Wie machtlos sind wir wirklich?

In den letzten 20 Jahren hat sich die Neurologie revolutionär entwickelt. Dank modernster Technologie in Diagnostik und Therapie haben sich die Behandlungskonzepte drastisch geändert. Diagnosen mit früher schlechter Prognose und Invalidisierung sind heute gut behandelbar.

 

Aber es gilt: nur rasches und zielgerichtetes Handeln führt zum Erfolg!

 

Akute Lähmungen, Sprach- oder Gefühlsstörungen fordern unmittelbares Handeln, Notruf 144! Bei einem Hirnschlag zählt jede Minute, denn «time is brain». In den neurologischen Stroke Centers und Units folgen  Abklärungen und Therapie ohne Zeitverlust. Mittels hoch technisierter Bildgebung und verschiedener Thrombolyseverfahren wird die Ursache eingegrenzt und verschlossene Gefässe wieder eröffnet.

In der folgenden Behandlungskette von Neuro-Intensiv bis zur Neuro-Rehabilitation gelangt der Patient Schritt für Schritt wieder in den Alltag zurück,  unterstützt durch moderne Rehabilitationsverfahren wie Robotics und transkranielle Magnetstimulation.

Zurück in den Alltag gilt auch für die Migräne- und Kopfschmerz-Behandlung. 10 Prozent der Männer und 14 Prozent der Frauen, geschätzt eine Million Menschen, leiden in der Schweiz an Migräne. Mit 500 Millionen Franken pro Jahr belastet diese Erkrankung die Volkswirtschaft vor allem wegen des Anteils von 400 Millionen an indirekten Kosten wie Arbeitsausfällen. Nur 100 Millionen gehen zulasten von Medikamenten und Arztbesuchen. Der Neurologe erarbeitet individuell zusammen mit dem Patienten geeignete Therapie-Massnahmen.
 

Wie sieht es bei den chronischen neurologischen Erkrankungen aus? Auch hier gilt «mit Neurologie zurück in den Alltag».
 

Erkrankungen mit früher vorzeitiger Invalidisierung oder Tod bedeuten heute ein ganz normales Leben.

So ist die Multiple Sklerose dank verschiedenen Medikamenten heutzutage gut behandelbar, oft ohne weitere Krankheitsaktivität. MS-Erkrankte führen so ein ganz normales Leben mit Familie, Sport und Beruf. Auch hier gilt: «time is brain» und «hit early and hard». Je früher und stärker behandelt, desto besser das Outcome. Die Patienten bleiben aktiv im Alltag.

Im Alltag bleiben gilt auch für die Behandlung von Epilepsien

Erhalt der Arbeitsfähigkeit und Fahreignung haben hohe Priorität. Reichen Medikamente zur Anfallskontrolle nicht aus, führen wir die Patienten einer prächirurgischen Abklärung zu. Das epileptogene Areal im Hirn wird mittels Hightech-Bildgebung und Neurophysiologie präzise lokalisiert und kann operativ entfernt werden.

Dank Forschung und moderner Techniken bleiben Epilepsie-Patienten im Alltag integriert.

Forschung und Technik haben auch den Alltag unserer Parkinson-Patienten verändert. Mit präzisen Diagnostikverfahren lässt sich die Neurodegeneration bereits früh darstellen. Gelingt es in der ersten Krankheitsphase, die Symptome mit Medikamenten gut zu kontrollieren, können im späteren Krankheitsverlauf invasive Therapien wie ein «Hirnschrittmacher» (Tiefenhirnstimulation, Deep Brain Stimulation), die skalpellfreie Chirurgie (fokussierter Ultraschall) oder Pumpen-Therapien notwendig werden.

Mit diesen Techniken und spezifischer ambulanter und stationärer Neuro-Rehabilitation bleiben die Patienten lange im familiären Umfeld und im Alltag integriert.

Der Fortschritt hat die Neurologie in 20 Jahren revolutioniert. Es profitieren aber nicht nur Patienten, sondern die ganze Volkswirtschaft. Je besser neurologische Patienten behandelt sind, desto länger bleiben sie mit guter Lebensqualität im Alltag integriert. Folgekosten durch vorzeitige Berufsaufgabe, Invalidisierung und Pflegekosten werden reduziert.

Neurologie bedeutet demnach nicht nur «zurück in den Alltag» sondern vielmehr «im Alltag bleiben».