Diabetes betrifft uns alle. Die chronische Stoffwechselkrankheit ist aufgrund der Bevölkerungsentwicklung und der heutigen Lebensgewohnheiten in allen Gesellschaftsschichten auf dem Vormarsch. Unsere schnelle Ernährung wie auch unsere mangelnde Bewegung im Alltag sind neben der steigenden Lebenserwartung die Hauptursachen dafür. Diabetes ist aber nicht einfach eine „Wohlstandskrankheit“, denn 77% aller Diabetesbetroffenen leben in sogenannten Ländern mit tiefen und mittleren Einkommen.

Das Problem ist also global. In der Schweiz gehen wir heute von gegen 500‘000 Diabetesbetroffenen aus, weltweit gar von rund 390 Millionen. Dies ist eine ungeheuerliche Zahl, die bis ins Jahr 2035 wohl auf rund 600 Millionen ansteigen wird. Zur Veranschaulichung: Mit 390 Millionen „Einwohnern“ wäre „das Diabetes-Land“ damit hinter China und Indien – und noch vor den USA – das drittgrösste Land der Welt.

Man geht davon aus, dass rund die Hälfte aller Betroffenen von ihrer Krankheit gar nichts wissen

Die menschlichen und volkswirtschaftlichen Folgen sind gravierend. Alle 7 Sekunden stirbt ein Mensch an den Folgen von Diabetes. 2014 waren das 4,9 Millionen diabetesbedingte Todesfälle. Im gleichen Jahr beliefen sich die weltweiten Gesundheitsausgaben für Diabetes auf 612 Milliarden USD, was rund 11% der gesamten Gesundheitskosten für Erwachsene entspricht. Auch diese Zahlen werden in den kommenden Jahren weiter zunehmen. Es braucht eine Trendwende, aber wie soll das gehen?

Dazu braucht es Wissen und – daraus resultierend –  Prävention. Doch hier besteht Handlungsbedarf, denn trotz seiner Allgegenwart ist Diabetes den meisten Menschen zu wenig bekannt. Beim Diabetes wird unterschieden in Diabetes mellitus Typ 1 (absoluter Mangel an Insulin) und Typ 2 (verminderte Wirkung von Insulin). Diabetes Typ 1 entspringt einer genetischen Veranlagung, tritt meist schon bei Kindern und Jugendlichen auf und lässt sich nicht durch Prävention verhindern.

Er betrifft rund 10% aller Diabetiker und ist ohne Zugabe von Insulin innert kurzer Zeit tödlich. Diabetes Typ 2 hingegen ist in den meisten Fällen eine sich schleichend entwickelnde Krankheit, deren Entstehung durch ungesundes Alltagsverhalten begünstigt wird. Dieser Krankheitstypus betrifft mit rund 90% die grosse Mehrheit aller Diabetiker und bleibt oft lange unbemerkt und damit auch unkontrolliert. Je länger dies der Fall ist, umso ausgeprägter sind in der Regel die gesundheitlichen Spätfolgen, die sich aus einem dauerhaft überhöhten Blutzuckerspiegel ergeben.

Man geht davon aus, dass rund die Hälfte aller Betroffenen von Ihrer Krankheit gar nichts wissen. Mit einem gesunden Alltagsverhalten – das bedeutet primär gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung – liessen sich bis zu 70% aller Fälle von Diabetes Typ 2 vermeiden.

Um dem Informationsdefizit zu begegnen wurde 1991 der Weltdiabetestag von der IDF (International Diabetes Federation) und der WHO (World Health Organisation) ins Leben gerufen. Er findet jeweils am 14. November statt und erinnert damit an den Geburtstag von Sir Frederick Banting, der 1922 das lebenswichtige Insulin entdeckte. Die Idee dahinter ist, die Menschen weltweit auf das zunehmend bedrohliche Gesundheitsproblem Diabetes aufmerksam zu machen und mögliche Lösungen zu vermitteln. Auch die Schweizerische Diabetes-Gesellschaft (SDG) will dazu ihren Beitrag leisten. So standen am 14. November an diversen Standorten in der ganzen Schweiz die Diabetesfachpersonen der regionalen Diabetes-Gesellschaften allen Interessierten Rede und Antwort.

Das diesjährige Thema des Weltdiabetestags war die Ernährung. Gesunde, ausgewogene Ernährung vermindert einerseits deutlich das Risiko, an Diabetes zu erkranken. Andererseits ist es auch ein wichtiger Bestandteil einer effektiven Diabetesbehandlung bei Menschen, die bereits von Diabetes betroffen sind. Wenn es uns als Gesellschaft gelingt, schon bei jungen Kindern gesunde Essgewohnheiten zu verankern, wäre damit ein grosser Schritt zur globalen Trendwende im Gesundheitsbereich getan.

In diesem Sinne: Ernähren Sie sich gesund!