• Was heisst dies in Bezug auf Vorsorge und Prävention?
  • Welche Massnahmen müssen prioritär ergriffen werden und wie steht es um deren Effektivität? 

Fünf Exponenten nehmen dazu Stellung.

  • Krebs
  • Muskuloskelettale Erkrankungen
  • Herz-Kreislauf
  • Diabetes
  • Adipositas
Ursula Koch
Leiterin Vorsorge, Betreuung und Nachsorge sowie Mitglied der Geschäftsleitung bei der Krebsliga Schweiz

Krebs

Was heisst dies in Bezug auf Vorsorge und Prävention?

Ein Drittel der Krebserkrankungen sind heute durch Prävention vermeidbar. Die Krebsprävention beinhaltet die Förderung eines gesunden Lebensstils, die Reduktion von Umweltrisiken sowie die Früherkennung. Präventionsmassnahmen müssen über den ganzen Patientenpfad erfolgen, da dadurch auch die Lebensqualität von Betroffenen gesteigert und Rezidive beziehungsweise Rückfälle verhindert werden können.
 

Welche Massnahmen müssen prioritär ergriffen werden und wie steht es um deren Effektivität? 

Wir sind in verschiedenen Handlungsfeldern aktiv – etwa in der Information und Sensibilisierung der Bevölkerung, zum Beispiel über Kampagnen und mit Projekten der Gesundheitsförderung in Betrieben und Schulen. Wichtig sind auch die Prävention in der Gesundheitsversorgung, zum Beispiel die Förderung von Darmkrebsfrüherkennungsprogrammen, sowie strukturelle Massnahmen, etwa im Bereich des Tabakproduktegesetzes.

Valérie Krafft
Geschäftsleiterin der Rheumaliga Schweiz

Muskuloskelettale Erkrankungen

Was heisst dies in Bezug auf Vorsorge und Prävention?

Je nach muskuloskelettaler Erkrankung ergeben sich unterschiedliche Möglichkeiten der gezielten Prävention. Arthrose oder Rückenschmerzen können zum Beispiel durch körperliche Aktivität vermieden, verzögert oder bestehende Beschwerden können abgeschwächt werden. Andere Erkrankungen sind jedoch durch das Geschlecht, das Alter und die genetische Disposition bestimmt und deshalb nur wenig beeinflussbar.

Welche Massnahmen müssen prioritär ergriffen werden und wie steht es um deren Effektivität? 

Neben gesundheitsförderlichen Rahmenbedingungen etwa im Bereich der Arbeit sind auch Informationen über die Erkrankungen, deren Prävention und mögliche Behandlungen für Gesunde und für Rheumabetroffene wichtig. Betroffene Personen oder Personen mit Risikofaktoren profitieren überdies von auf sie zugeschnittenen Programmen, beispielsweise im Bereich Bewegung, Sturzprävention oder Selbstmanagement.

Dr. Robert C. Keller
Geschäftsführer Schweizerische Herzstiftung

Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Was heisst dies in Bezug auf Vorsorge und Prävention?

Wir wissen, dass sich durch Prävention viel erreichen lässt. Die bisherigen Anstrengungen haben denn auch schon Wirkung gezeigt, die Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in den fünfzig Jahren seit Bestehen der Schweizerischen Herzstiftung deutlich gesunken. Trotzdem sind sie noch immer Todesursache Nummer eins. Sie leisten zudem dem stetigen Anstieg der Gesundheitskosten Vorschub.

Welche Massnahmen müssen prioritär ergriffen werden und wie steht es um deren Effektivität? 

Folgende Handlungsfelder stehen im Fokus: Stärkung der Gesundheitsförderung und Prävention und zwar auf Ebene Lebensstil und Verhalten wie auch auf Ebene Verhältnisse und Strukturen sowie Information der Bevölkerung über Krankheitssymptome und das richtige Verhalten im Notfall. Ebenso die Früherkennung von Personen mit erhöhten Risiken sowie die Stärkung der Forschung zu Fragestellungen im Bereich Prävention.

Doris Fischer-Taeschler
Geschäftsführerin Diabetes Schweiz

Diabetes

Was heisst dies in Bezug auf Vorsorge und Prävention?

In Bezug auf Diabetes mellitus (Typ-2-Diabetes) bedeutet dies das rechtzeitige Erkennen und adäquate Handeln. Im Primärpräventionsbereich heisst es aber auch, die Menschen frühzeitig und konsequent auf ihr Risiko anzusprechen, also bevor die Diagnose gestellt wird. Betroffene gilt es, rechtzeitig auf Risiken hinzuweisen, wenn sie wegen eines anderen akuten Leidens mit dem Gesundheitswesen in Kontakt kommen.

Welche Massnahmen müssen prioritär ergriffen werden und wie steht es um deren Effektivität? 

Wichtig sind Information und Aufklärung zu Fragen der Ernährung und Bewegung und zu den Risikofaktoren Tabak und Alkohol, wobei es auch darum geht, die Selbstverantwortung des Einzelnen zu stärken. Selbstverantwortlich handeln kann aber nur, wer dazu befähigt ist. Gesundheitsförderung geschieht nicht nur im Gesundheitsbereich, sondern auch in der Schule, am Arbeitsplatz und in der Freizeit.

Heinrich von Grünigen
Präsident der Schweizerischen Adipositas-Stiftung SAPS

Adipositas

Was heisst dies in Bezug auf Vorsorge und Prävention?

Prävention in Bezug auf Adipositas heisst, zu verhindern, dass Adipositas – sofern die entsprechende genetische Veranlagung vorhanden ist – überhaupt auftreten kann. Denn nicht nur der individuelle Lebensstil beeinflusst unser Körpergewicht, sondern ebenso sehr das zivilisatorische Umfeld mit Fastfood, Überkonsum von Zucker, dem Stress am Arbeitsplatz und eingeschränkter körperlicher Aktivität.

Welche Massnahmen müssen prioritär ergriffen werden und wie steht es um deren Effektivität? 

Was die Effektivität der Massnahmen betrifft, braucht es nicht nur eine umfassende Information und Aufklärung, sondern auch eine Veränderung vieler Lebensgewohnheiten bezüglich Ernährung und Bewegung sowie eine Regulierung schädlicher Umwelteinflüsse etwa in Werbung und Mode. Hilfreich wären eine einfache Nährwert-Deklaration und die Einführung einer Zuckersteuer, die sich im Ausland bereits bewährt hat.