Schmerzen nach dem Schlafen sind weit verbreitet. Weshalb wird ihnen relativ wenig Aufmerksamkeit geschenkt?

Ein Grund hierfür ist sicherlich, dass sich die Beschwerden am Anfang meist ganz langsam einstellen und erste Anzeichen oftmals nicht als Problem wahrgenommen werden.

Denn sobald man aufsteht und sich bewegt, bessern sie sich meist. Nehmen die Schmerzen und Verspannungen zu, pendeln die Betroffenen häufig über Jahre zwischen Ärzten, Therapeuten, Fitnesscentern und Bettenanbietern.

Mit dem Resultat, dass sich keine oder nur kurzzeitige Besserung einstellt.


Im schlimmsten Fall werden die Beschwerden nicht kleiner, sondern nehmen mit der Dauer sogar zu!
 

Wie lässt sich das erklären?

Diese morgendlichen Schmerzen und Verspannungen haben komplexe, multifaktorielle Ursachen. So können zwar Physiotherapie, Massagen oder Muskeltraining vorübergehend die Beschwerden reduzieren, oftmals wird sich aber ohne die Berücksichtigung der verursachenden Faktoren kein nachhaltiger Erfolg einstellen.

Deshalb ist es meiner Meinung nach so wichtig, dass Ärzte, Therapeuten, Trainingsfachleute und Liegeberater über die Komplexität dieses Themas Bescheid wissen und entsprechend fachübergreifend zusammenarbeiten. 

Weshalb findet der Teufelskreis aus Verspannungen am häufigsten in der Nacht beim Schlafen statt?

Schmerzen am Morgen haben eine Hauptursache: Sie werden durch die spannende Muskulatur verursacht. Ein Grund hierfür ist, dass wir beim Tiefschlafen nicht wie am Tag auf jeden Sinnesreiz mit einer Entspannungsbewegung oder Positionsänderung reagieren.

So können kleine Verspannungen langsam wachsen und Schmerzreize auslösen. Genau diese Schmerzreize haben die unangenehme Eigenschaft, dass sie die schon verspannte Muskulatur noch stärker spannen, was wiederum den Schmerzreiz erhöhen kann. Hier sprechen wir vom Teufelskreis der Muskelverspannung.

Sie beschäftigen sich seit vielen Jahren mit den Ursachen für Schmerzen und Verspannungen beim Liegen. Zu welchem Ergebnis sind Sie bislang gekommen?

Ein erster und wichtigster Grund liegt in der Tatsache, dass wir zu viel sitzen und uns zu wenig bewegen. Dies hat muskuläre Konsequenzen; die vordere Oberschenkel-, Hüft- und Bauchmuskeln verkürzen sich.

Solche Muskelverkürzungen sind eine Hauptursache für Schmerzen und Verspannungen beim Liegen. Ebenso können die Konstitution, das Gewicht sowie Krankheiten wie etwa ein Bandscheibenvorfall zu Verspannungen und Schmerzen führen. Auch falsche Liegepositionen können eine entscheidende Rolle spielen.

Meine Passion ist es, den Ursachen auf den Grund zu gehen. Obschon Rückenprobleme so weit verbreitet sind, wird dem Liegen als mögliche Ursache kaum Beachtung geschenkt. Es wird sowohl in der Medizin, Schlafmedizin, Therapie oder dem Muskeltraining häufig ausgeklammert. 

Welche Rolle spielt das Bett?

Ein Bett allein heilt zwar nicht, ist jedoch eines der wichtigsten Elemente bei der Verbesserung von morgendlichen Verspannungen oder Schmerzen im Hals-, Nacken-, Schulter- oder Rückenbereich.

Dabei sollte das Bett den Bedürfnissen des Benutzers entsprechen und individuell angepasst sein. Beim Bettenkauf gilt: Unbedingt auf ein mehrwöchiges Rückgaberecht achten.  Denn häufig merkt man erst nach einiger Zeit, ob die Matratze tatsächlich richtig ist. 

Welche Tipps haben Sie für ein entspanntes Erwachen?

  • Die vordere Muskulatur regelmässig dehnen
  • Viel bewegen, auch während des Arbeitens immer wieder aufstehen
  • Bei tiefen Temperaturen mit geschlossenem Fenster schlafen. Friert man nachts, spannen sich die Muskeln automatisch an
  • Auf Früherkennungszeichen achten! Wenn man immer wieder beim Ausschlafen Rückenprobleme hat, sollte man einen Spezialisten aufsuchen und die Liegesituation genauer unter die Lupe nehmen!