In die Beschleunigungsfalle gerate ein Unternehmen dann, wenn es dem Management nicht gelingt, Nachhaltigkeit zu implementieren, und die Mitarbeitenden dauernd unter Stress stehen, betont der Fachexperte Dr. Justus Julius Kunz. Damit man gar nicht erst in diese Falle tappe, müssten sich Führungskräfte überlegen, welche Projekte und Ziele priorisiert werden sollen. Gleichzeitig gehe es darum, unnötige Projekte zurückzustellen oder ganz zu streichen. «Wichtig ist, dass man sich von einer klaren Strategie leiten lässt und sich darauf einigt, wo man gemeinsam hin will», erläutert Kunz.

Arbeit trotz Arbeitsunfähigkeit

Als ganz wichtig erachtet er eine wertschätzende Unternehmensführung. Zudem müssten Frühwarnsysteme eingeführt werden. Unter Stress werde erfahrungsgemäss weniger effektiv gearbeitet. Zu lange seien in Unternehmen nur krankheitsbedingte Absenzen erfasst worden, betont Kunz. Er verweist auf das Phänomen des sogenannten Präsentismus: Das Verhalten von Arbeitnehmenden, trotz Krankheit zu arbeiten. «Der Mitarbeitende erscheint dann zwar am Arbeitsplatz, ist aufgrund physischer, aber gerade auch psychischer Einschränkungen wenig produktiv.» Damit verbunden seien die Gefahr der Chronifizierung und Verschlimmerung von Krankheitssymptomen und die Wahrscheinlichkeit, später länger krankheitsbedingt abwesend zu sein.

Gute Unternehmenskultur

Untersuchungen haben gezeigt, dass bei gesundheitlich beeinträchtigten Arbeitnehmenden, die sich in drei Jahren nie krank gemeldet haben, das Risiko von Herzproblemen zunimmt. Hinzu kommt der finanzielle Aspekt. Rund zwei Drittel der Kosten, welche Unternehmen durch Krankheit entstehen, werden durch Präsentismus verursacht. Konkret: Präsentismus kostet mehr als Absentismus, wird aber mit klassischen Monitoring-Systemen nicht erfasst. Neben einem Frühwarnsystem seien und blieben aber die Führungskräfte der wichtigste Faktor. «Sie müssen förderliche Rahmenbedingungen schaffen, unter denen Mitarbeitende sich mit Begeisterung ins Unternehmen einbringen können und dauerhaft gesund bleiben.»