Fast 150000 Menschen leben in der Schweiz gegenwärtig mit einer Demenz, Tendenz stark steigend. Obwohl Wissenschaftler weltweit und auf Hochtouren an Therapien forschen, zeichnet sich noch kein erfolgsversprechender Durchbruch mit einem Medikament ab.
 

Das bedeute aber nicht, dass man sich einfach in sein Schicksal fügen soll oder muss, sagt Prof. Dr. med. Egemen Savaskan (Chefarzt der Klinik für Alterspsychiatrie).


Auch wenn die Alzheimer-Demenz noch nicht geheilt werden könne: Immerhin seien Medikamente auf dem Markt, die den Krankheitsverlauf inzwischen hinauszuzögern vermögen. Auch nicht-medikamentösen Therapieformen misst er eine grosse Bedeutung bei. Kognitive Übungen (zum Beispiel Gedächtnistraining), aber auch regelmässige physische Aktivitäten und der Erhalt sozialer Kontakte, um einer Isolation vorzubeugen, könnten neben diätetischen Faktoren präventiv wirken.

Frühzeitige Erkennung wichtig

Prof. Savaskan bedauert, dass in der Schweiz mutmasslich nicht einmal die Hälfte der Demenzbetroffenen diagnostiziert werde. Den Hinweis, es gebe ja doch keine Heilungsmöglichkeit, will er nicht gelten lassen.

Je früher eine Abklärung erfolge, desto eher könnten durchaus sinnvolle Massnahmen eingeleitet werden. Eine Diagnose helfe Betroffenen zudem, wichtige Entscheide über die Zukunft noch selbst zu fällen.

Erste Anlaufstelle zur Diagnoseerstellung sollte immer der Hausarzt sein. Dieser führe einfache Tests durch (der bekannteste ist der Mini-Mental- und Uhrentest) und könne den Patienten dann bei einem begründeten Verdacht an eine spezialisierte Memory-Klinik weiterleiten.

Demenz als Oberbegriff

Demenz sei der Oberbegriff für zahlreiche Hirnerkrankungen, wobei die Alzheimer-Demenz mit Abstand die am häufigsten auftretende Erscheinungsform darstelle, circa 60 Prozent aller Demenzerkrankungen.

Eine gewisse Bedeutung komme aber auch der vaskulären Demenz zu, bei der ein enger Zusammenhang mit Diabetes und hohem Blutdruck bestehe. Nochmals eine ganz andere Form sei die Parkinson-Demenz oder die Lewy-Körperchen-Demenz. Im Alter können zudem die kognitiven Störungen einer Demenz oft mit einer Depression verwechselt werden.

Eine genaue Abklärung sei deshalb wichtig. Zur genauen Diagnosestellung stünde den Medizinern  in  Memory-Kliniken heute eine breite Palette an Möglichkeiten zur Verfügung. Das Ziel aller Bemühungen bestehe darin, die Selbstständigkeit der Patienten möglichst lange aufrechtzuerhalten.

Nicht nur Schicksal

Jeder Einzelne von uns könne aber bereits vorbeugend einiges tun, damit das Demenzrisiko möglichst in Grenzen gehalten werde, ist der Alterspsychiater überzeugt. Angesprochen sind damit die Themen Bewegung und Ernährung.

Beim körperlichen Training rät er vor allem zu Ausdauersportarten wie Wandern oder Schwimmen, nach Möglichkeit zwei, bis dreimal wöchentlich für mindestens eine halbe Stunde.

Besonders empfehlenswert sind Aktivitäten, bei denen nicht nur der Körper, sondern gleichzeitig auch der Geist gefördert werde, so etwa Tanzen.

Zum Beispiel die sogenannte Dalcroze-Rhythmik, welche alles beinhaltet: körperliche Ertüchtigung, Koordination, aber auch eine lustvolle Musiktherapie. Beim Essen sei eine möglichst mediterrane Kost zu empfehlen. Grundpfeiler sind diesbezüglich viel Gemüse, wenig rotes Fleisch sowie pflanzliche Öle. Letztlich gehe es darum, gesundheitliche Risiken wie Bluthochdruck oder Diabetes zu senken.

Kapitel Angehörige

Wer über längere Zeit einen demenzkranken Partner zu Hause betreuen muss, kennt aus eigener Erfahrung die grosse Belastung, welche mit der Pflege verbunden ist.

Der Angehörigenbetreuung werde deshalb grosse Aufmerksamkeit gewidmet. «Wenn wir diese gut informieren, profitieren davon auch die Patienten», sagt der Arzt. Das sei umso wichtiger, weil die pflegenden Angehörigen manchmal aufgrund der hohen Belastung im Laufe der Zeit selber Depressionen entwickelten.

Zur Entlastung der Angehörigen gebe es mehrere Optionen. Spitex wie auch Tageskliniken würden bei Bedarf einspringen. Die Betreuung der Angehörigen ist deswegen ein fester Bestandteil der Demenz-Behandlung.