Bewegungsmedizin bedeutet für den Fitnessexperten Claude Ammann, dass Bewegung manchmal mehr nützt als ein Medikament – und dies ohne unerwünschte Nebenwirkungen.

Nichtübertragbare Krankheiten seien unter anderem aufgrund der demografischen Alterung der Gesellschaft ein bedeutender Kostentreiber im Gesundheitswesen. «Bewegung trägt dazu bei, dieser Kostenexplosion entgegenzutreten.» Davon ist Claude Ammann überzeugt.

« Leider wird in der Erziehung vielfach nur von Bildung, Gesellschaft, Kulturellem oder der Ernährung gesprochen, selten dagegen von Bewegungserziehung»

Einer der grössten Risikofaktoren in unserem Alltag sei das lange Sitzen während der Arbeitszeit.

«Eine einfache und wirksame Massnahme, um sich am Arbeitsplatz fit zu halten, ist beispielsweise eine Timerfunktion am PC, die alle 75 bis 90 Minuten aktiviert wird und den User oder die Userin daran erinnert, eine Bewegungspause einzulegen», empfiehlt Ammann.

Idealerweise besteht diese aus einem fünfminütigen Mobilisations- und Dehnungsprogramm.

Mentale Motivation

Wie die Begeisterung für Bewegung geweckt und gefördert werden kann, sei individuell, sagt Ammann. Viele Frauen und Männer würden sich heute, neben den beruflichen und privaten Zielen, auch verstärkt im gesundheitlichen Bereich Ziele setzen, betont Ammann.

Beispielsweise mit gezielten Übungen, um präventiv Rückenschmerzen vorzubeugen oder eine effektive und nachhaltige Sturzprophylaxe zu betreiben, was gerade mit zunehmendem Alter wichtig sei.

Eltern als Vorbild

Wie können schon Kinder und Jugendliche für den Sport und Bewegung begeistert werden? «Ich denke, dass die Eltern den grössten Einfluss auf Kinder in der Bewegungserziehung haben. Leider wird in der Erziehung vielfach nur von Bildung, Gesellschaft, Kulturellem oder der Ernährung gesprochen, selten dagegen von Bewegungserziehung», bedauert Ammann.

Die Eltern müssten Vorbild sein für ein bewegungsorientiertes und motiviertes Leben ihrer Kinder. Diese Aufgabe könne nur beschränkt an Vereine und an die Schule abgegeben werden.

«Da die Folgen von Bewegungsarmut oft nicht sofort ersichtlich sind, verstehen viele Eltern die Bedeutung solcher Massnahmen nicht.» Als fatal bezeichnet es Ammann, wenn Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule fahren oder selber Bewegungsmuffel seien.

«Heute sind viele Erwachsene zu inaktiv. Da ist es kein Wunder, dass unser Körper früher oder später Probleme bekommt», sagt Ammann. Alleine das Training in einem Fitnesscenter reiche aber nicht aus, betont der Fitnessexperte.

«Es braucht einen individuellen und angepassten Life-Balance-Plan, der möglichst viele Bewegungsaktivitäten zulässt.»