Jährlich wird die Notrufnummer der Dargebotenen Hand in der ganzen Schweiz rund 220 000 Mal gewählt. Bei einem Viertel der Anrufenden geht es in den Gesprächen hauptsächlich um psychische Belastungen und Krankheiten. Den medizinisch-fachlichen Teil kann und will die Dargebotene Hand für diese Menschen nicht abdecken, umso mehr jedoch den menschlich-emotionalen, der in den Therapien nicht selten zu kurz kommt.

1. Jemand hört zu

Viele Anrufende schätzen das rund um die Uhr offene Angebot nicht selten genau dann, wenn der Therapeut für sie keine Zeit hat. Sie wollen in ihrem Leiden ernst- und wahrgenommen werden, und genau dafür sind die rund 630 gut ausgebildeten Freiwilligen da. Diese wissen, wie wohltuend es für psychisch Leidende sein kann, wenn das Gegenüber wirklich versteht, wo der Schuh drückt. Sie hören aufmerksam zu, bieten Entlastung, sind aber auch bereit, im Gespräch zusammen mit den Hilfesuchenden nach noch vorhandenen Ressourcen Ausschau zu halten und Anrufende zu motivieren.

2. Ergänzung zum psychosozialen Angebot

Eine Gruppe von Psychiatriepatienten wurde kürzlich gefragt, was sie neben der fachlichen Hilfe von ihrer Therapeutin, ihrem Therapeuten denn vor allem erwarten. Die häufigste Antwort lautete: «Hören Sie mir aufmerksam zu, ohne gleich zu intervenieren oder zu werten». Der Satz, der dem Leitbild der Dargebotenen Hand entnommen sein könnte, macht klar, warum das grosse Schweizer Sorgentelefon von psychisch belasteten Menschen so häufig angegangen wird. Die Dargebotene Hand ist somit eine wichtige Ergänzung zum psychosozialen Angebot in Gemeinden und Kantonen.