Allergien und Asthma sind sehr häufige Krankheiten. Ungefähr ein Drittel der Bevölkerung weist eine Sensibilisierung auf gewisse Allergene auf. Dies bedeutet aber noch lange nicht, dass man an einer Allergie leiden muss. Erst wenn entsprechende Symptome auftreten, liegt eine Allergie vor. Es hängt vom Sensibilisierungsgrad ab, ob man Beschwerden entwickelt. Die Beschwerden können auf der Haut, im Verdauungstrakt oder in den Atemwegen auftreten. Heuschnupfen ist ein typisches Beispiel für eine allergische Erkrankung, die meistens mit einer Entzündung der Nasenschleimhaut und der Augen und entsprechendem Nasenlaufen und Juckreiz einhergeht.

Viele Untergruppen

An Asthma leiden circa 10 bis 15 Prozent der Kinder und Erwachsenen. In den letzten Jahrzenten konnte man eine Zunahme von Allergien und Asthma beobachten. Man geht aber davon aus, dass der Höhepunkt der allergischen Erkrankungen erreicht wurde und dass deren Häufigkeit nicht mehr weiter zunimmt. In den letzten Jahren wurde viel über die Entstehung des Asthmas geforscht.

Man kennt heute sehr viele Untergruppen des Asthmas, welche sich ähnlich präsentieren, jedoch unterschiedliche Auslöser haben und bei denen sich die Entzündung in den Atemwegen unterschiedlich abspielt. Der Begriff Asthma ist im Wesentlichen ein Sammelbe griff, in dem die unterschiedlichsten Spielfor men zusammengefasst werden. Grob kann man zwei grosse Gruppen unterscheiden: Das allergische Asthma und das nicht allergische Asthma. Mit einer gezielten Abklärung und wenigen Untersuchungen (Allergietestung, Lungenfunktion und Blutuntersuchung) kann man das Asthma beziehungsweise seine Unterform richtig diagnostizieren. Die Einteilung ist für die Therapiewahl wichtig. In den letzten Jahren sind einige neue Medikamente mit verschiedenen Angriffspunkten zur Behandlung des Asthmas hinzuge kommen.

Grosse Fortschritte

Neben verschiedenen Medikamenten zum Inhalieren gibt es Arzneimittel, welche auf andere Art und Weise gegen die spezifische Entzündung in den Bronchien wirken und in regelmässigen Abständen gespritzt wer den. Die Immuntherapie, die sogenannte Desensibilisierung, hat in den letzten Jahren grosse Fortschritte gemacht. Mit dieser Therapie können bei Patienten mit einer Allergie auf nur ein Allergen (zum Beispiel auf Gräserpollen) gute und nachhaltige Resultate erzielt werden, solange noch keine Chronifizierung stattgefunden hat.

Um eine Chronifizierung zu verhindern, ist es wichtig, dass ein Asthma frühzeitig diagnostiziert wird. Asthma gehört zu den häufigsten chronischen Erkrankungen. Wie bei vielen chronischen Beschwerden schleicht es sich langsam ein und der Mensch gewöhnt sich im Laufe der Zeit daran. Er merkt zum Beispiel nicht mehr, dass seine Leistungsfähigkeit laufend abnimmt. Dies kann zu ei nem verheerenden Vermeidungsverhalten führen.

Kinder oder Jugendliche mit einem Asthma meiden sportliche Aktivitäten, weil sie im Vergleich zu den Gleichaltrigen weniger gut im Sport sind. Sie ziehen es vor, am Computer zu spielen. Dies führt wiederum dazu, dass die Leistungsfähigkeit der Kinder weiter abnimmt. Hier sind Eltern und Lehrer gefordert, bei einem «faulen unsportlichen» Schüler ein Asthma zu suchen und einer guten Diagnostik und Therapie zuzuführen.

Höchstleistungen erreicht

Früher sagte man den Asthmatikern, dass sie sich schonen müssten und auf körperliche Anstrengungen verzichten sollten. Diese Empfehlung hat sich komplett geändert. Heute wird im Gegenteil die körperliche Aktivität besonders empfohlen. Es gibt zahlreiche Spitzensportler, zum Beispiel die Eiskunstläuferin Denise Biellmann oder der Radrenn fahrer Alex Zülle, welche mit einer gut behandelten Asthmaerkrankung Höchstleistungen erreicht haben.

Gutes Aufwärmen und Einlaufen vor dem Sport schützt davor, dass sich die Bronchien anstrengungsbedingt verengen und so einen Asthmaanfall auslösen. Wenn die Pollenbelastung hoch ist, dann ist es ratsam, das Training in die Halle zu verlegen und nicht durch eine blühende Wiese zu rennen. Asthma hat häufig einen wellenförmigen Verlauf, das heisst es gibt bessere und schlechtere Tage. Auch hier sollen die Trainer, Lehrer, Eltern und Kollegen auf diese Schwankungen Rücksicht nehmen. Wichtig ist, dass ein Asthmatiker seine Symptome frühzeitig und richtig interpretieren kann. Die Symptome richtig zu deuten, ist für viele Asthmapa tienten nicht immer einfach.


Hier kann ein Asthmatagebuch helfen. Darin werden einerseits die täglichen Symptome und der Medikamentenbedarf festgehalten. Zusätzlich kann man seine Lungenfunktion mit einem Peak Flow Messgerät objektivieren und im Tagebuch dokumentieren. Eine solche Selbstkontrolle ist sehr wichtig, da Asthmatiker ihre Befindlichkeit tendenziell eher unterschätzen.

Ziel der Asthmabehandlung ist es, dass Asthmatiker im Alltag und in der Freizeit keinerlei Einschränkungen verspüren. Im Rahmen des Selbstmanagements sollten sie selber befähigt sein, Symptome rechtzeitig zu erkennen und die Therapie entsprechend anzupassen. Es ist einfacher Medikamente zu rezeptieren, als dem Patienten das Selbstmanagement beizubringen. Dies erfordert vom Arzt, dass er sich Zeit nimmt, um Asthma mit all seinen Aspekten zu erklären.