Am Ende hat Philipp K. nur noch auf den Bildschirm gestarrt. Er, der sonst ohne Mühe seine Arbeit machen und auch Spannungen und Misserfolge wegstecken konnte, war ausgebrannt. Und erst jetzt, Wochen später, kann er sich selbst eingestehen, dass er einen Burnout hatte.

Anfang einer Wende

Dass er es jetzt kann, hat auch mit dem Stresstest zu tun, dem er sich unterzogen hat. Aufgebaut ist er ähnlich wie Test bei Bewerbungen: Der Test macht Aussagen, der Teilnehmer macht auf einer Skala von sieben Punkten zwischen «trifft zu» und «trifft nicht zu» ein Kreuz. Anders als bei Bewerbungen erfasst der Test mehr Ebenen einer Persönlichkeit, geht stärker in die Tiefe.

Für Philipp K. war der Stresstest ein guter Anfang – «gerade weil er quasi neutral und anonym war». Die Fragen halfen, aus dem Teufelskreis der eigenen Sorgen herauszukommen. Er konnte sich in die Aussagen hineinfühlen und kam zu überraschenden Schlussfolgerungen. Der Test hat ihm die Impulse gegeben, um weiterzugehen. «Er war der Anfang einer Wende», sagt Philipp K.

Hilfe für Personalverantwortliche

Der Online-Stresstest ist das Ergebnis von langjähriger Erfahrung im Umgang mit Stress und Burnout. «Er ist aus der Praxis gewonnen und baut auf Aussagen von Betroffenen auf», sagt Dr. Cornelia Nussle. Die Psychologin ist Gründerin und Leiterin der psycon gmbh in Zug, die den Test im Rahmen einer Forschungsarbeit erarbeitet hat. Der Test geht auf acht Faktoren ein, die im Wechselspiel Stress auslösen und bis zum Burnout verstärken können. Ein sehr starker Faktor ist dabei laut Nussle die mentale Blockade. Aber auch die soziale Orientierung, die Eigenständigkeit und die Freude an Neuem – eigentlich positive Eigenschaften – können in der falschen Mischung zu Stress führen.
Der Test greift nicht erst, wenn es bereits zum Burnout gekommen ist. Laut Nussle ist er auch ein wichtiges Instrument für das Coaching und kann bei der Rekrutierung von Personal und der Beurteilung von Teams eingesetzt werden. Er erlaubt es den Personalverantwortlichen, die Persönlichkeit von Bewerbern und Mitarbeitern besser zu verstehen.

Gute Vorbereitung für Therapie

Der Stresstest ist aber auch eine wichtige Hilfestellung für die eigentliche Therapie. Er helfe, die Ausprägung des jeweiligen Klienten besser zu sehen. «Man kann nicht alle wichtigen Eigenschaften in einer Stunde erkennen», sagt Nussle. Da sei der Test eine gute Vorbereitung. So hat es auch Philipp K. wahrgenommen. Der Test sei wichtig gewesen, um sich überhaupt einzugestehen, dass er Hilfe brauche. Der nächste Schritt sei dann die eigentliche Therapie gewesen.