«Sexuelle Gesundheit Schweiz» hat die Webplattform sexual health info lanciert. Die Organisation steht für das Recht ein, dass jede Person über ihre Sexualität entscheiden kann. Grundlage dafür ist ungehinderter Zugang zu Information. Geschäftsleiterin Barbara Berger räumt der Online-Info heute höchsten Stellenwert ein. «Alle informieren sich zuerst im Netz.» Allerdings: Die persönliche Beratung ist etablierter als früher. Denn online finden sich je nach Quelle widersprüchliche Infos. Sex ist in Medien und Werbung zwar dauerpräsent.

Aufgeklärte Menschen haben mehr Spass am Sex

Trotzdem ist es in den letzten Jahren aus Bergers Sicht nicht zu einer «sexuellen Befreiung» gekommen: «In unserer individualisierten Gesellschaft ist Sexualität weniger moralisch konnotiert. Doch die in Medien gezeigte Sexualität hat wenig mit dem eigenen Erleben zu tun.» Das zeigt auch, dass die meistgestellte Frage in Jugend-Beratungen unverändert «Was ist normal?» bleibt: Ist mein Pornokonsum «normal», sind meine Schamlippen «normal», ist es «normal», mit 17 noch keinen Sex gehabt zu haben? Auch die immer wiederkehrenden Fragen zu Verhütungsmitteln zeigen der Geschäftsleiterin, dass das mediale Sex-Trommelfeuer nicht zu einer umfänglichen Aufklärung führt.

Sorgt der in Medien propagierte sorglose Umgang mit Sex wiederum für ungeschützten Geschlechtsverkehr? Auch hier wird die Wirkung dieser Medien generell überbewertet. Präventionskampagnen (wie Love Life des BAG, dessen Partnerin die «Sexuelle Gesundheit» ist) begünstigen wohl die Verbreitung des geschützten Verkehrs – aber nicht eine Zunahme sexuell übertragbarer Infektionen (STI). In einem Satz: Aufgeklärte Menschen haben mehr Spass am Sex.

Das kann Daniel Seiler, Geschäftsführer Aids-Hilfe Schweiz, bestätigen: «Der Umgang ist definitiv nicht sorgloser geworden. Menschen gehen wiederum offener mit ihrer Sexualität um, da HIV keine tödliche Bedrohung mehr darstellt.» Studien zur Sexualisierung in den Medien belegen, dass diese nicht zu mehr Sex – oder Ansteckungen – führt. Daraus leitet Seiler ab, «dass unsere Präventionsbotschaften nach wie vor ankommen». Die Love-Life-Kampagne der Aids-Hilfe zeige, «wie attraktiv es ist, sich bewusst vor STI zu schützen».

Berger sieht Handlungsbedarf für sexuelle Rechte auch in der kantonal unterschiedlichen Sexualaufklärung an Schulen. «Gegner der Aufklärung arbeiten mit dem vermeintlichen Schutz vor Sexualisierung von Kindern durch Nicht-Information.» Da aus ihrer Sicht das Gegenteil der Fall ist, setzt sich ihre Organisation weiter für den leichten Zugang zur Information über die eigene Sexualität ein.