zucker in die Zellen zu transportieren. Funktioniert dies unzureichend, steigt der Blutzucker an, was auf die Dauer verheerende Schädigungen der Blutgefässe zur Folge haben kann. Gefürchtete Konsequenzen: Erblindung, Nierenschäden und schlechte Wundheilung, die im schlimmsten Fall eine Amputation nötig machen kann.

Es ist nie zu spät
Je nach Schweregrad muss das fehlende Insulin dem Körper durch Spritzen zugefügt werden oder die Resistenz kann mit der Einnahme von Tabletten bekämpft werden. Doch auch wenn man bereits erkrankt ist, lohnt es, seinen Lebensstil umzustellen. «Diabetiker dürfen und sollen Sport treiben», rät der Diabetologe. Kürzlich behandelte er einen 135 Kilogramm schweren 40-Jährigen, der anfangs Insulin benötigte. Nachdem er 35 Kilogramm abgenommen hatte, kam er mit Tabletten aus. Allerdings sei gute Abklärung und Unterstützung nötig, sagt Schwegler. Keine Prävention gibt es bei der Autoimmunerkrankung des Diabetes Typ 1, der oft bereits in jungen Jahren und ebenso bei schlanken Personen auftritt. Fachleute sind sich nach wie vor im Unklaren, wieso das Immunsystem plötzlich die Insulin produzierenden Zellen angreift. Übertriebene Sauberkeit, Umweltgifte, Viren, Bakterien, eventuell Vitamin-D-Mangel oder eine genetische Veranlagung könnten mit im Spiel sein – doch bestätigt sind diese Hypothesen nicht. Ebenfalls unbekannt ist, wieso auch dieser Diabetestyp immer häufiger auftritt.

Normal essen und ausschlafen
Bahnbrechende neue Behandlungsmethoden seien in den letzten Jahren keine hinzugekommen, sagt Beat Schwegler. Doch mit genaueren Blutzuckermessgeräten und besseren Insulinpräparaten könnten Diabetiker heutzutage viel besser eingestellt werden. Bei starken Blutzuckerschwankungen kann das Hormon auch mit einer Insulinpumpe kontinuierlich zugeführt werden. Weitere Verbesserung versprechen sich die Spezialisten von Pumpen, die mit Sensoren gekoppelt sind und die berechnete Insulinmenge automatisch verabreichen.