Im alten Ägypten glaubten die Menschen, dass der Mensch in den Nun, das Urwasser, abtaucht und sich so erneuert. In der griechischen Mythologie wiesen die Zwillingsbrüder Hypnos und Thanatos darauf hin, dass der Schlaf als mysteriös und unheimlich, als eine Form des Todes verstanden wurde. In der Kulturgeschichte bis hin zur heutigen Literatur und Filmwissenschaft spielte der Schlaf immer wieder eine wichtige Rolle.

Warum müssen wir schlafen?

Und auch aus wissenschaftlicher Sicht bleibt der Schlaf ein Mysterium. Wiewohl wir immer besser verstehen, dass während des Schlafens sehr viele wichtige Prozesse im Gehirn ablaufen und dass der Schlaf wichtige Funktionen erfüllt, so bleibt die Frage, weshalb wir täglich acht Stunden schlafen und in einen anderen Bewusstseinszustand abtauchen müssen, immer noch weitgehend unbeantwortet. Nicht zuletzt aufgrund der Arbeiten des Zürcher Forschers und Nobelpreisträgers Walter Rudolf Hess (1881–1973) wissen wir, dass der Schlaf mitnichten ein Abschalten des Gehirns, sondern vielmehr einen höchst aktiven Prozess darstellt.

Schlaf-Wach-Erkrankungen

In den letzten Jahren ist der Schlaf überdies wieder vermehrt in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Zahlreiche Artikel in internationalen Zeitungen und viele Radio- und Fernsehsendungen legen davon Zeugnis ab. Diese wiedererstarkte Aufmerksamkeit hat wahrscheinlich mehrere Gründe. Zum einen haben einige wichtige Entdeckungen in der Schlafforschung die Erkennung und Behandlung von gewissen Schlaf-Wach-Erkrankungen erleichtert und gefördert. So haben Forscher beispielsweise 1998 einen Botenstoff im Gehirn entdeckt, der wesentlich zur Schlaf-Wach-Regulierung beiträgt und dessen Fehlen eine klar definierte Erkrankung, die Narkolepsie, auslöst. Zum anderen wird allenthalben unter dem Eindruck, dass viele von uns heute zu wenig, zu unregelmässig oder zu schlecht schlafen, auf allen Ebenen diskutiert, wie man Schlafstörungen besser erkennen und den Schlaf verbessern kann. Diese Erkenntnis dringt aktuell bis in die Führungsetagen von global operierenden Unternehmungen durch. Und nicht zuletzt wurde von der Wirtschaft der Schlaf als weiteres mögliches Zielobjekt für Lifestyle-Produkte erkannt, wie unter anderem auch die Bereiche Ernährung oder Bewegung.

Alzheimer

Alles in allem steht fest, dass wir genügend guten Schlaf benötigen, um ausgeglichen, leistungsfähig, zuverlässig und vor allem gesund zu bleiben. Immer mehr Zeichen weisen darauf hin, dass schlechter und ungenügender Schlaf vielen Erkrankungen wie jenen des Stoffwechsels oder neurodegenerativen Erkrankungen wie der Alzheimer-Erkrankung Vorschub leistet. Umgekehrt gibt es Hinweise, dass verschiedene Aspekte des Schlafs unsere Gesundheit fördern. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine gute Lektüre und vor allem: Schlafen Sie gut – und genug.