Statistisch gesehen besteht für Frauen im Laufe ihres Lebens eine wesentlich grössere Wahrscheinlichkeit, mit dem Humanen Papillomavirus (HPV) infiziert zu werden, als nie damit in Kontakt zu kommen. Da die Ansteckung mit diesem sexuell übertragbaren Virus per Hautkontakt geschieht, kann sie nicht einmal durch konsequenten Kondomgebrauch hundertprozentig ausgeschlossen werden.

Obschon die HPV-Familie meist harmlos ist, gibt es Typen, die in bestimmten Fällen zu Tumoren an Gebärmutterhals, Vulva oder sogar am Anus führen können.

«Deshalb ist der frühzeitige Nachweis der durch HPV hervorgerufenen Zellstörung so wichtig. Durch eine sofortige operative Entfernung der betroffenen Stelle im Gebärmutterhals kann das Krebsrisiko minimiert werden», erklärt Dr. Patrick Petignat, Chefarzt Gynäkologie am Universitätsspital Genf.

Wichtige Vorsorgeuntersuchung

Von lokal begrenzten Eingriffen über die Kryotherapie (Kältebehandlung) bis zur Laserbehandlung stehen verschiedene Methoden zur Verfügung, um der Läsionen durch Papillomaviren Herr zu werden. Ob sie erfolgreich sind, hängt unmittelbar von der frühzeitigen Diagnose ab. In der Schweiz erfolgt die Früherkennung heute mithilfe des sogenannten PAP-Tests, der alle zwei bis drei Jahre anhand eines Abstrichs während einer Routineuntersuchung beim Frauenarzt durchgeführt wird.

«Dieser Test muss in äusserst regelmässigen Abständen durchgeführt werden, da er nicht besonders aussagekräftig ist. Es kommt häufig, das heisst in rund der Hälfte aller Fälle vor, dass eine potenzielle Zellveränderung nicht angezeigt wird», erklärt Patrick Petignat.

Wie viele Fachärzte setzt er sich deshalb für die Früherkennung mit einem HPV-Test ein. Dieser soll ermitteln, ob die Patientin bereits mit dem Erreger in Kontakt gekommen ist, und weist diesbezüglich eine höhere Empfindlichkeit auf.

Wirksame Impfung

Die heute verfügbare Impfung kann die Ansteckung mit dem Virus verhindern, ist jedoch nur dann wirksam, wenn sie vorbeugend, das heisst vor dem ersten Geschlechtsverkehr oder ganz zu Beginn der sexuellen Aktivität der jungen Frau vorgenommen wird. Einige Kantone empfehlen Kindern die Impfung übrigens im Rahmen ihres schulmedizinischen Angebots. Im internationalen Vergleich weist die Schweiz zwar eine gute HPV-Impfquote aus, doch Petignat ist der Meinung, sie könne noch gesteigert werden:

«Die immer noch bestehenden Vorbehalte könnte man entkräften, indem man beispielsweise betont, dass die Impfung nicht das eigentliche Virus enthält, sondern lediglich ein Molekül, das die Viruspartikel simuliert, aber völlig risikofrei ist. Zudem geht es hier auch um eine Frage der öffentlichen Gesundheit, da die Impfung die Anzahl operativer Eingriffe reduzieren hilft. Und zusätzlich liesse sich damit das steigende Risiko von Frühgeburten vermindern, die durch präventive Eingriffe aufgrund von Gebärmutterhalskrebs verursacht werden.»

Der Spezialist führt zur Zeit eine Studie durch, bei der einige Patientinnen den Abstrich für einen HPV-Test selbstständig zuhause vornehmen können.