Frau Draths, Sie sind Jugendgynäkologin. Sind die jungen Frauen heutzutage eigentlich schon gut informiert, wenn sie Sie das erste Mal wegen der Menstruation aufsuchen?

Im Gegensatz zu früher haben heute die meisten Jugendlichen schon in der Schule einiges über die Menstruation und den weiblichen Zyklus gelernt. Im konkreten Umgang mit der Blutung und der Hygiene gibt es aber oft noch offene Fragen.

Und immer noch kursieren falsche Vorstellungen, was das Jungfernhäutchen, die Menstruationsblutung oder die Anwendung von Tampons betreffen.

Durch welche Anzeichen erkennt die Frau, dass etwas an ihrer Scheidenflora nicht stimmt?

Etwa bei vermehrtem und unangenehm riechendem Ausfluss oder bei einem Brennen im Scheidenbereich rate ich zum Arztbesuch. Kennt man bereits die Symptome vom Scheidenpilz, kann man sich auch in der Apotheke ein entsprechendes Mittel holen.

Aber bei Jugendlichen, die zum ersten Mal solche Symptome haben, ist eine Kontrolle sinnvoll. Allgemein gilt, der Ausfluss wird typischerweise in der Pubertät stärker, ohne dass dies ein Krankheitszeichen wäre.

Wie oft sollte die Frau eine Intimwäsche vornehmen?

Von Scheidenspülungen raten wir ab, da die Scheide eine natürliche Flora hat, die nicht gestört werden soll. Diese Sekretion ist absolut natürlich. Das äussere Genitale aber, das sind die inneren und äusseren Schamlippen, die Vorhaut über der Klitoris und der Damm sowie der behaarte Bereich sollten schon einmal täglich gewaschen werden.

Kann eine «Überhygiene» denn zu Trockenheit führen?

Ja, vor allem wenn entfettende Produkte oder zu heisses Wasser angewendet werden. Die Haut am äusseren Genitale kann dann jucken und auch rissig werden.

Wirkt normale Seife im Intimbereich irritierend?

Für die äusserliche Anwendung sind Intimgel und rückfettende Substanzen geeignet, Seife ist nicht zu empfehlen, da sie entfettend wirkt. Die Schleimhaut kann auch sehr empfindlich auf parfümierte Substanzen reagieren.

Wie wichtig ist die Intimpflege nach dem Sex?

Es ist nichts dagegen einzuwenden, nach dem Sex glücklich einzuschlafen, ohne sich noch waschen zu müssen. Viele Frauen ziehen es aber vor, die Blase danach zu entleeren. Blasenreizungen oder ein Brennen im Scheidenbereich sind individuelle Probleme, die mit dem Gynäkologen besprochen werden können.

Wirkt sich im Sommer eigentlich das Baden im Pool aus?

Das Chlorwasser kann die natürliche Scheidenflora stören, selten gibt es auch eine Allergisierung auf Chlor. Wer empfindlich ist, sollte nach dem Baden sich abduschen und nicht zu lange im Badekleid bleiben.