Zunächst ist an Impfungen zu denken...

...beispielsweise ist für gewisse Länder in Afrika und Lateinamerika diejenige gegen Gelbfieber obligatorisch. Wurde diese nicht verabreicht, wird man entweder beim Grenzübertritt geimpft oder man muss zurückkehren; letzteres kommt allerdings nur mehr selten vor.

Für die Gesundheitserhaltung im Ausland sind oft weitere Impfungen empfehlenswert und anlässlich der Konsultation wird der kundige Arzt auch kontrollieren, ob Impfungen beispielsweise gegen Starrkrampf, Masern oder die Zeckenenzephalitis gemäss des Schweizerischen Impfplans nachzuholen oder zu ergänzen sind. In vielen exotischen Ländern ist die Malaria mehr oder minder weitverbreitet, entsprechend werden Massnahmen gegen Mückenstiche empfohlen und Medikamente zur Vorbeugung oder zur Notfallbehandlung abgegeben.
 

Mücken können nicht nur die Malaria, sondern auch Dengue, Zika und weitere unangenehme Infektionen übertragen; deshalb gilt die Doktrin: sich täglich während 24 Stunden nicht stechen zu lassen.
 

In jeder reisemedizinischen Beratung sollte man auch den Reisedurchfall diskutieren. Auch wenn sich die hygienischen Bedingungen vor allem in Schwellenländern verbessert haben, so liegt doch weiterhin in den Ländern mit niedrigem Durchschnittseinkommen die Quote der Betroffenen bei über 20 Prozent, dies schon in den ersten zwei Wochen des Aufenthalts.

Es hat sich gezeigt, dass die alte Kolonialregel «boil it, cook it, peel it – or forget it» (sied es, koch es, schäl es – oder lass es bleiben) weder einen sicheren Schutz gewährt noch weitgehend befolgt wird. Allerdings würde ich gewiss vor rohen Austern, Fisch oder Fleisch dringlich abraten. Nützlich ist es, in der Reiseapotheke Medikamente mitzuführen, mit denen man sich selbst behandeln kann.

Der Begriff Reisemedizin...

...wurde vor 30 Jahren in Zürich geschaffen, um hier zu einem ersten internationalen Fachkongress einladen zu können. Diese Tagung wurde von über 400 Ärzten aus aller Welt besucht und dadurch war das interdisziplinäre Fach begründet. Interdisziplinär bedeutet, dass sich Reisemediziner nicht nur mit Infektionen oder Tropenkrankheiten befassen, sondern beispielsweise auch mit Höhen- und Tauchmedizin.

Da bei Besuchern der Dritten Welt Verkehrs- und Sportunfälle die häufigste Todesursache sind, ist es unerlässlich, darauf hinzuweisen, wie dieses Risiko reduziert werden kann. Reisende gefährden sich allenfalls durch flüchtige sexuelle Kontakte mit HIV-Infektionen. Vor allem Langzeitaufenthalter, insbesondere auch Arbeitnehmer an exotischen Destinationen sind gelegentlich psychisch gestresst; somit sollte der Reisemediziner auch über psychologische und psychiatrische Grundkenntnisse verfügen.

Da Senioren häufiger reisen, spielt auch die Geriatrie zunehmend eine Rolle. In der Schweiz verfügen zahlreiche interessierte Hausärzte über gute reisemedizinische Grundkenntnisse; bei Spezialfragen empfiehlt es sich, Spezialisten oder ein grosses Zentrum aufzusuchen.
 

Seit einigen Jahren ist es möglich, Reisende mit Gesundheitsproblemen unterwegs zu beraten – beispielsweise mit E-Mails.
 

Die Mehrheit der Reisenden...

...kommt gesund nach Hause. Gelegentlich aber gibt es Zeichen einer Infektion, welche weiter anhalten oder erst nach der Rückkehr auftreten. Am häufigsten handelt es sich um Durchfall, aber auch Hautkrankheiten kommen oft vor. Besonders gefährlich ist die Malaria, denn unbehandelt kann es bereits 24 Stunden nach dem Auftreten der ersten Symptome unter anderem zu einem lebensbedrohlichen Koma kommen.

Somit gilt weiter die Grundregel: Beim Auftreten von Fieber oder anderen grippeähnlichen Beschwerden nach einem Aufenthalt in einem Malariagebiet muss innerhalb dieser Frist eine Abklärung auf Malaria erfolgen, dies insbesondere auch am Wochenende.

Mit dieser Einführung will ich keinesfalls künftige Reisende entmutigen, herrliche, exotische Reiseziele zu besuchen, sie davon abhalten, in faszinierende fremde Kulturen einzutauchen. Ganz im Gegenteil – dank der Reisemedizin haben diese künftigen Reisenden eine grosse Chance, dabei gesund zu bleiben.