Mediaplanet: Warum sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen die Todesursache Nummer eins?

Andreas Hoffmann: Viele Krankheiten und Unfallfolgen können besser behandelt werden. Wir werden immer älter. So bleiben am Lebensende vor allem das Herz und Krebserkrankungen als Todesursache.

Inwiefern kann die Früherkennung verbessert werden?

Die Früherkennung ist wichtig, um vorzeitige Herztodesfälle zu vermeiden. Dies gelingt durch Erkennen von Personen mit erhöhtem Risikoprofil, das aus Lebensdaten und Messwerten erstellt werden kann (zum Beispiel online mit www.swissheartcoach.ch).

Wichtig ist aber auch, dass in der Bevölkerung genügend Kenntnisse über Warnsymptome vorhanden sind (Hinweise bei  www.swissheart.ch).

Hohe Cholesterinwerte verbinden viele Herz-Kreislauf-Patienten miteinander. Teils sind diese selbst verschuldet, teils genetisch bedingt. Welchen Einfluss hat diese Ursache auf die Behandlung? 

Fehlernährung und mangelnde körperliche Aktivität sind oft mitschuldig an hohen Blutfettwerten, meist ist es jedoch eine Veranlagung. Die Notwendigkeit einer medikamentösen Behandlung richtet sich weniger nach der Höhe des Cholesterins als vielmehr nach dem Gesamtrisiko.

Das heisst also, dass wir bei jemandem mit sehr hohem Erkrankungsrisiko (viele Risikofaktoren, bereits manifeste Krankheit) schneller zu einem Medikament greifen.

Eine besondere Situation besteht bei Trägern eines sehr hohen Risikos in Form der relativ seltenen «familiären Hypercholesterinämie» mit extrem hohen Cholesterinwerten, wo meistens bereits in der Jugend eine medikamentöse Behandlung angezeigt ist. 

Herzkatheter, Stents und Bypass: Bei der Behandlung von Herzkrankheiten konnten grosse Fortschritte erzielt werden. Wie wirkungsvoll sind die Verfahren?

Die Wiedereröffnung einer verschlossenen Herzkranzarterie innert weniger Stunden nach einem akuten Verschluss kann das Entstehen eines Herzmuskelschadens verhindern, was besonders bei Gefässen mit einem grossen Versorgungsgebiet wichtig ist.

Im Falle von chronisch verengten Gefässen ist die Wiederherstellung des Blutflusses vor allem geeignet zur Behebung von belastungsabhängigen Beschwerden (Angina Pectoris).

Man darf aber nicht vergessen, dass diese Eingriffe lediglich die Durchblutung des Herzmuskels verbessern. Die Arteriosklerose bleibt als Grundkrankheit bestehen und stellt auch weiterhin eine Gefahr dar für das Herz und andere Organe.

Gibt es Situationen, in denen ein Eingriff wenig sinnvoll ist?

Generell gilt es, mit Eingriffen zurückhaltend zu sein, wenn keine Beschwerden vorliegen. Gelegentlich muss man auch von einem Eingriff abraten, wenn das Risiko von Komplikationen zu hoch oder der Allgemeinzustand des Patienten zu schlecht ist.

Wie schwierig ist die Rehabilitation nach einer Herzoperation?

Wenn der übrige Gesundheitszustand der Patienten intakt ist, kann die frühere Belastbarkeit und Leistung und damit die Lebensqualität meistens innert sechs bis zwölf Wochen wiederhergestellt werden.

Bleibende Operationsfolgen sind äusserst selten. Oft sind es aber Ängste und andere vorbestehende Probleme, die nach einem Herzeingriff den Heilungsverlauf beeinträchtigen. Auch die Risikofaktoren spielen für den weiteren Krankheitsverlauf eine entscheidende Rolle und müssen deshalb behandelt werden. Leider ist es oft so, dass sich Patienten, die eine Betreuung besonders benötigen, einer Rehabilitation entziehen.

Weitere Infos

www.swissheart.ch