TIPPS

Luftfeuchtigkeit im Winter zwischen 40 und 50 Prozent halten. Bei tieferer Luftfeuchtigkeit erhöht sich die Allergenbelastung, oberhalb von 50 Prozent überwiegen vermutlich die Nachteile.

Luftaustausch ist wichtig. Spürbarer Luftzug («Durchzug») und Luftwirbel sind jedoch zu vermeiden.

Alle mit Bewegungen verbundenen Aktivitäten der Hausbewohner führen zum Ansteigen der Luftbelastung durch Allergene.

Harte Böden (Parkett, Fliesen, Kunststoff) täglich feucht aufnehmen.

Ältere Kurzflorteppiche verringern die Allergiebelastung, sollen aber regelmässig mit einem Staubsauger mit gutem Staubfilter (HEPA-Filter) gereinigt werden.

Alle chemischen und mechanischen Versuche zur Reduktion der Allergiebelastung durch Milben und Milbenbestandteile sind unwirksam, so das Resultat einer Cochrane Studie.

Pollen – die Quälgeister aus der Pflanzenwelt

Pollenallergiker wissen genau, was ihre Beschwerden verstärkt und was ihnen Linderung bringt. Sie lassen sich nichts vormachen! Auch andere allergiegeplagte Menschen können von ihren ganz persönlichen Erfahrungen profitieren. Pollenallergiker wissen genau, dass Feuchte in Form von Regen, Tau oder Nebel ihre Beschwerden verschwinden lässt. Grund: Feuchte hält die Pollen am Boden und auf den Pflanzen zurück. Sie bleiben haften und können nicht mit dem Wind verteilt werden. Die Pollen können so auch nicht auf die Schleimhäute von Augen, Nasen und Bronchien gelangen und dort allergische Reaktionen wie Augenbrennen, Niesen, Husten oder Asthma auslösen. Bei  steigender Luftfeuchtigkeit binden Pollen mehr Wasser an sich und haften besser auf den Pflanzen. Sonneneinstrahlung lässt die Luftfeuchtigkeit sinken und durch die Abtrocknung werden die Anziehungskräfte zwischen Pollen und Pflanze vermindert. Jetzt kann aufkommender Wind die Pollen leicht wegtragen – schliesslich landen sie auf unseren Schleimhäuten. Die Pollenbeschwerden werden von der Pollenkonzentration in der Luft bestimmt und sind unabhängig von der Konzentration der Blütenstäube auf Pflanzen und Oberflächen.

Milbenkot, Schimmelpilze und Tierallergene –  die Quälgeister aus unserem eigenen Hausstaub

Milbenkot, Schimmelpilze und Tierallergene verhalten sich grundsätzlich gleich wie die Pollen. Die Allergenkonzentration in der Luft ist minimal (sogenannte Hintergrundkonzentration) wenn die  Luftfeuchtigkeit genügend hoch ist (gegen 50 Prozent), Luftbewegungen fehlen und wenn keine Personen in den Räumen aktiv sind. Winterliche Lufttrockenheit um 30 Prozent, Luftbewegungen durch Lüftungen sowie Aktivitäten der Bewohner wie Türen öffnen, Herumgehen, Staubsaugen, Betten machen und so weiter führen zu einem raschen und starken Anstieg der Allergenkonzentrationen in der Luft. 

Allergische Beschwerden sind die Folge.

Ausser den grossen Blütenpollen sind Allergene mit blossem Auge nicht erkennbar. Die beschriebenen Vorgänge spielen sich im mikroskopischen Bereich ab. Tierallergene sind immer,  Milbenkot und Pilzbestandteile meist an Hausstäube aller Art gebunden. Deshalb spricht man auch von «Hausstauballergie». Und deshalb entspricht das Verhalten der Allergene im Wesentlichen dem Verhalten von Hausstaub, das wir alle einigermassen kennen. Wir wissen, dass bei Trockenheit mehr Staub aufgewirbelt wird und dass durch unsere Aktivitäten (Wischen, Staubsaugen, Herumrennen, Betten machen) Staub aufgewirbelt wird, den wir im Gegenlicht deutlich als «Staubwolke» erkennen können.
Luftbewegungen und menschliche Aktivitäten sind in den Wohnungen nicht zu vermeiden. Einfach und wirkungsvoll lassen sich aber die Allergiebeschwerden vermindern, indem die Luftfeuchte auf 40 bis 50 Prozent angehoben wird! Befeuchtete Allergene werden «klebrig» und haften besser auf ihren Unterlagen. Dass befeuchteter Hausstaub weniger aufgewirbelt wird, ist eine Alltagserfahrung, die jeder schon gemacht hat. Nutzen Sie diese Erfahrung auch bei den Allergenen – Sie werden staunen über den Effekt!

Risiko Schimmelpilz?

Die Bedenken vieler Ärzte vor einer Anhebung der Luftfeuchtigkeit gegen 50 Prozent sind unbegründet. Sie beruhen auf Vorstellungen, die durch aktuelle Untersuchungsergebnisse wiederlegt sind. Die Milbenvermehrung nimmt erst oberhalb von rund 60 Prozent Luftfeuchtigkeit merklich zu. Zudem ist Milbenkot in fast allen bewohnten Räumen sowieso im Überfluss vorhanden, unabhängig von lebenden Milben. Milben können übrigens auch bei 30 Prozent Luftfeuchtigkeit noch sehr gut vom Wasser leben, das in unseren Hautschuppen gespeichert ist, von denen sie sich hauptsächlich ernähren.
Das Schimmelpilz-Wachstum ist bis zu einer Raumluftfeuchte von 80 Prozent in erster Linie von der Temperatur der Wände (Taupunkt-Temperatur) abhängig. Wenn bei 50-prozentiger  Luftfeuchtigkeit Schimmelpilz auftritt, sind schlecht isolierte, kalte Wände dafür verantwortlich oder es dringt von aussen Feuchte ein. 

Virale Atemwegserkrankungen

Schimmelpilze brauchen für ihr Wachstum eine minimale Wasserkonzentration in den Materialien, auf denen sie wachsen. Da die Anwesenheit von Schimmelpilzen automatisch mit «zu feucht» in Verbindung gebracht wird, dachte man bis vor einigen Jahren, dass «zu viel Feuchtigkeit» an den  Schimmelpilz-Erkrankungen schuld sei. Sicherlich ist eine schimmelige Zimmerecke ein Krankheitsrisiko und ein Ärgernis. Das Risiko wird aber erst zur Krankheit, wenn Schimmelpilzbestandteile unsere Atemwege erreichen. Dies wird ermöglicht durch die häufige Kombination von Schimmelpilz mit ausgeprägter Lufttrockenheit, meist nur um 20 bis 30 Prozent. Diese – auf den ersten Blick unlogische – Kombination von «feuchten, kühlen Wänden» und «ausgeprägter Lufttrockenheit» löst die gehäuften allergischen und viralen Erkrankungen aus. Die trockene Raumluft begünstigt nämlich nicht nur den Übertritt von Schimmelpilzbestandteilen und Sporen in die Luft sondern auch das Auftreten von viralen Atemwegserkrankungen. Diese sind zu 80 bis 100 Prozent die Ursache für akute Asthmaanfälle bei kleinen Kindern.