Das kindliche Immunsystem ist zum Zeitpunkt der Geburt noch nicht voll entwickelt. Der Fötus erhält aber bereits im Mutterleib über die Plazenta Antikörper von der Mutter, die ihn vor Erregern schützen. «Wenn eine Mutter, sei es erworben oder angeboren, einen Antikörpermangel aufweist, setzt man weiterhin auf die Immunglobulin-Therapie», erläutert die Fachärztin Jana Pachlopnik Schmid. Nach der Geburt erhält das Kind Antikörper über die Muttermilch. Diese sind konkret auf die Abwehr von Mikroorganismen spezialisiert, die Schleimhäute befallen können. «Während der Stillzeit verändert sich die Muttermilch und passt sich optimal den Bedürfnissen des Kindes an», erklärt Pachlopnik. Die in der Muttermilch enthaltenen Eiweisse wirken sich günstig auf die Infektanfälligkeit der oberen Luftwege aus und tragen somit zum Schutz des Kindes bei. Ebenso geht man davon aus, dass gewisse Eiweisse in der Muttermilch die Zusammensetzung der Darmflora des Kindes günstig beeinflussen. So oder so sollte das Stillen für die Mutter möglichst nicht mit Stress verbunden sein, sagt Pachlopnik. Das würde sich auf Mutter und Kind kontraproduktiv auswirken.

Antikörper zuführen

Nach etwa zwei Lebensmonaten fängt das Immunsystem des Kindes selber zu «üben» an. Ab diesem Zeitpunkt sorgt der kindliche Organismus für die Produktion von Antikörpern. Das ist auch der Grund, weshalb in diesem Zeitraum in der Regel die ersten Impfungen durchgeführt werden. Sie ermöglichen es dem Kind, Antikörper gegen schwerwiegende Erkrankungen zu bilden. Wenn das Immunsystem nicht so funktioniert, wie es sollte, spricht man in der Medizin von einem Immundefekt. Damit verbunden ist eine höhere Anfälligkeit für Infekte, oder es kommt zu einer überschiessenden Immunreaktion. Auch beobachtet man, dass einige dieser Kinder anfälliger sind für eine spätere Krebserkrankung. Bildet das Kind zu wenig Antikörper aus, können diese bei betroffenen Kindern von aussen zugeführt werden.

Rechtzeitig zum Kinderarzt

Auch der kindliche Organismus ist permanent Keimen ausgesetzt. Harmlosere Infektionen sind dabei durchaus sinnvoll. Nur so kann sich beim heranwachsenden Kind ein guter Schutzmechanismus entwickeln: Der kindliche Körper lernt so, wogegen er in der Zukunft ankämpfen soll. Ein Vermeiden von jeglicher Gefährdung ist nicht nötig. Sie schützt das Kind nicht, sondern macht den Organismus angreifbarer. Das gilt selbstverständlich nicht für potenziell schwere Erkrankungen wie zum Beispiel Masern. «Gegen einige potenziell lebensbedrohende Krankheiten sollten Kinder geimpft werden», betont Pachlopnik. Neben allgemeinen Hygienemassnahmen wie Händewaschen vor dem Essen rät die Fachärztin für Kinderimmunologie zur regelmässigen Vorsorgeuntersuchung beim Kinderarzt. «Auch wenn Eltern den Eindruck haben, mit ihrem Kind stimme etwas nicht, sollte man rechtzeitig die Kinderarztpraxis aufsuchen.» Heute geht man davon aus, dass in der Schweiz 1 unter 1000 Personen unter einem leichten Immundefekt leidet beziehungsweise bei 1 von 10000 Personen ein schwerer Defekt vorliegt. Derzeit sind anonymisiert nur rund 350 Betroffene registriert, die Dunkelziffer ist also hoch.