Wo, Frau Frey, liegen die Risikofaktoren für eine Osteoporose?

Es gibt eine Vielzahl von Risikofaktoren für Osteoporose. Dazu zählen unter anderem eine positive Familienanamnese und eine systemische langdauernde Steroidtherapie.

Je länger jemand Kortison einnehmen muss, desto schlimmer ist dies für den Knochen. Weitere Risikofaktoren sind eine rheumatoide Arthritis, Untergewicht, Rauchen, Alkohol und eine frühe Menopause.

Auch gewisse Therapien können zu einer vorzeitigen Menopause führen wie Chemotherapien oder eine Aromatasehemmer-Behandlung bei Brustkrebs. Eine weitere Rolle spielt Immobilität. Die Knochendichte geht schon nach einer Bettlägerigkeit von wenigen Wochen zurück.

Heute kann man Osteoporose vorbeugen und sie behandeln. Das Ziel ist, die Knochendichte zu erhalten oder zu erhöhen. Dafür kommen verschiedene Massnahmen in Frage: Was konkret kann man gegen Osteoporose tun?

Wichtig ist das Ausschalten aller Risikofaktoren. Also kein Untergewicht, kein Nikotin, wenig Alkohol, Krankheiten effizient behandeln und möglichst wenige schädliche Medikamente einnehmen.

Hinzu kommt eine gute Ernährung mit genügend Vitamin D, Kalzium und Eiweiss. Wichtig ist auch körperliche Aktivität – alles, was den Knochen positiv fordert, ist gut, wie zum Beispiel Tanzen oder Wandern.

Bekannt ist, dass Vitamin D und Kalzium in der Osteoporose-Prävention eine wichtige Rolle spielen. Wie kann man einer unzureichenden Versorgung mit den beiden Knochennährstoffen vorbeugen beziehungsweise einen entsprechenden Mangel beheben?

Kalzium, etwa 1'000 Milligramm pro Tag, kann recht gut mit der Nahrung aufgenommen werden. Dazu zählen Milchprodukte, grünes Gemüse, Nüsse und Mineralwasser mit hohem Kalziumgehalt.

Bei Patienten mit Unverträglichkeiten kann gelegentlich mit der Nahrung nicht genug Kalzium aufgenommen werden.

Meist genügen dann 500 Milligramm als Supplement, damit zusammen mit der Nahrung 1000 Milligramm erreicht werden. Um genügend Vitamin D zu erhalten, reicht es, im Sommer täglich 30 Minuten mit blossen Armen und Gesicht an der Sonne zu sein.

Bei älteren Menschen und dunkelhäutigen Personen ist die Vitamin-D-Produktion in der Haut durch die Sonne aber oft nicht genügend.

Deshalb brauchen viele Menschen zusätzlich Vitamin D als Supplemente. 800 Einheiten täglich sind bei den meisten Personen ausreichend. Zudem sollte genügend Eiweiss eingenommen werden, in der Regel 1 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht und pro Tag.

Ab welchem Alter sollten sich Frauen mit dem Thema Knochengesundheit befassen, um eine Osteoporose zu vermeiden?

Man sollte Risikofaktoren in jedem Alter möglichst vermeiden. Je nach Risikofaktoren sollte jederzeit an eine Osteoporose gedacht werden. Bei Frauen ohne wesentliche Risikofaktoren ist es bei Eintritt in die Menopause Zeit, sich einmal über Osteoporose Gedanken zu machen.

Immer wieder hört man, dass Frauen auch schon vor der Menopause an Osteoporose erkranken, zum Beispiel weil sie sich wegen einer Laktoseintoleranz nicht richtig ernähren können oder weil sie bestimmte Medikamente einnehmen müssen. Was empfehlen Sie hier?

Auch hier gilt, vermeidbare Risiken wenn möglich auszuschalten, Krankheiten optimal zu behandeln, schädliche Medikamente möglichst zu minimieren und auf regelmässige körperliche Aktivität zu achten.

Falls dies nicht möglich ist, braucht es oft Supplemente mit Vitamin D, vielfach auch Kalzium oder zusätzliche Eiweissdrinks.

Bei Patientinnen und Patienten mit einer Osteoporose muss ein individuelles Vorgehen bestimmt werden. Je nach Knochendichte, Art der Risikofaktoren und Alter wird das therapeutische Vorgehen gemeinsam mit den Patienten festgelegt.