Wie gefährlich ist die Müdigkeit im Strassenverkehr?
In der offiziellen Unfallstatistik taucht Müdigkeit als Unfallursache wenig auf. Je nach Schwere des Unfalls liegen die Zahlen zwischen 1,5 und 4 Prozent verunfallter Personen. In den letzten 10 Jahren lag die Zahl der Verkehrstoten infolge Müdigkeit somit bei 145. Die offiziellen Zahlen sind deutlich geringer als diejenigen aus Studien, wo sogar von 10 bis 20Prozent aller Verkehrstoten gesprochen wird, also in den letzten 10 Jahren von 400 bis 800 Toten.

Wo liegen die Ursachen für die zu tiefen offiziellen Unfallstatistiken?
Die Ursache liegt in der Erkennung von solchen Unfällen. Denn die verunfallten Personen sind nach einem Umfall wach und aufgeregt. Ebenso hängt vieles von den Aussagen dieser Unfallfahrer ab. Hinzu kommt, dass bei tödlichen Unfällen die Hinweise wie zum Beispiel Bremsspuren, die auf ein Einschlafen am Steuer hinweisen könnten, fehlen. Müdigkeit am Steuer betrifft laut Zahlen mehr Männer als Frauen. Grundsätzlich sind einerseits eher jüngere Personen (bis 30 Jahre) betroffen, die bei Fahrten in den Wochenendnächten einschlafen, und zum anderen ältere Personen ab ca. 50 Jahren nachmittags.

Wo liegen die Ursachen von Müdigkeit am Steuer?
Die Ursachen sind primär Schlafmangel, zu lange Fahrzeiten, Fahrten zu Zeiten mit hohem Schlafbedürfnis (bei Nacht, nachmittags), Konsum von sedierenden Medikamenten, Alkohol und Drogen, aber auch medizinische (Schlaf-)Störungen wie Insomnien (Schlaflosigkeit) und obstruktive Schlafapnoe, bei der infolge häufiger Atemstillstände kein erholsamer Tiefschlaf stattfindet. Monotonie und Langeweile verursachen per se zwar keine Müdigkeit, sie wirken jedoch einschläfernd auf die Lenkenden.

Wie kann ich die mögliche Gefahr der Übermüdung frühzeitig erkennen?
Zu Beginn ist man müde und gähnt; die Augen werden schwer, man reibt sich die Augen, die Konzentration lässt nach und man friert leicht. In späteren Phasen fallen einem die Augen zu oder man hat sogar Halluzinationen. Nehmen Sie die deutlich wahrnehmbaren Müdigkeitssymptome (Gähnen, Unkonzentriertheit, Fahrfehler, schwere Augenlider etc.) ernst. Die Effekte der meisten Gegenmittel wie Fenster öffnen, laute Musik hören, Augen aufreissen sind zu gering. Die einzig sinnvolle Massnahme, nämlich eine Ruhepause mit einem Nickerchen, wird viel zu selten ergriffen.

Gibt es Hilfsmittel, die davor schützen, wie etwa der Turboschlaf?
Grundsätzlich ist es wichtig auf guten und ausreichenden Schlaf zu achten. Am besten sollte es gar nicht dazu kommen, dass man am Steuer müde wird. Wenn es aber dennoch passiert, empfehlen wir eine Kombination von Koffein und kurzem Schlaf. Zuerst Kaffee trinken – am besten 2 Tassen – und sich dann einen Turboschlaf (etwa 15 Minuten), aber nicht länger als eine halbe Stunde, gönnen. Danach wirkt das Koffein und durch den Turboschlaf hat man sich ein wenig erholt, ohne in den Tiefschlaf zu geraten.